Ein Krankenkassenwechsel kann sich lohnen

21.10.2015 |  Von  |  Finanzen
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Ein Krankenkassenwechsel kann sich lohnen
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Die Krankenkasse ist in der Schweiz ein wichtiger Lebenskostenfaktor. Was können Sie zur Kostenreduktion beitragen? Alle öffentlichen Abgaben zusammen umfassen gut und gerne ein Drittel des gesamten Bruttosozialprodukts und für den Bürger 30 bis 50%.

Dazu gehören alle Steuern für natürliche und juristische Personen.

Die Prämiensteigerungen machen krank. Jedes Jahr geht es ein paar Prozente aufwärts und zwar deutlich mehr, als ein Arbeitgeber an Teuerungsausgleich auszahlt. Die Krankenkassen werden auf nächstes Jahr im Schnitt 4 bis 6% teurer. Junge Zürcher müssen sich jedoch auf 19% gefasst machen. Die Versicherten und Prämienzahler der Deutschschweiz müssen etwas tiefer in die Tasche greifen als die Westschweizer oder die Tessiner. Dort fallen die Prämienerhöhungen moderater aus. Insgesamt zeigen sie ein ziemlich uneinheitliches Bild. Sie reichen von Reduktionen bis zu 10% sowie Erhöhung von ca. 25%.

Trotz eines moderaten Anstiegs in der Westschweiz und im Tessin übersteigt die Prämienerhöhung jene des Vorjahres. Insbesondere Einwohnerinnen und Einwohner der Kantone Aargau, der beiden Appenzell, Glarus, Luzern, Nid- und Obwalden sowie St. Gallen müssen auf höhere Prämien gefasst sein.


Die Prämiensteigerungen machen krank. (Bild: © wavebreakmedia - shutterstock.com)

Die Prämiensteigerungen machen krank. (Bild: © wavebreakmedia – shutterstock.com)


Alternative Grundversicherungsmodelle weniger stark betroffen: Im Vergleich mit den traditionellen Versicherungsmodellen sollten die Prämien bei den alternativen Modellen weniger stark ansteigen. Bei den Altersstufen müssen besonders junge Erwachsene mit höheren Prämien rechnen sowie die Versicherten mit Franchisen von CHF 2‘000 und CHF 2‘500.

Gründe für die hohen Prämienanpassungen: Die Gründe dafür sind vielfältig. Statistiken nach sind gestiegene Gesundheitskosten, die nicht zuletzt durch eine Regulierungsbürokratie und medizinischen Leistungen zu Lasten der Krankenkasse verursacht werden Hintergrund. In die Höhe geschnellt sind auch die Kosten in den Arztpraxen, die einen deutlicheren Schritt nach oben machen als etwa die Spitalkosten.

Trotz der neuen Spitalfinanzierung ist es allerdings selbst hier nicht zu den erwarteten Kostensenkungen gekommen. Ausserdem fiel auf, dass Patienten häufiger wegen Bagatellen in der Notfallversorgung der Spitäler vorstellig werden und so die Kosten ebenfalls in die Höhe treiben. Im Bereich der Medikamentenpreise wurden auf die Anpassung an die tiefen Auslandspreise verzichtet. Immer mehr kassenpflichtige Medikamente heizen ausserdem die Ausgaben bei den Krankenkassen an. Dies gilt ebenso auch für Hilfsmittel wie Gehhilfen oder Hörgeräte.


Im Bereich der Medikamentenpreise wurden auf die Anpassung an die tiefen Auslandspreise verzichtet. (Bild: © EM Karuna - shutterstock.com)

Im Bereich der Medikamentenpreise wurden auf die Anpassung an die tiefen Auslandspreise verzichtet. (Bild: © EM Karuna – shutterstock.com)


So lange diese Entwicklungen anhalten, werden die Versicherten weiterhin mit steigenden Prämien rechnen müssen. Das umso mehr, da sich die Krankenkassen nach dem Krankenkassen-Aufsichtsgesetz immer schwerer tun, Prämienschwankungen abzufangen.

