Klimawandel und Lieferketten: Unternehmen ignorieren Zusammenhänge

27.01.2016 |  Von  |  News
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Klimawandel und Lieferketten: Unternehmen ignorieren Zusammenhänge
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Die UN-Klimakonferenz in Paris (COP21) stellt nach Meinung vieler Beobachter eine historische Einigung dar. Auch auf dem World Economic Forum in Davos wurde festgehalten, dass der Klimawandel das weltweit grösste Risiko darstelle.

Aufgrund dieser Erkenntnisse etablieren grosse Unternehmen wie Royal Philips, Gas Natural, Pirelli, Nokia und BMW Strategien, um den Auswirkungen der bevorstehenden Klimaregulierung begegnen zu können. Dennoch ist etwa die Hälfte ihre wichtigsten Lieferanten der Anfrage nach einer Berichterstattung von klimarelevanten Informationen nicht nachgekommen und verhindert damit die Bemühungen, Klimarisiken zu verstehen und zu managen. Dies zeigt die umfassendste Studie von Klimadaten von Lieferanten und ihrer Firmenkunden, die von CDP in Kooperation mit BSR verfasst wurde.

Das COP21 Paris Agreement erfordert eine Reduktion der Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) auf null, vor Ende des 21. Jahrhunderts. Lieferketten sind für bis zu viermal mehr THG-Emissionen als die direkten Emissionen eines Unternehmens verantwortlich. Daher beinhalten sie beträchtliche regulatorische Risiken, gleichzeitig bietet ein fortschrittliches Lieferkettenmanagement auch viele Möglichkeiten zur Emissionsreduktion.

Aus diesem Grund arbeiten 75 multinationale Unternehmen mit einem Einkaufsvolumen von 1,85 Billionen Euro mit CDP – Anbieter einer globalen Umweltberichtsplattform – zusammen, um von 7’879 Hauptlieferanten Informationen über ihre THG-Emissionen und Klimarisikostrategien zu erhalten. Nur 4’005 Lieferanten haben diese Daten eingereicht, was bedeutet, dass 49% die Anfrage ihrer Kunden nicht erfüllen konnten. Die fehlende Information ist ein erheblicher Schwachpunkt für diejenigen, die sich in einer CO2-arme Wirtschaft positionieren wollen.

Paul Simpson, CEO von CDP, sagt: „Wissenschaft und Politik waren nie deutlicher. Treibhausgasemissionen müssen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts so bald wie möglich auf ein netto-null-Niveau reduziert werden. Bei der Implementierung des Paris Agreements spielen Unternehmen eine unverzichtbare Rolle. Diejenigen, die dazu nicht in der Lage sind, riskieren es, die Verlierer des unausweichlichen Wandels zu sein.


Das COP21 Paris Agreement erfordert eine Reduktion der Treibhausgasemissionen auf null. (Bild: © Delpixel - shutterstock.com)

Das COP21 Paris Agreement erfordert eine Reduktion der Treibhausgasemissionen auf null. (Bild: © Delpixel – shutterstock.com)


Eine nähere Analyse zeigt die Risiken, denen sich die Unternehmen heutzutage stellen müssen: Nahezu drei Viertel der berichtenden Unternehmen (72%) gaben an, dass der Klimawandel ein signifikantes Risiko für Geschäftsabläufe, Umsatz oder Kostenaufwand darstellen könnte. Die Mehrheit der Lieferanten (64%) identifiziert klimabezogene Vorschriften als Risiko, mit „Kraftstoff-„, „Energie-“ und „CO2-Steuern“ als meistgenannte Folgen. Trotz der hohen Wahrnehmung klimabezogener Risiken, haben sich weniger als die Hälfte (45%) der teilnehmenden Lieferanten ein konkretes Ziel zur Reduktion ihrer Emissionen gesetzt, und nur ein Drittel (34%) haben ihre Treibhausgasemissionen im letzten Jahr gesenkt.

