Schneider – noch heute ein Beruf in der Schweiz

08.10.2015 |  Von  |  Dienstleistungen

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Schneider – noch heute ein Beruf in der Schweiz
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Die Anfertigung von Kleidungsstücken aller Art war über Jahrhunderte hinweg die Aufgabe des Schneiders. Im Zeitalter der industriellen Anfertigung von Textilien ist das Berufsbild des Schneiders etwas in den Hintergrund gerückt, dennoch handelt es sich hierzulande weiterhin um einen Lehrberuf.

Auch wenn sich das Aufgabenspektrum des Schneiders mit der Zeit geändert hat, steht der Beruf weiterhin für kreative Herausforderungen, die mit handwerklichem Geschick zu meistern sind. Im Folgenden soll gezeigt werden, was ein moderner Schneider zu leisten hat und wie sich die Ausbildung in dieser Branche gestaltet.

Berufsbild Schneider – damals und heute

Noch vor einigen Generationen stand die grundlegende Verarbeitung von Stoffen zu Kleidungsstücken im Fokus dieses traditionellen Berufs. Im Regelfall wurden Hosen, Jacken & Co. auf Mass als Auftragsarbeiten angefertigt, was durch die industrielle Massenproduktion zunehmend in den Hintergrund gerückt ist.

Für Anzüge und gehobene Berufs- und Festmode ist die persönliche Anpassung an den jeweiligen Träger weiterhin möglich und wird von spezialisierten Schneidern durchgeführt, die ihre Dienste als sogenannte Damen- oder Herrenmassschneider anbieten. Dies kann als selbstständiger Einzelunternehmer erfolgen. Häufiger ist eine Anstellung bei Modeunternehmen mit Spezialisierung auf Kleidung nach Mass üblich.


Noch vor einigen Generationen stand die grundlegende Verarbeitung von Stoffen zu Kleidungsstücken im Fokus dieses traditionellen Berufs. (Bild: © Kiselev Andrey Valerevich - shutterstock.com)

Noch vor einigen Generationen stand die grundlegende Verarbeitung von Stoffen zu Kleidungsstücken im Fokus dieses traditionellen Berufs. (Bild: © Kiselev Andrey Valerevich – shutterstock.com)


Jenseits dieser traditionellen Ausübung des Berufs haben sich moderne Abwandlungen ergeben. Gängig ist die Tätigkeit als Änderungsschneider. Dieser nimmt die professionelle Anpassung von Kleidungsstücken aller Art vor, die als Massenware erworben wurde und individualisiert werden sollen. Neben einer freien, privaten Kundschaft kann dies im Dienst eines speziellen Auftraggebers erfolgen, beispielsweise als Uniform- oder Theaterschneider.

Eine weitere Abwandlung ist der Modeschneider, der im Dienst von Mode- und Designunternehmen steht und für die Anfertigung exklusiver Modelle und Editionen verantwortlich ist. Anstellungen dieser Art sind abhängig von der Branche eher selten, was weltweit und explizit in der Schweizer Arbeitslandschaft gilt.

Fähigkeiten und Kompetenzen für den Beruf Schneider

In früheren Jahren war die manuelle Verarbeitung von Stoffen alternativlos. Heute ist die Nähmaschine ein unverzichtbarer Begleiter im Arbeitsalltag. Viele technische Innovationen, die in früheren Jahrzehnten nur bei industriellen Grossmaschinen zum Einsatz kamen, sind längst zum festen Bestandteil einfacher Nähmaschinen für Tisch und Haushalt geworden.


In früheren Jahren war die manuelle Verarbeitung von Stoffen alternativlos. (Bild: © Dmitry Kalinovsky - shutterstock.com)

In früheren Jahren war die manuelle Verarbeitung von Stoffen alternativlos. (Bild: © Dmitry Kalinovsky – shutterstock.com)


Selbst das Einprogrammieren komplexer Muster stellt bei hochwertigen, tragbaren Modellen keine Schwierigkeit mehr dar und erleichtert die Arbeit erheblich. Die fortschreitende, technische Entwicklung schliesst jedoch nicht aus, dass verschiedene Arbeitsschritte weiterhin manuell durchzuführen sind. Wissen und Geschick eines jahrhundertealten Handwerks sind somit erforderlich.

Aus dieser Entwicklung leiten sich auch die wichtigsten Fähigkeiten ab, die Interessenten am Beruf des Schneiders aufweisen sollten. Zum einen müssen eine gehobene Fingerfertigkeit und handwerkliches Geschick gegeben sein, um feinste Arbeiten mit Nadel, Garn und Stoffen verrichten zu können. Zum anderen muss ein Interesse an der technischen Komponente des Berufs bestehen, was vorrangig die Einarbeitung in eine zeitgemässe Nähmaschine mit ihrem gesamten Funktionsspektrum betrifft.

In der beruflichen Lernphase werden die Unterschiede von Stoffen, Garnen und Stichen behandelt. Für diese und weitere Aspekte des Berufs sollten Interesse und Begeisterung vorliegen. Ausserdem wird die Bereitschaft zur stetigen Weiterbildung vorausgesetzt, da sich die Arbeiten des Schneiders nicht nur durch neue Funktionen von Nähmaschinen und ihrer Software sukzessive verändern.