Zu den Kostentreibern des Gesundheitswesens gehört:

  • die mangelnde Eigenverantwortlichkeit des Patienten
  • der unbeschränkte Zugang nach Arzneimitteln
  • der medizinische Fortschritt
  • die Zunahme der Lebenserwartung
  • die Zunahme der Leistungspflicht der Krankenkassen im Bereich der Grund­versicherung
  • die Bereitschaft, für ein hochwertiges Angebot höchste Preise zu zahlen

Aus diesen Gründen werden die Ausgaben zunehmen, jedes Jahr und dies sehr lange. Der politische Konsens besteht darin, dass medizinische Spitzenleistung jedermann zukommen soll. Da für einen zunehmenden Teil der Bevölkerung dies nicht finanzierbar ist, wird das Umlageverfahren mehr und mehr in Anspruch genommen werden. Das geht solange gut, als das wirtschaftliche Wachstum genügend Potential bietet, um nicht Einschränkungen in anderen Konsumbereichen zu bewirken. Wirtschaftswachstum und medizinischer Fortschritt sind für alle ein notwendiges Tandem.


Diese Statistik zeigt die Ergebnisse einer Umfrage unter 1.210 Schweizern zur Befürwortung der Übernahme von Behandlungskosten ausgewählter Gesundheitsfälle durch die Krankenkassen in der Schweiz aus den Jahren 2014 und 2015. (Bild: © Statista 2015 - gfs.bern)

Diese Statistik zeigt die Ergebnisse einer Umfrage unter 1.210 Schweizern zur Befürwortung der Übernahme von Behandlungskosten ausgewählter Gesundheitsfälle durch die Krankenkassen in der Schweiz aus den Jahren 2014 und 2015. (Bild: © Statista 2015 – gfs.bern)


Was tun?

Die periodische Überprüfung der Krankenkasse ist ein Muss. Aufgrund der Pflichtleistungen in der Grundversicherung ist ein Vergleich nötig. Wenn Sie eine Zusatzversicherung wählen, haben Sie zusätzliche Wahlmöglichkeiten. Die obligatorische und die ergänzende freiwillige zusätzliche Krankenversicherung können rasch einen Fünftel bis einen Viertel des Einkommens absorbieren. Eine gute Wahl kann erheblich Kosten einsparen. Im Grundversicherungsbereich ist ein Kassenwechsel jedes Jahr ohne Einschränkung möglich.



Wenn Sie gegen die ständigen Prämienerhöhungen der Krankenkasse etwas unternehmen wollen, sollten Sie in jedem Fall nach Alternativen und einer günstigeren Variante suchen. Haben Sie eine passende und günstige Krankenkasse gefunden, dann sollten Sie bereits jetzt die Kündigung zum 30. November aussprechen und damit die Weichen stellen. Tatsächlich ist es leider so, dass die Krankenkasse meistens die neuen Tarife für die Grundversicherung zu einem Stichtag bekannt geben, an dem die Kündigungsfristen für die Zusatzversicherungen bereits abgelaufen sind. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig zu reagieren und es nicht auf die lange Bank zu schieben. Mit einem Krankenkassenwechsel können Sie unter Umständen eine Menge Geld sparen.

Tipp: Überprüfen Sie Ihre Krankenversicherung

Tipp: Überprüfen Sie ob Sie Anspruch auf eine Prämienverbilligung haben. Etwa 50% der Versicherten beziehen Prämienverbilligungen!

 

Artikel von: artax Fide Consult AG / Mitglied von Morison International / artax.ch
Artikelbild: © Africa Studio – shutterstock.com

Über Dr. iur. Bernhard Madörin

Seit 2000 ist Dr. iur. Madörin Partner und langjähriges Mitglied des Verwaltungsrates der artax Fide Consult AG. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer hat er als Steuer- und Treuhandexperte die Gesamtverantwortung für die Bereiche Steuern, Recht und Unternehmungsberatung inne und kann heute auf rund 30 Jahre Berufserfahrung als Treuhänder und selbständiger Unternehmer zurückblicken.


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