b24-Wochenrückblick: Schweizer shoppen auch online gern im Ausland, Europa kriselt

20.07.2015 |  Von  |  News
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b24-Wochenrückblick: Schweizer shoppen auch online gern im Ausland, Europa kriselt
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Schweizer Konsumenten machen sich den starken Franken für verstärkte Auslandseinkäufe zunutze – nicht nur durch Einkaufsfahrten, sondern auch im Internet.

In diesem Jahr werden die Eidgenossen in den Onlineshops der Nachbarländer voraussichtlich Waren für eine Milliarde Franken ordern.

Griechenland und kein Ende – zwar wurde am Sonntag vor einer Woche zwischen dem südeuropäischen Krisenland und den Euro-Staaten eine Einigung erzielt – diese hält jedoch für die Europäische Union massives Krisen-Potenzial bereit. Anders sieht es an den Aktienmärkten aus: Die Aussicht darauf, dass der „Grexit“ zumindest vorerst nicht kommen wird, treibt die Börsenkurse in die Höhe, auch der Swiss Market Index (SMI) zeigt einen klaren Aufwärtstrend. Von einem neuen Freihandelsabkommen für IT-Produkte wird auch die Schweizer Wirtschaft profitieren. David Rockefeller ist der älteste Milliardär der Welt, in New York feierte er seinen 100. Geburtstag. 

Schweizer Onlineshopping – inzwischen gern im Ausland

Dass das Frankenhoch auch den Einkaufstourismus der Schweizerinnen und Schweizer in die Nachbarländer gefördert hat, ist ein offenes Geheimnis. Im Vergleich zum restlichen Europa gilt die Schweiz seit jeher als Hochpreisinsel, durch den starken Franken sind jenseits der Grenze nun noch attraktivere Schnäppchen möglich. Nach solchen suchen die Eidgenossen offensichtlich auch verstärkt im Internet. Seit der Aufhebung des Mindestwechselkurses verzeichnet allein die Schweizerische Post AG ein klares Plus bei den Importpaketen. Bis Mitte Januar 2015 bearbeitete sie durchschnittlich 10´000 Importpakete täglich, inzwischen ist deren Zahl auf etwa 11´000 angestiegen. Hinzu kommen Importsendungen von Paketdiensten wie Fedex oder DHL.


Schweizer Onlineshopping – inzwischen gern im Ausland (Bild: © SP-Photo - shutterstock.com)

Schweizer Onlineshopping – inzwischen gern im Ausland (Bild: © SP-Photo – shutterstock.com)


Der Verband des Schweizerischen Versandhandels (VSV) geht davon aus, dass sich das Umsatzvolumen der „Privatimporte“ durch grenzüberschreitendes Onlineshopping seit 2010 verdoppelt hat. 2014 haben Schweizer Konsumenten in den Onlineshops der Nachbarländer rund 900 Millionen Franken umgesetzt, im laufenden Jahr werden sie damit mindestens die Milliardengrenze erreichen. Die Sendungen an grenznahe ausländische Paketstationen für Schweizer Selbstabholer beliefen sich 2014 auf weitere 200 Milliarden Franken.

Einigung zu Griechenland – Zerreissprobe für das vereinte Europa

Die Einigung zwischen den Euro-Ländern und Griechenland ist unter Dach und Fach. Athen kann mit Nothilfen für den aktuellen Schuldendienst, einer Brückenfinanzierung und einem dritten Hilfsprogramm von bis zu 86 Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre rechnen. Die ersten Reformmassnahmen laufen bereits in der nächsten Woche an. Ministerpräsident Alexis Tsipras fasst Neuwahlen ins Auge, nachdem das griechische Parlament sein Reformprogramm bestätigt hat und erste Meinungsumfragen zeigen, dass seine Syriza-Partei bei einem Urnengang die Chance auf eine absolute Mehrheit hätte. Wie realistisch die getroffenen Vereinbarungen sind und ob sie tatsächlich tragen, wird allerdings erst die Zukunft zeigen.

