Importverbot für schmutzigen Strom aus Deutschland

14.04.2016 |  Von  |  Energieversorgung, News

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Importverbot für schmutzigen Strom aus Deutschland
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Die Deutschschweizer Bevölkerung fordert, dass der Bund einen Verkauf schweizerischer Wasserkraftwerke ins Ausland verhindern soll – obwohl sie die Schuld, dass es den Schweizer Stromkonzernen schlecht geht, zu einem beträchtlichen Teil bei deren Management sieht.

Ausserdem soll die Regierung in Bern den Import von schmutzigem Strom aus deutschen Braunkohlekraftwerken verbieten. Eine staatliche Auffanggesellschaft für AKW lehnen die Befragten hingegen ab. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Zürcher Online-Markt- und Meinungsforschungsinstitutes Marketagent.com Schweiz AG.

Die Deutschschweizer Bevölkerung hat sehr differenzierte Vorstellungen, was die gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme der Schweizer Stromproduzenten verursacht und was der Bund dagegen tun soll – oder auch nicht.

So lehnt es eine deutliche Mehrheit der Befragten ab, dass der Bund eine Auffanggesellschaft für AKW bildet, um die Stromproduzenten finanziell zu entlasten: 60 Prozent der Befragten sagten dazu, „Betriebswirtschaftliche Probleme sind Sache der AKW-Betreiber“. Allerdings sehen Männer und Frauen dies unterschiedlich: Von den männlichen Befragten antworteten 75 Prozent, der Bund solle die AKW-Probleme den privaten Unternehmen überlassen, bei den weiblichen Befragten waren nur 45 Prozent dieser Ansicht.

Teilweise geschlechterspezifisch sind die Ansichten auch bezüglich der Frage, ob die Schweiz bei der Welthandelsorganisation WTO gegen Deutschland klagen solle, um den Export von subventionierten deutschen Strom in die Schweiz zu verbieten. Hier sagen nur 8 Prozent der Frauen, sie würden eine solche Klage unterstützen. Bei den Männern sind es 21 Prozent. Dies ergibt im Mittel 14 Prozent.

Ebenfalls unterschiedlich beurteilen Männer und Frauen, wer die derzeitigen Probleme der grossen Schweizer Stromkonzerne verursacht hat. 38% der befragten Frauen antworteten „Ich weiss nicht“ und weitere je 23 Prozent sagten entweder „Die Energiepolitik des Bundes“ oder „Die starke Subventionierung der neuen Energien, vor allem durch Deutschland, weil dadurch der Schweizer Strom nicht mehr konkurrenzfähig ist“.

Demgegenüber orten 43 Prozent der Männer die Hauptursache für die derzeitigen wirtschaftlichen Probleme beim „Versagen der Führungsverantwortlichen in den Schweizer Stromkonzernen“. Dies ergibt für beide Geschlechter zusammen 30 Prozent, die glauben, die Manager der Stromkonzerne seien die Hauptverantwortlichen für die derzeitige Krise in ihrer Branche.



Wasserkraftwerke müssen schweizerisch bleiben

Gleicher Meinung sind Männer und Frauen bei der Frage „Sollte der Staat Ihrer Meinung nach eingreifen, um zu verhindern, dass die grossen Wasserkraftwerke der Stromkonzerne ins Ausland verkauft werden?“: 77 Prozent der Befragten antworteten „Ja, die Wasserkraftwerke gehören zur Schweiz“. Die Ansichten von Männern (78%) und Frauen (76%) sind in dieser Frage nahezu identisch.

Einigkeit herrscht auch beim Vorschlag, der Bund solle den Import von deutschem Strom aus Braunkohlekraftwerken verbieten, weil diese Art der Stromproduktion zu einem grossen CO2-Ausstoss führe und damit die Umwelt schädige: 43 Prozent der Befragten würden ein Importverbot für schmutzigen Braunkohlestrom begrüssen. Auch bei der Forderung „Importzölle auf deutschem Strom erheben“ und beim Vorschlag „Mit Deutschland verhandeln, dass kein subventionierter deutscher Strom mehr in die Schweiz importiert wird“ sehen es Frauen und Männern gleich: Beide Vorschläge werden von jeweils 22 Prozent der Befragten gutgeheissen.

Die repräsentative Umfrage „Was soll der Bund in der Strompolitik tun?“ des auf Online-Marktforschung spezialisierten Institutes Marketagent.com Schweiz AG wurde in der letzten März- und ersten Aprilwoche in der deutschen Schweiz bei 500 Personen im Alter zwischen 14 und 65 Jahren durchgeführt.

 

Artikel von: Marketagent.com Schweiz AG
Artikelbild: © John Kasawa – Shutterstocke.com

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