Getrübte Aussichten für die Weltwirtschaft

12.05.2016 |  Von  |  News

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Getrübte Aussichten für die Weltwirtschaft
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Die Entwicklung der Weltwirtschaft wird von Schweizer Unternehmen mit grösserer Sorge betrachtet. Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens EY glaubt nur noch knapp jeder fünfte Schweizer Manager an eine Verbesserung. Auch die Erwartungen an die Entwicklung des Heimmarktes sind innert Halbjahresfrist zurückgegangen.

Allerdings rechnet ein Grossteil der Schweizer Unternehmen in den kommenden Monaten mit einem stabilen M&A-Volumen. Einige grosse Deals stehen in der Pipeline. Neue OECDRichtlinien haben bereits 12 Prozent der Schweizer Befragten gezwungen, geplante Übernahmen abzusagen.

Die Zuversicht und damit auch der Übernahmeappetit in der weltweiten Wirtschaft nehmen ab. Auch Schweizer Grossunternehmen sind wieder deutlich pessimistischer als noch im letzten Halbjahr. So glauben hierzulande nur noch 19 Prozent daran, dass sich die Weltwirtschaft verbessern wird. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber der letzten Umfrage im Herbst 2015, als mit 80 Prozent die meisten Schweizer Unternehmen eine Verbesserung der globalen Wirtschaftslage erwarteten.

Weltweit sieht es gemäss dem aktuellen „Capital Confidence Barometer“ des Beratungsunternehmens EY ähnlich aus: Die Zahl der Konjunkturoptimisten hat sich innert Halbjahresfrist von 83 auf 37 Prozent mehr als halbiert. Basis der Studie ist eine Umfrage unter 1‘700 Führungskräften in Grossunternehmen weltweit, davon 31 aus der Schweiz.

„Die Führungskräfte haben ihre Wachstumseinschätzungen klar nach unten korrigiert. Langsames wirtschaftliches Wachstum kombiniert mit zunehmend disruptiven Einflussfaktoren kann aber zu einem stärkeren Bedürfnis nach Transaktionen führen. Angesichts des Preisdrucks und des hohen Veränderungstempos reicht vielen Unternehmen organisches Wachstum nicht mehr aus. Neben Zukäufen sind aber auch eine verstärkte Allianzbildung und das Eingehen von Partnerschaften zu beobachten“, sagt Ronald Sauser, Head M&A bei EY Schweiz.

Gründe hierfür seien Ersparnisse bei den Integrationskosten sowie die höhere Flexibilität strategischer Allianzen.

Weltweite politische Instabilität bereitet grösste Sorge

Nur 13 Prozent der Schweizer Manager glauben, dass sich die Wirtschaftslage auf dem Heimatmarkt kurzfristig verbessern wird. Im Oktober waren noch 52 Prozent positiv gestimmt. Knapp drei von vier Befragten (74 Prozent) gehen immerhin von einer gleichbleibenden Entwicklung aus − 13 Prozent erwarten kurzfristig eine Verschlechterung der Binnenkonjunktur.

Auch bezüglich des Arbeitsmarkts ist eine Ernüchterung zu spüren: Nur noch jedes vierte Schweizer Unternehmen (26 Prozent) will zusätzliches Personal einstellen, vor einem halbenJahr beabsichtigte dies noch gut jedes zweite Unternehmen (52 Prozent).

Weltweit ist die Situation ähnlich: Die Bereitschaft, zusätzliche Jobs zu schaffen, sank von 45 auf 28 Prozent. Sowohl global wie in der Schweiz sehen Manager eine zunehmende politische Instabilität als grösstes wirtschaftliches Risiko für die nächsten sechs bis zwölf Monate. Den Schweizer Unternehmen schlägt vor allem die ökonomische Situation in der Eurozone auf den Magen: 26 Prozent der Unternehmen sehen hier ein grosses Risiko (Herbst 2015: 8 Prozent).

Für jeden vierten Manager (Schweiz: 23 Prozent, global: 26 Prozent) stellen zudem stark schwankende Währungskurse und volatile Rohstoffpreise ein erhöhtes Risiko dar. Viele externe Faktoren belasten derzeit das Vertrauen in die Weltkonjunktur. Die Wachstumsraten der BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) sehen zurzeit wenig vielversprechend aus und die europäische Konjunktur kommt nicht so recht auf Touren. Ein möglicher EU-Austritt Grossbritanniens sowie die Uneinigkeit in der Flüchtlingsfrage stellen den gesamten europäischen Wirtschaftsraum auf die Probe.



