Gift in der Outdoor-Branche: Hersteller schwenken um

14.07.2016 |  Von  |  News
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Es ist eine Premiere und ein Schritt in die richtige Richtung: Zum ersten Mal hat sich mit dem deutschen Unternehmen Vaude einer der grossen Produzenten von Outdoor-Artikeln zu einer giftfreien Herstellung verpflichtet. Vaude unterzeichnete das Greenpeace-Detox-Commitment. Ebenso ging der Schweizer Hersteller Rotauf diese Verpflichtung ein. Auf der anderen Seite hinken Konzerne wie Mammut dieser Entwicklung noch weit hinterher. Bei Untersuchungen von Greenpeace schneidet Mammut desaströs ab.

Vaude und Rotauf werden in Zukunft auf gefährliche Chemikalien in ihren Produkten verzichten. Dies haben die beiden Outdoor-Marken heute am Rande der Branchenmesse „OutDoor“ in Friedrichshafen (D) bekannt gegeben. Mit der Unterzeichnung des Detox-Commitments von Greenpeace verpflichten sich das deutsche und das Schweizer Unternehmen, ihre ganze Produktionskette bis spätestens im Jahr 2020 von umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien zu befreien.

Besonders schädliche Stoffe wie PFC (per- und polyfluorierte Chemikalien) müssen vorher eliminiert werden. Die beiden Firmen schliessen sich damit der englischen Marke Páramo an, die schon früher eine Detox-Verpflichtung eingegangen ist.

Greenpeace ist erfreut über diesen Erfolg der weltweiten Kampagne zur Entgiftung des Outdoor-Sektors. „Hunderttausende Outdoor-Liebhaber haben ihre Lieblingsmarken auf die PFC-Problematik aufmerksam gemacht – Marken, die ihre Liebe zur Natur betonen, während sie gleichzeitig die Umwelt verschmutzen“, sagt Mirjam Kopp, Leiterin der weltweiten Detox-Outdoor-Kampagne. „Es ist Bewegung in die Branche gekommen: Die ersten Marken anerkennen die Notwendigkeit, schädliche Chemikalien aus ihrer Produktionskette zu entfernen. Stattdessen setzen sie nun auf die bereits existierenden PFC-freien Alternativen.“

Schlusslicht: Mammut

Ein heute publizierter Zwischenbericht von Greenpeace zur Entgiftung des Outdoor-Sektors zeigt allerdings, dass noch längst nicht alle Marken willens sind, auf PFC zu verzichten. Viele davon brüsten sich zwar öffentlich damit, diese Chemikalien bis 2020 aus ihren Produkten zu eliminieren – setzen sie aber in den Membranen von Regenkleidung, in Rucksäcken, Schuhen und Schlafsäcken weiterhin ein.

Bei anderen Marken hat Greenpeace festgestellt, dass es an Transparenz fehlt oder einem angemessenen System zur Überwachung schädlicher Chemikalien in den Produktionsketten. Die bekannte Schweizer Firma Mammut gehört zu den Schlusslichtern dieses Rankings.


Erfolg für Greenpeace: Erste Hersteller von Outdoor-Artikeln schwenken auf giftfreie Produktion um. (Bild: © Rob Wilson - shutterstock.com)

Erfolg für Greenpeace: Erste Hersteller von Outdoor-Artikeln schwenken auf giftfreie Produktion um. (Bild: © Rob Wilson – shutterstock.com)


Schlechte Luft in Mammut-Stores

Mammut schneidet auch bei Luftmessungen in Läden schlecht ab. Greenpeace hat heute an einer Medienkonferenz in Friedrichshafen die Resultate von Tests in Läden von Mammut, The North Face, Haglöfs und Norrøna vorgestellt. Die höchste Konzentration volatiler PFC wurde in einem Mammut-Store in Deutschland gefunden – diese war 60mal höher als in einem durchschnittlichen Innenraum und tausendmal höher als in der Aussenluft.

Studien zeigen, dass bestimmte PFC das Immunsystem und den Hormonhaushalt schädigen können. Bestimmte flüchtige PFC können im menschlichen Körper in giftige, krebserregende Substanzen wie PFOA abgebaut werden. «Mitarbeiter in Outdoor-Läden sind diesen gefährlichen Stoffen jeden Tag ausgesetzt», sagt Manfred Santen, Chemiker von Greenpeace. Die Umweltorganisation fordert nationale Gesundheitsbehörden auf, den Einfluss von PFC auf die Gesundheit von Ladenmitarbeitern und der weiteren Bevölkerung genauer zu untersuchen.

Chemikalien: ein weltweites Problem

PFC sind chemische Verbindungen, die in der Natur nicht existieren. Sie weisen Wasser und Schmutz von Outdoor-Kleidung ab und werden auch bei der Herstellung von innen liegenden wasserdichten Membranen (zum Beispiel Gore-Tex) verwendet. Über Nahrung, Luft und Trinkwasser gelangen sie in den menschlichen Organismus. Eine Greenpeace-Untersuchung von Schnee- und Wasserproben in entlegenen Gebieten – darunter auch der Schweizerische Nationalpark – wies im Herbst 2015 die weltweite Verbreitung von PFC nach.

 

Artikel von: Greenpeace Schweiz
Artikelbild: © chrupka – shutterstock.com

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