Bauernverband: Heftige Kritik am Preisüberwacher

16.07.2016 |  Von  |  News
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Bauernverband: Heftige Kritik am Preisüberwacher
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Heftige Kritik an Stefan Meierhans, dem Preisüberwacher des Bundes, übt der Schweizer Bauernverband. Meierhans hatte in seinem Newsletter vom 30. Juni eine Analyse zur Hochpreisinsel Schweiz vorgestellt. Darin sprach er sich für eine Abschaffung der als „preistreibend“ angesehenen Agrarzölle aus. Es sei für den Staat günstiger, die Landwirtschaft über Direktzahlungen als über Zölle zu unterstützen, so der Preisüberwacher.

Der Bauernverband weist darauf hin, dass die Zölle auf Lebensmittel der Landwirtschaft einen Mehrwert von zwei Milliarden Franken und dem Fiskus Einnahmen von 600 Millionen Franken einbrächten. Mit der vorgeschlagenen Grenzöffnung fielen diese Einnahmen weg.

Der Bundesrat wäre gezwungen, entweder die Steuern zu erhöhen oder zu sparen – auch bei der Landwirtschaft. Um die Leistungen für Ökologie und Landschaft mit weniger Direktzahlungen sicherzustellen, würde der Bund statt mit teuren Anreizen zukünftig mit „Abreizen“ arbeiten, sprich mit Vorschriften.

Zoll-Abschaffung existenzgefährdend

Damit würden die Produktionskosten aber noch teurer, während gleichzeitig mit der Grenzöffnung die Preise verfielen. Konsequenz davon seien tiefe Einkommenseinschnitte bei den Bauernfamilien, die jährlich über 1‘000 Betriebsaufgaben zur Folge hätten. Das Lohnniveau und die Zahlungsbereitschaft in der Schweiz seien hoch. Der einheimische Markt sei klein, die Konkurrenz in vielen Branchen bescheiden. Grosse Player, die den Markt dominierten, könnten die Warenauswahl und die Preise steuern. Nicht Angebot und Nachfrage bestimmten den Preis, sondern das Prinzip der Kaufkraftabschöpfung.

Obwohl viele Waren zollbefreit seien, bezahlten Schweizer Bürger für Medikamente, Kleider und Telefonabonnemente bedeutend mehr als in Deutschland. Dort koste ein Kilo Schweinefilet im Laden 9.40 Franken. Zum Bauer gelangten davon 2.15 Franken oder 23 Prozent. In der Schweiz sei das Ungleichgewicht noch viel grösser: Der Konsument bezahle für das Filet einen Kilopreis von 53 Franken. Obwohl der Bauer das grösste Risiko trage, erhalte er davon gerade mal 4.40 Franken beziehungsweise acht Prozent. Selbst wenn er das Filet gratis liefere, wäre der Ladenpreis immer noch fünf Mal so hoch wie in Deutschland.

Gegen falsche Darstellungen

Der Bauerverband fragt daher: „Sind also wirklich die Agrarzölle Schuld an den hohen Preisen für die Konsumenten, die Hotellerie und den Tourismus? Oder eher der Handel und die Lebensmittelindustrie?“ Leider geistere die Falschdarstellung von Preisüberwacher Meierhans bereits durch die Medien und der Imageverlust für die Landwirtschaft sei komplett. Als Konsument und Steuerzahler erwarte man vom Preisüberwacher, dass er die wirklichen Profiteure an den Pranger stelle. Ansonsten sei er überflüssig.

 

Artikel von: Schweizer Bauernverband
Artikelbild: Symbolbild (© antb – shutterstock.com)

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