Privatkunden müssen für Banken profitabler werden

16.08.2016 |  Von  |  News
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Obwohl die Zahl der Kunden tendenziell steigt, das Privatkundengeschäft wird für viele Banken immer unrentabler. Das zeigt eine aktuelle Studie der internationalen Managementberatung Horváth & Partners. Um wieder profitabel zu werden, setzen die meisten Institute auf Kostensenkungen. Filialschliessungen und Personalabbau stehen dabei im Fokus. Stattdessen soll die digitale Geschäftsabwicklung ausgebaut werden. Berater sind dabei nicht mehr zwingend erforderlich.

Für ein Fünftel der im Rahmen der Studie befragten Branchenexperten ist das Privatkundengeschäft heute nicht mehr profitabel. 40 Prozent glauben, dass dies bis zum Jahr 2020 der Fall sein wird. Steigende Kundenzahlen allein können diese Entwicklung nicht kompensieren. Über zwei Drittel der Banken planen, weitere Filialen zu schliessen. Mehr als 70 Prozent der Befragten wollen zudem die Mitarbeiteranzahl um bis zu 20 Prozent reduzieren.

Drehen an der Gebührenschraube

Nicht nur die Kosten sollen optimiert werden: „Um langfristig profitabel arbeiten zu können, müssen viele Banken ihre Preis- und Gebührenmodelle anpassen“, erklärt Dr. Marcus Niebudek, Senior Manager bei Horváth & Partners. Rund zwei Drittel der befragten Institute planen derzeit, ihre Preise und Gebühren zu erhöhen – scheinbar jedoch nur partiell: Kostenlose Onlinekontomodelle soll es gemäss der Studie bei 60 Prozent der betrachteten Banken weiterhin geben.

Robo Advice statt persönlicher Beratung

Nahezu alle Befragten erwarten, dass die Digitalisierung manchen Banker aus Fleisch und Blut überflüssig machen wird – etwa, indem Empfehlungen automatisiert gegeben werden und verstärkt digitale Alternativen zur persönlichen Beratung Einzug halten.

Mit „Robo-Advice“ machen bereits heute viele Banken erste Erfahrungen, wie Dr. Niebudek berichtet: „Auch zukünftig individuelle Anlageberatung durch persönliche Berater flächendeckend anzubieten, wäre – insbesondere im Retail Banking – schlicht zu teuer. Ein digitales, automatisiertes Beratungsangebot ist da deutlich kostengünstiger und gerade für junge, internetaffine Zielgruppen eine ganz natürliche Entwicklung.“


Persönliche Beratung ist teuer. (Bild: © Jeanette Dietl - shutterstock.com)

Persönliche Beratung ist teuer. (Bild: © Jeanette Dietl – shutterstock.com)


Auch wer Wert auf eine persönliche Beratung legt, muss dafür nicht in die nächstgelegene Bankfiliale gehen: Kunde und Bankberater sitzen sich immer seltener physisch gegenüber. Stattdessen nehmen Onlinechats, Video- und Telefonberatung stetig zu. Über 80 Prozent der Bankexperten gehen davon aus, dass diese Formen der „Kundenberatung über Distanz“ in den kommenden Jahren noch stärker zunehmen werden.

Keine Berührungsängste zu FinTechs

Nachdem FinTechs von Banken lange als Bedrohung angesehen wurden, ändert sich jetzt der Kurs: Mehr als 80 Prozent der Studienteilnehmer wollen künftig enger mit diesen kooperieren. Eine Entwicklung, die Bankenexperte Dr. Niebudek begrüsst: „FinTechs haben meist keine eigene Banklizenz und sind auf Kooperationen mit Banken und deren Zugang zu Kunden angewiesen. Banken können so ihr Leistungsangebot kostengünstig und flexibel erweitern und zusätzliche Ertragspotenziale erschliessen. Und für die Kunden entsteht ein maximal attraktives Angebot.“

 

Artikel von: Horvath AG
Artikelbild: © vectorfusionart – shutterstock.com

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1 Kommentar


  1. “Kunde und Bankberater sitzen sich immer seltener physisch gegenüber. Stattdessen nehmen Onlinechats, Video- und Telefonberatung stetig zu.” Diese Aussage erstaunt doch eher. Verfügt der Autor über Zahlen, um seine Behauptung zu stützen? Meines Wissens bieten in der Schweiz ganze zwei Banken die Videoidentifizierung (vergleich FINMA-Erlass vom 3. März 2016) an, nämlich die Valiant und die UBS. Und von der qualifizierten elektronischen Signatur zum Abschliessen von Verträgen bzw. zum Unterzeichnen von Dokumenten will in der Schweiz keine einzige Bank etwas wissen, obwohl diese seit Jahren bundesgesetzlich der handschriftlichen gleichgestellt ist. Aber selbst wenn die Privatkontoeröffnung mittels Videoidentifizierung (für Geschäftskontos wird diese Form der Kontoeröffnung noch von keiner Schweizer Bank angeboten!) reibungslos klappt wie bei der Valiant (die UBS hat die Technologie noch überhaupt nicht im Griff!), wird man danach noch immer mit einer Papierflut von Dokumenten übergossen. Digitale, verschlüsselte Zustellung von Dokumenten wird mit fadenscheinigen und unqualifizierten Argumenten partout abgelehnt. Mein Fazit: Die Banken werden sich erst bequemen zu handeln, wenn sich globale Players wie Apple auf dem Finanzmarkt breit machen, wie mit dem Markteintritt von Apple Pay augenscheinlich zu beobachten war.

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