Wissen und Geschick eines jahrhundertealten Handwerks sind erforderlich. (Bild: © Rob van Esch - shutterstock.com)

Wissen und Geschick eines jahrhundertealten Handwerks sind erforderlich. (Bild: © Rob van Esch – shutterstock.com)


Kerndaten zur Schneider-Ausbildung in der Schweiz

Die Bezeichnung als Damen- oder Herrenschneider gilt in der schweizerischen Berufslandschaft als veraltet. Die offizielle Bezeichnung lautet Bekleidungsgestalter/in. Das Berufsbild umfasst die klassische Vorstellung der Schneiderarbeit, d. h. die eigenständige Anfertigung von Kleidungsstücken aus Stoffen als Auftragsarbeiten. Die Grundlagen für diese berufliche Ausbildung wurden letztmalig im Jahr 2013 neu gefasst, als Ausbildungsdauer sind seit diesem Zeitpunkt drei Jahre angesetzt. Die praktische Ausbildung wird standardmässig in einem Betrieb der Mode- oder Textilbranche absolviert. Ergänzend hierzu findet einmal pro Woche die theoretische Weiterbildung in einer Berufsschule statt.


Die Bezeichnung als Damen- oder Herrenschneider gilt in der schweizerischen Berufslandschaft als veraltet. (Bild: © Nirat.pix - shutterstock.com)

Die Bezeichnung als Damen- oder Herrenschneider gilt in der schweizerischen Berufslandschaft als veraltet. (Bild: © Nirat.pix – shutterstock.com)


Während der Ausbildung werden verschiedene Schwerpunkte gesetzt, die Schneiderarbeiten für Damen und Herren ebenso umfassen wie die Verarbeitung von Pelzen oder die spezielle Fertigung von Kopf- oder Berufsbekleidung. Der Beruf besitzt neben seiner handwerklichen Seite eine kreative Komponente. Vor der Anfertigung von Kleidungsstücken sollen diese eigenständig gestaltet und konzipiert werden. Sekundäre Fachinhalte, die bei der Ausbildung angesprochen werden, umfassen die Sicherheit am Arbeitsplatz sowie den Gesundheits- und Umweltschutz. In überbetrieblichen Kursen werden ausserdem die praktischen Fähigkeiten geschult, was teilweise auch durch Näharbeiten in den eigenen vier Wänden erfolgt.

Alternativen und Weiterbildungen für Schneider und Schneiderinnen

Falls die Anfertigung von Kleidungsstücken weniger im Interesse des Auszubildenden liegt, kann eine verwandte Berufsausbildung spannender sein. Hier in der Schweiz stehen alternativ Berufsbilder wie der Bekleidungsnäher oder der Dekorationsnäher zur Auswahl, die stärker über eine handwerkliche Ausrichtung verfügen.

Mit einem stärkeren Interesse an Stoffen aller Art kommt eine Ausbildung als Textiltechnologe oder Wohntextilgestalter infrage. Hier rücken die Vermittlung von theoretischem Wissen und die Beratung von Kunden stärker in den Vordergrund. In diesem Fall wird der handwerkliche Anteil um eine kaufmännische Komponente ergänzt, was den persönlichen Interessen des Auszubildenden stärker entsprechen kann.


Mit einem stärkeren Interesse an Stoffen kommt eine Ausbildung als Textiltechnologe oder Wohntextilgestalter infrage. (Bild: © Nengloveyou - shutterstock.com)

Mit einem stärkeren Interesse an Stoffen kommt eine Ausbildung als Textiltechnologe oder Wohntextilgestalter infrage. (Bild: © Nengloveyou – shutterstock.com)


Wurde eine Ausbildung als Bekleidungsgestalter/in oder in einem verwandten Bereich absolviert, sieht das Schweizer System eine Reihe interessanter Fort- und Weiterbildungen vor. Nach einem erfolgreichen Absolvieren der ein- bis zweijährigen Ausbildung ist eine Bezeichnung als Textilmeister/in, Textilwirtschafter/in oder Fashiondesigner/in möglich.

Durch die Fortbildungen lassen sich demnach Schwerpunkte in Mode, Handwerk oder Kaufmannswesen setzen, die als Kompetenzen jenseits von Garnen und Nähmaschinen in diversen Branchen der Textilindustrie gefragt sind. Oftmals zeigt sich erst nach den ersten Jahren beruflicher Erfahrung, in welche Richtung eine Weiterbildung nach eigenem Interesse gehen kann.

Berufsaussichten für Schneider in der Schweiz

Wie die verschiedenen Berufsbilder und ein breites Spektrum an Fortbildungen zeigen, ist die Tätigkeit als Schneider bei Weitem kein toter Beruf. Im Gegensatz zu früheren Generationen ist die Arbeit jedoch spezieller geworden und macht im Laufe der Ausbildung eine Festlegung auf einzelne Schwerpunkte notwendig.



Die alleinige Begeisterung für private Näharbeiten reicht für ein erfolgreiches Bestehen der Ausbildung nicht aus. Vielmehr sollte auch Interesse an Stoffkunde, der kaufmännischen Arbeit in Textilunternehmen oder dem Einsatz moderner Näh-Software gegeben sein. Ist dies der Fall, lohnt es sich für junge Arbeitssuchende, eine kompetente Berufsberatung in Anspruch zu nehmen. Schneller als gedacht, lässt sich so der Weg zur erfolgreichen Anstellung bei traditionellen Nähmaschinenherstellern oder Textilunternehmen der Schweiz ebnen.

 

Artikelbild: © BlueSkyImage – shutterstock.com


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