Frankenschock: Gewinner und Verlierer im Stellenmarkt

14.01.2016 |  Von  |  News

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Seit die Schweizerische Nationalbank vor einem Jahr den Frankenkurs freigegeben hat, ist die Zahl der offenen Stellen um 2,3 Prozent zurückgegangen. Im letzten Quartal des Jahres 2014 waren gemäss x28 AG, der Betreiberin der Jobsuchmaschine jobagent.ch, noch 97’400 offene Stellen zu verzeichnen, ein Jahr später nur noch 95’100.

Zum Vergleich: Von Ende 2012 bis Ende 2014 hatte der Zuwachs 15 Prozent betragen (von 84’600 auf 97’400 Jobangebote). Besonders augenfällig ist der Rückgang der Jobangebote in der Industrie.

Um die Auswirkungen des Frankenschocks auf den Arbeitsmarkt zu überprüfen, haben sich der Verband Angestellte Schweiz und die auf die Auswertung öffentlich zugänglicher Stellenangebote spezialisierte x28 AG zusammengetan und den Basler Konjunkturforscher Christoph Koellreuter mit einer Analyse der erfassten Daten beauftragt.

Koellreuter kommt zum Schluss, dass seit der Freigabe des Wechselkurses „eine markante Trendumkehr stattgefunden hat“. Dies trifft vor allem für die Stellenangebote der Industrie zu. Diese haben zwischen dem vierten Quartal 2014 und dem letzten Quartal 2015 um elf Prozent abgenommen, wobei der Fahrzeugbau (- 20 %), die weit gefasste Industriegruppe Maschinen und Metall (- 18 %) sowie die Uhren- und Schmuckindustrie (- 13 %) am stärksten rückläufig waren. Die grosse Ausnahme in der Exportindustrie ist die Pharma-Branche (inkl. Chemie), die das Stellenangebot im letzten Jahr um 8 Prozent ausweiten konnte.

Tourismus überraschend solide

Überraschenderweise verzeichnen die exportorientierten Dienstleistungsbranchen (Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Grosshandel, Forschung und Tourismus/Hotellerie/Gastgewerbe) ebenfalls eine Zunahme der offenen Stellen um 11 Prozent.


Die grosse Ausnahme in der Exportindustrie ist die Pharma-Branche (inkl. Chemie), die das Stellenangebot im letzten Jahr um 8 Prozent ausweiten konnte. (Bild: © Dmitry Kalinovsky - shutterstock.com)

Die grosse Ausnahme in der Exportindustrie ist die Pharma-Branche (inkl. Chemie), die das Stellenangebot im letzten Jahr um 8 Prozent ausweiten konnte. (Bild: © Dmitry Kalinovsky – shutterstock.com)


Gesamthaft hat sich das Jobangebot in diesen Branchen in den letzten drei Jahren um 38 % erhöht. Erstaunlich ist die Zunahme der Jobangebote in der Branche Tourismus/Hotellerie/Gastgewerbe um 27 % seit dem vierten Quartal 2014, da sie besonders unter dem Frankenschock zu leiden hat.

Schätzungsweise ein Drittel der Zunahme sind jedoch dem „Einsteigereffekt“ zuzuschreiben, also dem Umstand, dass diese Branche in Sachen Internet Nachholbedarf hat. Ebenfalls um 11 % haben die offenen Stellen seit dem vierten Quartal 2014 bei den Finanzdienstleistern zugenommen, was für eine Erholung des Finanzsektors sprechen würde.

Bezogen auf die Firmengrösse zeigt sich, dass Klein- und Mittelunternehmen (KMU’s) stärker unter Druck sind als Grossunternehmen mit über 1000 Beschäftigten. Die vier grossen „Global Players“ (Novartis, Roche, CS und UBS) verzeichneten sogar einen Zuwachs der Stellenangebote um 39 %.

Industrie ist Hauptleidtragende

Stefan Studer, Geschäftsführer von Angestellte Schweiz, vermutet, dass die Nationalbank mit der Freigabe des Frankenkurses „die eigene Klientel im Auge hatte, aber nicht die Wirtschaft als Ganzes“. Die am Mittwoch bekanntgegebene Massenentlassung bei Alstom zeigt, „dass uns in Bezug auf den Verlust von Arbeitsplätzen in der Exportindustrie das Schlimmste noch bevorsteht“.

Statt in die Zukunft, also in Bildung und Forschung zu investieren, sähen sich viele Firmen gezwungen, zu sparen und Arbeitsplätze zu verlagern oder abzubauen. „Diese Entwicklung ist verhängnisvoll“, sagt Studer, „weil dadurch die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Industrie geschwächt wird.“

Statt nur auf die Rendite zu schauen, fordert er die Firmen im Hinblick auf die digitale Revolution zu mehr Mut und Risikobereitschaft auf und antizyklisch zu handeln.



Indikator Stellenangebote bringt Mehrwert

Nach Ansicht von Koellreuter macht es die „quantitativ wie qualitativ gute Datenbasis“ von x28 AG möglich, die Konjunkturentwicklung in Zukunft gründlicher zu analysieren und zu antizipieren: „Stellenangebote bilden die Zukunftserwartung besser ab als Befragungen.“ Der Webspider der in Thalwil (ZH) domizilierten Firma finde die ausgeschriebenen Stellen direkt auf den Webseiten der Unternehmen und der Personaldienstleister, womit eine Mehrfach-Nennung derselben Stellenanzeige praktisch ausgeschlossen sei.

Dies im Gegensatz zu andern Job-Suchmaschinen. x28 AG-Geschäftsleitungsmitglied Cornel Müller freut sich: „Unser Engagement, alle offenen Stellen der Schweiz auf jobagent.ch kostenlos zur Verfügung zu stellen, bringt jetzt auch der Forschung einen Mehrwert.“

 

Artikel von: Angestellte Schweiz / Employés Suisse
Artikelbild: © Urheber – shutterstock.com

Über Samuel Nies

Als gelernter Informatikkaufmann war für mich schon schnell klar, dass die Administration von verschiedenen Systemen zu meinem Gebiet werden sollte. Um aber auch einen kreativen Anteil in meinen Arbeitsalltag zu integrieren, verschlug es mich in die Welt des Web Content Management.


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