Angepasste M&A-Erwartungen

Nach dem sehr positiven Ausblick vom letzten Herbst haben weltweit verschiedene Unternehmen ihre Pläne für Fusionen und Übernahmen zurückgesetzt. Insgesamt spiegeln die Zahlen jedoch eine positive Grundeinstellung wider, denn es rechnen immer noch viel mehr Unternehmen mit höheren Transaktionsaktivitäten als mit tieferen. 39 Prozent der Befragten weltweit gehen von steigender Aktivität aus, 5 Prozent von einem Rückgang, die Hälfte erwartet keine Veränderung.

Die Schweizer Befragten schätzen die weltweite Entwicklung ähnlich ein. Auf ihrem Heimatmarkt selbst rechnen nur noch 16 Prozent (Herbst 2015: 40 Prozent) der Schweizer Manager mit steigender M&A-Aktivität.

Unternehmen planen mehr und grössere Einzelzukäufe

Noch im Herbst 2015 rechneten die befragten Schweizer Manager nicht mit Deals von über einer Milliarde USD. In der aktuellen Studie gaben aber 18 Prozent der Schweizer Unternehmen an, Einzelzukäufe in der Grössenordnung von über einer Milliarde USD tätigen zu wollen. International planen dies 12 Prozent (Herbst 2015: 3 Prozent). Der Fokus bei Einzelzukäufen liegt für knapp zwei Drittel der Schweizer Unternehmen im mittleren Bereich zwischen 250 Millionen und 1 Milliarde USD.

International gibt knapp jedes zweite Unternehmen (49 Prozent) an, Deals im Rahmen von maximal 250 Millionen USD abwickeln zu wollen. „Der Trend zu grösseren Deals geht weiter. Auch die Anzahl der Transaktionen in der Pipeline der Unternehmen hat sich erfreulich entwickelt: So arbeiten Unternehmen gerade parallel an drei bis vier Transaktionen, vor rund einem halben Jahr waren es noch eine bis zwei. Wir rechnen damit, in der nahen Zukunft noch einige Abschlüsse mit bekannten Schweizer Unternehmen öffentlich verkünden zu können“, so Ronald Sauser.

Heimmarkt bleibt bevorzugtes Investitionsziel

Die weltweiten Top-3-Investitionsmärkte bilden aktuell die USA, Grossbritannien und Indien. Schweizer Unternehmen investieren an erster Stelle nach wie vor in den Heimmarkt. Auch Grossbritannien, Indien, die USA und das Nachbarland Deutschland sind beliebt und bieten attraktive Übernahmekandidaten.

„Es ist aber nach wie vor so, dass Schweizer Firmen zum einen oft im Inland Transaktionen tätigen und zum anderen weiterhin mehr Unternehmen im Ausland kaufen als ausländische Firmen in der Schweiz“, so Ronald Sauser.

OECD-Richtlinien haben Einfluss auf Schweizer Unternehmen

Weltweit scheinen die neuen OECD-Richtlinien bezüglich Steueroptimierung und Gewinnverlagerung (BEPS) noch wenig Einfluss zu nehmen. Mehr als die Hälfte der befragten Manager berücksichtigt die Auswirkungen nicht. Gut jeder Dritte bedenkt zwar die möglichen Auswirkungen, hat die bisherige Akquisitionsstrategie aber nicht verändert. In der Schweiz haben bereits 12 Prozent der Befragten eine Übernahme aufgrund der neuen Richtlinien abgesagt, 14 Prozent der Unternehmen haben die Struktur von geplanten Akquisitionen angepasst.

„Diese Resultate überraschen nicht unbedingt, da Akquisitionen nicht primär von steuerlichen Rahmenbedingungen abhängig gemacht werden. Zudem handelt es sich bei den Richtlinien lediglich um Empfehlungen, die von den einzelnen Ländern erst noch umgesetzt werden müssen“, so Rainer Hausmann, Partner International Tax Services bei EY Schweiz.

Über das Global Capital Confidence Barometer von EY

Für das EY Global Capital Confidence Barometer werden zweimal jährlich über 1‘700 Führungskräfte aus grossen Unternehmen weltweit und branchenübergreifend befragt. Dies ist das 14. halbjährliche Barometer der seit dem November 2009 laufenden Reihe. Die Teilnehmer dieser 14. Auflage wurden zwischen Februar und März 2016 befragt. Das Barometer soll das Vertrauen der Unternehmen in die globalen und inländischen Konjunkturperspektiven messen.

Zudem soll es einen Einblick in die Ziele der Geschäftsetagen für die nächsten zwölf Monate bieten, ebenso wie neue Kapitalpraktiken aufdecken, mithilfe derer sich Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können, während sich die Weltwirtschaft weiterentwickelt.

 

Artikel von: EY / Anita Müller, Media Relations
Artikelbild: © alphaspirit – Shutterstock.com

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