Verpennt Europa ein Milliardenbusiness mit dem Internet der Dinge?

23.01.2016 |  Von  |  Web
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Verpennt Europa ein Milliardenbusiness mit dem Internet der Dinge?
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Das Internet der Dinge sei eine grosse Chance für die europäische Tech-Industrie, ihre globale Bedeutung zu stärken, meint die Unternehmensberatung A.T. Kearney. Voraussetzung dafür seien jedoch die richtigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Das Internet der Dinge ist eine riesige Chance für die europäische High-Tech Industrie, die wir leicht verspielen können“, sagt Axel Freyberg, Partner bei A.T. Kearney und Leiter des Bereichs Telekommunikation, Medien und Technologien für Europa, den Mittleren Osten und Afrika (EMEA).

„Die europäische High-Tech Industrie hat das Potential, ihre internationale Bedeutung über das Internet der Dinge wieder auszubauen. Sie wäre allerdings gut beraten, ihr Engagement zu intensivieren, denn in den vergangenen Jahren hat sie Boden an Asien und die USA verloren.“ Ohne entsprechende Anpassung der Rahmenbedingungen drohe der europäischen High-Tech Industrie, den Ball auch in diesem Bereich an die Konkurrenz abzugeben.



Freyberg bezieht sich auf eine aktuelle Studie von A.T. Kearney, die das europäische Marktpotential des Internet der Dinge (Internet of things: IoT) analysiert. Als IoT wird all das bezeichnet, was Gegenstände mit dem Internet vernetzt, so dass diese selbständig über das Netz Aufgaben für ihre Besitzer erledigen können. Die Studienergebnisse stellen wirtschaftliche Auswirkungen von 940 Milliarden Euro für die europäische Wirtschaftsleistung durch IoT bis 2025 in Aussicht, die sich wie folgt zusammensetzen:

  • 430 Milliarden Euro durch Produktivitätsgewinn, zum Beispiel weil sich auf Basis zeitnaher Informationen und historischer Daten Prozesse präziser und ohne Ressourcenverluste steuern lassen.
  • 300 Milliarden Euro durch wachsende Konsumentenkaufkraft, unter anderem weil das Internet der Dinge es erlaubt, Energie einzusparen und die Lebensdauer vieler Produkte zu verlängern.
  • 210 Milliarden Euro durch Zeitgewinn für jeden Einzelnen, zum Beispiel weil sich Transportverzögerungen wie Staus vermeiden lassen.

So könne sich laut Freyberg jeder Euro, der in IoT-Lösungen investiert werde, mit 12 Euro Gewinn durch Produktivitätszuwachs, steigende Kaufkraft oder Zeitgewinn auszahlen.Dabei eröffnet die Ausrüstung der europäischen Unternehmen mit IoT-Lösungen in den nächsten 10 Jahren laut Studie ein jährliches Marktpotential von 80 Milliarden Euro für Modulhersteller, Kommunikationsanbieter, Anbieter von Plattformen für Daten und Sicherheit, Softwarehersteller und Systemintegratoren.

„Dieser Markt ist aber heute bei Weitem noch nicht verteilt“, so Freyberg. Zwar habe Europa in vielen Segmenten wie der Halbleiter-, Computer-Hardware-, Software-, und elektronischen Konsumgüterindustrie die Vorherrschaft im letzten Jahrzehnt an USA und Asien verloren, doch werden mit IoT die Karten neu gemischt. Da Europa in vielen Schlüsselindustrien (Gesundheitswesen, Automobil, Telekommunikation, Finanzwirtschaft, Maschinenbau) mit ihren Innovationen und ihrer Produktivität immer noch weltweit führend ist, könnten im Zusammenspiel mit der europäischen High-Tech Industrie zum Vorteil für beide Seiten neue Potentiale im IoT-Zeitalter erschlossen werden.

„Das Internet der Dinge könnte in Europa zum Katalysator eines rasanten Fortschritts in vielen Industrien werden“, erklärt Sebastian Schömann, Principal und IoT-Experte bei A.T. Kearney. Allerdings müssten wie bei allen grösseren technologischen Revolutionen die regulatorischen und politischen Rahmenbedingungen auf breiter Front angepasst werden, damit die Unternehmen sich ungehindert in den neuen Geschäftsfeldern engagieren können.



Schlüsselbranchen wie die Gesundheit und Energie müssten dereguliert, der Aufbau von Plattformen gefördert, Investitionen in Telekomnetze unterstützt und Europa zu einem Akteur für Standardisierung (insb. bei Fertigung, Smart Grids, Gesundheitswesen und Datenschutz) entwickelt werden. Gleichzeitig müsse mehr für Datensicherheit und den Schutz der Privatsphäre getan und der Wandel der Arbeitswelt vorangetrieben werden. „Verpassen wir diese Chance, wird die gesamte europäische Wirtschaft darunter leiden,“ warnt Freyberg: „Mit negativen Konsequenzen für unsere Innovationskraft und den Arbeitsmarkt.“

 

Artikel von: A.T. Kearney
Artikelbild: © Melpomene – Shutterstock.com

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