Klar ist dagegen bereits jetzt, dass die Griechenlandkrise zur Zerreissprobe für die Euro-Zone werden könnte. Mehr als ein europäischer Politiker begegnet den Griechen inzwischen mit mehr oder weniger offenem Hass. Schon seit Monaten liefen die Verhandlungen darauf hinaus, dass Griechenland kapitulieren und sich in Demut üben sollte. Diese Kapitulation haben die Euro-Staaten – allen voran Deutschland – jetzt erreicht. Für ihre Härte in der Griechenlandfrage wurde die Regierung in Berlin vor allem von angelsächsischen Beobachtern jedoch seit Längerem gerügt. Auch unter den Europäern selbst wird die Tonlage seit einigen Tagen härter.

So hatte Frankreich die deutsche Linie im Schuldenstreit bisher weitgehend unterstützt. Seit der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble jedoch immer wieder klar macht, dass für ihn die „Grexit“-Frage mit dem Verhandlungsergebnis vom vergangenen Sonntag noch lange nicht vom Tisch ist, brechen zwischen den beiden grössten Euro-Ländern Gräben auf. Auch Griechenlands Gläubiger sind sich nicht länger einig: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat – nach langem Zögern – Position bezogen und fordert für die Griechen einen Schuldenschnitt, was Europa und vor allem Berlin partout nicht akzeptieren wollen.


Der Internationale Währungsfonds (IWF) (Bild: © Mark Van Scyoc - shutterstock.com)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) (Bild: © Mark Van Scyoc – shutterstock.com)


Kritik am europäischen Gedanken kam bisher vor allem von Vertretern des konservativen bis rechtspopulistischen Lagers, inzwischen stellen auch viele Liberale und Linke in Frage, dass die EU und die Gemeinschaftswährung zukunftsfähig sind. Im linksliberalen britischen „Guardian“ war zu lesen, dass für Grossbritannien nach dem Griechenland-Debakel der Rückzug aus der Europäischen Union auf der Agenda stehen müsse. Das britische Referendum darüber steht in den kommenden zwei Jahren an. Als ein Zwischenfazit: Griechenland steht qua Reformen vor der nächsten Stufe des internen Ausverkaufs – auch die Krise der EU ist jedoch nicht zu übersehen. Der Vertrauensverlust, der aus dem Umgang mit Griechenland resultiert, könnte über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte wirken.

SMI – nach der Griechenland-Einigung im Aufwind

In den vergangenen Wochen reagierten die europäischen Aktien-Indizes auf die Nachrichten zur Griechenlandkrise wie eine Fieberkurve. Hoffnungen auf eine Einigung trieben jeweils die Aktienkurse in die Höhe, „Katastrophennachrichten“ hatten das nächste Tief zur Folge. Seit dem vergangenen Sonntag herrscht Hochstimmung an den Börsen, für die Anleger sind die griechischen Probleme offensichtlich vorerst ausgestanden. Der SMI ist von diesem Trend nicht ausgenommen. Seit Ende Mai hatten die Papiere SMI-gelisteter Konzerne um bis zu 7 % an Wert verloren, der Druck auf die Aktienkurse hielt bis zum Ende letzter Woche an. Seit dem vergangenen Montag befinden sich Schweizer Aktien nun wieder auf dem Höhenflug. Das Hoch vom Mai 2015 hat der SMI bereits übersprungen.

Demnächst könnte er sein Allzeithoch vom Juni 2007 erreichen oder sogar übertreffen. Seinerzeit erreichte der SMI 9´531 Zähler, zum Börsenschluss am Freitag lag er bei 9´446 Zählern. Der SMIC – der Index für eidgenössische Blue Chips, in deren Kurse auch die ausgezahlten Dividenden eingerechnet werden – hat mit 17´330 Punkten am letzten Donnerstag sogar ein neues Allzeithoch verzeichnet. Auch der breiter aufgestellte Swiss Performance Index könnte in den nächsten Tagen einen neuen Rekord verbuchen. Die absoluten Kursgewinner im SMI waren in der vergangenen Woche die Aktien von Zurich Insurance, Novartis, Lafarge Holcim und Actelion.

