Kulturelle Barrieren blockieren Frauen beim Karriereaufstieg

13.06.2016 |  Von  |  Allgemein
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Noch immer finden wir in der Finanzbranche nur selten Frauen an Spitzenpositionen. Verglichen mit anderen Ländern schneidet die Schweiz bei der Anzahl weiblicher Geschäftsleitungen schlecht ab. Dies zeigt die zweite Auflage der Studie „Women in Financial Services“ von Oliver Wyman, die 381 Finanzunternehmen in 32 Ländern untersucht.

Die Schweiz liegt beim Frauenanteil in der Geschäftsleitung nur auf Platz 30 von 32. Die Studie zeigt, wie es mit konkreten Massnahmen wie flexiblen Arbeitsmodellen, einer transparenten und leistungsgerechten Beförderungspolitik und einer veränderten Unternehmenskultur gelingt, weibliche Karrieren zu fördern.


Frauenanteil in Geschäftsleitungspositionen der grössten Finanzorganisationen (in %) (Bild: © obs/Oliver Wyman)

Frauenanteil in Geschäftsleitungspositionen der grössten Finanzorganisationen (in %) (Grafik: © obs/Oliver Wyman)


Der Anteil von Frauen in den Verwaltungsräten und der Geschäftsleitung der zehn grössten Schweizer Finanzorganisationen verharrt auf niedrigem Niveau. Lediglich 22 Prozent der Verwaltungsratsmitglieder sind hierzulande weiblich; in der Geschäftsleitung liegt der Frauenanteil gar bei nur fünf Prozent.

Seit 2003 hat sich der Frauenanteil von einer niedrigen Ausgangsbasis ausgehend in den Verwaltungsräten zwar verdoppelt – doch in der Geschäftsleitung der führenden Schweizer Finanzdienstleistungsunternehmen ist der weibliche Anteil kaum gestiegen und im Vergleich zu 2013 sogar wieder leicht rückgängig und um zwei Prozentpunkte gesunken.

Die Schweiz im internationalen Vergleich

Die Schweiz liegt damit der Oliver Wyman-Studie zufolge international bei den Verwaltungsräten mit Platz 12 unter den 32 untersuchten Ländern im Mittelfeld und bei der Geschäftsleitungsmitgliedern mit Platz 30 ganz unten, nur in Japan und Südkorea ist der Frauenanteil noch geringer.

Im Durchschnitt aller betrachteten Finanzunternehmen beträgt der Frauenanteil in den Verwaltungs- beziehungsweise Aufsichtsräten 20 Prozent und in den Geschäftsleitungen 16 Prozent. Doch die Spanne ist gross, und an der Spitze stehen Länder wie Norwegen, Schweden und Thailand mit über 30 Prozent Frauenanteil in den Geschäftsleitungen.


Umfrage in Finanzorganisationen: "Ich möchte eine Führungsposition in meinem Unternehmen erreichen" (in %) (Bild: © obs/Oliver Wyman)

Umfrage in Finanzorganisationen: „Ich möchte eine Führungsposition in meinem Unternehmen erreichen“ (in %) (Grafik: © obs/Oliver Wyman)


Bliebe es bei dem derzeit langsamen Zuwachs an weiblichen Führungskräften in der Finanzbranche, würde weltweit erst in 30 Jahren (im Jahr 2048) ein Frauenanteil von 30 Prozent in den Geschäftsleitungen erreicht.

„Die grössten Schweizer Finanzunternehmen zählen zu den Instituten, die im internationalen Vergleich bei den Geschäftsleitungen ohne Dynamik am unteren Ende feststecken, während Länder wie Grossbritannien, die USA, Polen, Italien, die Niederlande und Österreich zu den Aufsteigern zählen“, sagt Astrid Jäkel, Partnerin bei Oliver Wyman in Zürich und Leiterin der Studie.

Traditionelle Rollenbilder bremsen den Fortschritt

Ein kurzer Mutterschaftsurlaub, fehlender Vaterschaftsurlaub, wenig steuerliche Unterstützung für Eltern und hohe Kosten der Kinderbetreuung machen es Frauen in der Schweiz schwer, Familie und Karriere zu vereinbaren.

Doch obwohl in Deutschland die Familienförderung Frauen weitaus stärker unterstützt, ist dort der Frauenanteil nicht wesentlich höher als hierzulande. Die strukturelle Förderung allein kann es also nicht sein, die den niedrigen Frauenanteil in Führungspositionen erklärt.


Frauenanteil in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen der grössten Finanzorganisationen in der Schweiz (in %) (Bild: © obs/Oliver Wyman)

Frauenanteil in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen der grössten Finanzorganisationen in der Schweiz (in %) (Grafik: © obs/Oliver Wyman)


Vielmehr sind die Ursachen für das Zurückbleiben Schweizer und deutscher Finanzinstitutionen tiefer verwurzelt. Kulturelle Prägungen und Barrieren bremsen den Aufstieg von Frauen, wie die Interviews von Oliver Wyman mit Führungskräften zeigen: Traditionelle Rollenbilder sind nach wie vor in vielen Köpfen verankert und sehen für Frauen eher die Mutterrolle, gegebenenfalls kombiniert mit einer Teilzeittätigkeit, als eine ambitionierte Karriere vor.

Aus der Studie geht hervor, dass in der Schweiz weniger als die Hälfte der befragten Frauen in der Finanzbranche aktiv eine Führungsposition anstrebt, während es im internationalen Vergleich fast zwei Drittel sind.

„Für uns ist dies ein Hinweis auf die stark ausgeprägten geschlechtsspezifischen Rollenbilder“, sagt Jäkel. „Die Schweizer Finanzunternehmen können die nationale Kultur zwar nicht verändern – zumindest nicht kurzfristig. Aber sie können viel dafür tun, weibliche Führungskräfte zu stärken und so auch zu einem kulturellen Wandel beizutragen.“

 

Artikel von: Oliver Wyman
Artikelbild: © Pressmaster – Shutterstock.com

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