Lohnforderungen von mindestens 0,5 Prozent

09.08.2016 |  Von  |  Arbeitsmarkt, News

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Allmählich erholt sich die Industrie vom Frankenschock, und in den Unternehmen steigt die Produktivität wieder an.

Aus diesem Grund müssen auch die Löhne in der Lohnrunde 2016/2017 steigen. Und zwar um mindestens 0,5 Prozent – so die Forderungen der Angestellten Schweiz.

Forderungen an die Arbeitgeber

„Der weltwirtschaftlichen Risiken für die Konjunktur zum Trotz (etwa die Folgen des Brexit) gibt es keine Gründe, die gegen eine angemessene Erhöhung der Angestelltenlöhne im Jahr 2017 sprechen“, sagt Stefan Studer, Geschäftsführer der Angestellten Schweiz. Der Verband fordert für die Fokus-Branchen MEM-Industrie und chemische Industrie 0,5 bis 0,8 Prozent mehr Lohn, für die Pharmaindustrie, die weiterhin überdurchschnittlich gut unterwegs ist, mindestens 1 Prozent. Bei seinen Forderungen stützen sich die Angestellten Schweiz u.a. auf Branchenprognosen der BAK Basel Economics AG.

MEM-Industrie: Wettbewerbsfähigkeit gestiegen

Nachdem die Branche die Hauptlast des Frankenschocks absorbiert und durch teils schmerzhafte Anpassungsprozesse ihre Wettbewerbsfähigkeit gesteigert hat, dürfte sie im Jahr 2016 auf die Erfolgsspur zurückkehren. Die Stundenproduktivität wird 2017 in allen Subbranchen steigen. Davon sollen auch die Angestellten profitieren. Es muss die Regel gelten: Je höher die Produktivität in einer Branche ist, desto höher liegt das Lohnniveau.

Viele MEM-Betriebe setzen sich intensiv damit auseinander, die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung auszuloten und für sich zu nutzen. Gerade die Industrie 4.0 ist auf spezialisierte Fachkräfte angewiesen. Angesichts der weiterhin offenen Frage, wie die Masseneinwanderungsinitiative umgesetzt werden soll, bleibt die Lage in diesem Segment des Arbeitsmarktes angespannt. Allein das Gesetz von Angebot und Nachfrage spricht dafür, die Löhne zu erhöhen.

Chemieindustrie

Die starke internationale Konkurrenz und der anhaltende Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken haben der Branche in der Vergangenheit zugesetzt. Nichtsdestotrotz dürfte auch in dieser Branche die Produktivität gesteigert und damit die Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden. Dies ist auch ein Verdienst der Mitarbeitenden.


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Die Forderungen für die Lohnrunde 2016/2017 belaufen sich auf mindestens 0,5 Prozent mehr Lohn. (Bild: © VAZZEN – shutterstock.com)


Pharmaindustrie

Im Vergleich der Branchen generiert die Pharmaindustrie weiterhin eine überdurchschnittliche Bruttowertschöpfung und bleibt damit das Zugpferd der Wirtschaft. Sie profitiert von der weltweit stabilen Nachfrage – insbesondere aufgrund des zunehmenden Wohlstands und des demografischen Wandels. Die Beschäftigung in der Branche wird weiter wachsen. Dies führt zu einem verschärften Wettbewerb um die Talente. Wie in der MEM-Industrie muss sich dies bei der Lohnentwicklung niederschlagen. Lohndumping ist unfair

Seit der Finanzkrise 2008 sind in der Industrie rund 40 000 Stellen verloren gegangen. Deshalb hat der Erhalt der Arbeitsplätze für die Angestellten Schweiz weiterhin oberste Priorität. Der Verband fordert keine flächendeckenden Lohnerhöhungen. Vielmehr sollen die Löhne in den einzelnen Betrieben entsprechend ihrer Situation ausgehandelt werden.

Die Arbeitgeber sind dazu angehalten, den freien Personenverkehr nicht dazu zu missbrauchen, die Löhne schleichend zu senken – gerade bei Berufseinsteigern. Lohndumping ist nicht nur unfair, sondern schadet dem Arbeitsklima und schwächt das Lohnniveau derjenigen, die nicht einem Mindestlohnregime unterliegen. Davon betroffen ist insbesondere der Schweizer Mittelstand.

„Eigentlich wissen die Unternehmer ganz genau, dass die komplexen Herausforderungen und die Chancen der Industrie 4.0 nur mit motivierten und flexiblen Angestellten gemeistert werden können“, sagt Stefan Studer. „Deshalb gilt es, in die Angestellten zu investieren – einerseits in Form fairer und angemessener Löhne, andererseits in Form gezielter Bildungsmassnahmen.“ Die digitale Zukunft ist für die Arbeitnehmer eine gros-se Herausforderung, aber auch für die Unternehmen. Mehr gesellschaftliche Verantwortung der Arbeitgeber ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass der Wandel gelingt.

Forderungen an die Angestellten: Kompetenzen weiterentwickeln

Die Arbeitswelt verändert sich laufend und immer schneller. Ein Schlüssel für den längerfristigen Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit und des Lohnniveaus liegt in der steten Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen. Die Verantwortung dafür trägt nicht nur der Arbeitgeber, sondern ebenso jeder Angestellte selbst. Die Angestellten Schweiz unterstützen ihre Mitglieder mit Beratung und Bildungsangeboten.

Forderungen an die Politik: Industrie 4.0 fördern

Die Industrie 4.0 ist durch den Staat, die Politik und die Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-verbände mit geeigneten Mitteln zu fördern. Dabei denken die Angestellten Schweiz nicht an eine Industriepolitik im herkömmlichen Sinne, sondern an gute Rahmenbedingungen, Leitplanken, Informationskampagnen oder Koordinationsaufgaben. Das Bildungssystem muss im Hinblick auf die Herausforderungen der Industrie 4.0 angepasst und weiterentwickelt werden.

Die Branchenprognosen von BAK Basel Economics AG finden Sie auf www.angestellte.ch.

 

Artikel von: Angestellte Schweiz / Employés Suisse
Artikelbild: © sutham – shutterstock.com

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