ITA-Verhandlungen in Genf: Neues Freihandelsabkommen für IT-Güter

In Genf verhandelten in der vergangenen Woche die Schweiz und 53 weitere Staaten über Handelserleichterungen für IT-Güter. Die Einigung über die Grundzüge eines Freihandelsabkommens war frühestens für den Herbst erwartet worden und erfolge am vergangenen Samstag daher recht überraschend. Für ihre Information Technology Agreement (ITA) erarbeiteten die Verhandlungspartner eine Liste der Güter, für die künftig keine Einfuhrzölle mehr erhoben werden sollen.

An den ITA-Verhandlungen waren unter anderem die Schweiz sowie alle EU-Länder beteiligt. Verabschiedet werden soll die Vereinbarung am kommenden Freitag am Sitz der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf, die formelle Unterzeichnung des neuen Freihandelsabkommens soll im Dezember 2015 auf der WTO-Ministerkonferenz in Nairobi folgen.


Ein Freihandelsabkommen könnte Preise für Smartphones und Tablets senken (Bild: © Oleksiy Mark – shutterstock.com)

Ein Freihandelsabkommen könnte Preise für Smartphones und Tablets senken (Bild: © Oleksiy Mark – shutterstock.com)


Das ITA-Freihandelsabkommen umfasst 201 IT-Produktgruppen mit einem Handelsvolumen von 1,1 Billionen US-Dollar. Da die Verhandlungen darüber im Rahmen der WTO stattgefunden haben, gilt für die Umsetzung eine Meistbegünstigungsklausel, die dazu führt, dass auch Länder, die das Abkommen nicht mitverhandelt haben, davon profitieren. Dies gilt beispielsweise für Brasilien, Indien, Indonesien und Russland. Ursprünglich sollte das Abkommen bereits im Dezember 2014 unterzeichnet werden, scheiterte jedoch seinerzeit an Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA, China sowie Südkorea.

Es gilt als die wichtigste WTO-Vereinbarung seit 1996. In den kommenden Monaten dürfte es noch Verhandlungen zu den Fristen geben, zu denen die Vereinbarung in Kraft tritt. Einige Länder sind an Übergangslösungen interessiert, um die Liberalisierung ihrer Märkte für einzelne Produkte etwas hinauszuzögern. Grundsätzliche Einwände äusserte lediglich Taiwan, das offenbar nicht alle gewünschten Zugeständnisse erhalten hat. Diplomatische Beobachter nehmen jedoch nicht an, dass Taipeh das Abkommen noch torpedieren wird. Bundesbern und die Schweizer Wirtschaft gehen davon aus, dass die Eidgenossenschaft von der Zollfreiheit für IT-Produkte vor allem im Bereich der Medizintechnik in hohem Masse profitieren wird.

„Löwe im Winter seines Lebens“ – David Rockefeller wurde 100 Jahre alt

David Rockefeller gehört zu den wirtschaftlichen und politischen Legenden des 20. Jahrhunderts – ausserdem ist der US-Amerikaner der älteste Milliardär der Welt. Seinen 100. Geburtstag feierte er im New Yorker Museum Of Modern Art. Auf dem Gelände des heutigen MoMa stand ursprünglich eine Privatresidenz der Rockefellers, am 15. Juli 1915 wurde David Rockefeller dort geboren. Sein Vermögen schätzte das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ kürzlich auf umgerechnet 3,3 Milliarden Franken. Auf der „Forbes“-Liste der reichsten Menschen auf der Erde belegt er damit zwar nur Platz 603 – auf jeden Fall liegt jedoch ein ausgesprochen spannendes Leben hinter ihm, das er an der Schnittstelle von Ökonomie und Politik verbrachte.



Der „Löwe im Winter seines Lebens“ – ein Titel, den das Magazin „Vanity Fair“ dem 100-jährigen Magnaten verliehen hat – liess sich zu seinem Jubiläum nicht beschenken, sondern verschenkte Eigentum. Seal Harbor – etwa vier Millionen Quadratmeter Land an der Atlantikküste im US-Bundesstaat Maine – soll an den Arcadia Nationalpark gehen, den Rockefellers Vater mitbegründet hat. David Rockefeller selbst sagte dazu, dass ihm dieser Landstrich seit seiner frühen Kindheit mehr als jeder andere Ort der Welt bedeute.

 

Oberstes Bild: © wawritto – shutterstock.com


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