Europa erzielt im globalen Vergleich in relevanten Bereichen den ersten Platz: Insbesondere bei der Anzahl der Lieferanten mit Emissionsreduktionszielen (54%), liegt Europa vorne, dicht gefolgt von chinesischen Unternehmen (51%). Europa führt auch die Liste der Unternehmen an, die Emissionsdaten berichtet haben (81%), gefolgt von den USA (73%) und dem Rest der Welt. Dies deutet darauf hin, dass europäische Unternehmen am besten dafür aufgestellt, die Lieferanten einer kohlenstoffarmen Zukunft zu werden.

Die Mehrheit der Lieferanten (55%), die eine Spitzenposition im Ranking der Klimaschutz-Performance erzielt haben, kommen aus Europa – angeführt von spanischen Lieferanten, gefolgt von Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz.

Aron Cramer, Präsident und CEO von BSR sagt: „Wir befördern Unternehmensführung für eine „klima-kompatible“ Welt. Daher ist BSR stolz, mit CDP bei der Erstellung dieses Berichts zusammengearbeitet zuhaben. Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und ihren Zulieferern ist entscheidend für die Identifizierung von Klimarisiken und -chancen und ist der Schlüssel zu gesamtheitlichen, robusten und transparenten globalen Lieferketten. Wir sehen eine grossartige Chance darin, dass Millionen von Lieferanten, die noch nicht berichten, dem Beispiel derer folgen, die dies bereits tun. Den Kreis der Berichtenden auszuweiten, wird die Botschaft weitertragen, mit entscheidender Handlungskonsequenz, die Unternehmen, Klima und öffentlicher Gesundheit dient.“

Der neue Bericht, der unter anderem auch einen Kommentar von McKinsey & Company enthält, deutet darauf hin, dass CO2-Emissionen und Klimamanagement zunehmend in die Einkaufsentscheidungen einbezogen werden und etablierte lieferantenbasierte Geschäftsmodelle aufbrechen. L’Oréal arbeitet zum Beispiel mit CDP daran, „Climate Score Cards“ von Lieferanten zu erstellen, die von Einkaufsabteilungen einfach verstanden werden können.

Die Coca-Cola Company und die LEGO Group experimentieren beide mit Anreizsystemen und Lieferantentrainings, die die Klimaperformance verbessern und gemeinsamen Wert generieren.

Die Klimaperformance von Lieferanten, die an CDP berichten, verbessert sich mit der Zeit. Diejenigen, die in den letzten drei Jahren am CDP Supply Chain Programm teilgenommen haben, demonstrieren eine effizientere Herangehensweise an Klimamanagement als diejenigen, die zum ersten Mal teilgenommen haben. Ungefähr drei Viertel der 1’850 mehrmaligen Teilnehmer verfügen zum Beispiel über Managementprozesse ihrer Klimarisiken und reduzieren zudem aktiv ihre Emissionen. Weniger als die Hälfte der 1’258 Unternehmen, die zum ersten Mal teilnahmen, konnten dies vorweisen. Die Messung und Offenlegung klimarelevanter Daten führt demnach zu besserem Management.



Regelmässige Teilnehmer realisieren auch bessere finanzielle Ergebnisse: Sie erzielen eine jährliche Ersparnis von durchschnittlich 1,38 Millionen Euro für jede CO2-sparende Massnahme. Die Unternehmen hingegen, die zum ersten Mal an CDP berichtet haben, erzielten nur eine jährliche Ersparnis von 830’000 Euro pro Initiative.

Der Bericht erläutert weiterhin verschiedene Strategien, die die Einkäufer anwenden können, um die Klimaleistung und das Risikomanagement von Lieferanten zu verbessern. Diese Lösungen sind skalierbar und auch die US-Regierung ist Mitglied des Supply Chain Programms, während viele andere nationale Regierungen Interesse daran haben, ihre eigenen Lieferketten näher zu überprüfen.

Um es multinationalen Konzernen zu ermöglichen, ihre Leistung zu vergleichen und Verbesserungsmassnahmen einzuleiten, wird CDP in diesem Jahr Unternehmen anhand ihres Klimawandel- und CO2-Managements in der gesamten Wertschöpfungskette bewerten und die Ergebnisse im Supply Chain Bericht 2017 veröffentlichen.

 

Artikel von: CDP
Artikelbild: © lexaarts – shutterstock.com

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