b24-Wochenrückblick: Griechenland stimmt mit „Nein“

06.07.2015 |  Von  |  News
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b24-Wochenrückblick: Griechenland stimmt mit „Nein“
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Die Zukunft Griechenlands bestimmte auch in der letzten Woche die politischen Debatten. Eine überraschend klare Entscheidung der griechischen Wähler folgte gestern.

Über 60 % der Griechen sagten Nein zum bisherigen Sparprogramm und sprachen der Regierung Tsipras damit ihr Vertrauen aus.

Die Zukunft des Landes ist damit völlig offen. Spannend wird, ob sich die EU überhaupt auf weitere Verhandlungen einlässt und wie Griechenland ohne fremde Hilfe klarkommt. Weitere Wochenthemen waren die wachsenden Pensionsverpflichtungen internationaler und auch Schweizer Unternehmen, die Folgen der Zinswende in den USA für die Schwellenländer sowie der Ausblick auf den Ölpreis. Die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO ist seit diesem Wochenende um elf Kulturstätten von globaler Bedeutung reicher. 

Griechenland-Referendum – deutlicher Sieg für Nein-Lager

In Griechenland herrschte in der vergangenen Woche Wahlkampf. Am gestrigen Sonntag hatten die griechischen Bürger zu entscheiden, ob sie die Sparforderungen der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter akzeptieren. Auch das politische Schicksal von Ministerpräsident Alexis Tsipras und seiner Syriza-Partei hing an diesem Urnengang. Bei einem Ja zur Austeritätspolitik der „Institutionen“ hätte es kaum eine Alternative zu Neuwahlen gegeben.

Ein absehbares Ende ihrer Regierungszeit braucht Syriza nun wohl nicht mehr zu fürchten. Mit rund 61 % ergab sich eine überraschend klare Mehrheit gegen die Forderungen der EU. Gegen das Sparprogramm sprachen sich offenbar die Bürger aller Landesteile aus. Die Stimmbeteiligung lag bei über 60 %. Formal abgestimmt wurde über das letzte Angebot von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF an die griechische Regierung, das aus Sicht der Geldgeber zum Zeitpunkt des Referendums allerdings bereits nicht mehr gültig war.



Szenarien für die nächsten Wochen: neue Verhandlungen, Parallelwährung oder „Grexit“?

Wie es in und mit Griechenland jetzt weitergeht, ist völlig offen. Bereits am vergangenen Montag hatte die griechische Regierung Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. An Geldautomaten erhielten die Griechen pro Tag nur noch 60 Euro. Dass die griechischen Banken von der EZB durch die ELA-Notkredite weiterhin frisches Geld erhalten, darf stark bezweifelt werden. Vermutlich droht bereits am heutigen Montag ein akuter Zahlungsnotstand, am vergangenen Freitag waren die Geldreserven der Banken auf weniger als eine Milliarde Euro abgeschmolzen.

Die griechische Regierung will nun – ausgestattet mit dem Mandat des Volkes – so schnell wie möglich zurück an den Verhandlungstisch in Brüssel. Fraglich ist jedoch, was es dort noch zu verhandeln geben wird. Massgebliche Politiker der Eurozone – allen voran die Vertreter der deutschen bürgerlichen Parteien – liessen bereits wissen, dass nun der „Grexit“ auf der Tagesordnung stehe.

Zu einem Austritt aus der Währungsunion oder gar der Europäischen Union kann die Griechen jedoch niemand zwingen. In den EU-Verträgen ist ein solches Szenario bisher gar nicht vorgesehen. Sehr wahrscheinlich wird Griechenland gezwungen sein, sehr bald eine Parallelwährung einzuführen. Auch für das vereinigte Europa steht jedoch einiges auf dem Spiel, da die Entscheidung der griechischen Wähler einen Präzedenzfall innerhalb der EU geschaffen hat.



Die niedrigen Zinsen führen zu wachsenden Pensionsverpflichtungen der Unternehmen

Die tiefen Zinsen führen in vielen Industrieländern zu wachsenden Pensionsverpflichtungen der Unternehmen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Ratingagentur Moody´s, die mehr als einer Firma grössere Lücken zwischen den Zahlungsverpflichtungen an ihre Pensionäre und den dafür vorgesehenen Kapitalrückstellungen attestiert. Für die Pensionskassen der Unternehmen erweist sich die Niedrigzinspolitik der Notenbanken als ein massives Instrument der Kapitalvernichtung.

Besonders stark davon betroffen sind US-amerikanische Konzerne. Bei den zehn von Moody´s bewerteten Unternehmen ist das Gesamtdefizit zwischen Verpflichtungen und Planvermögen im vergangenen Jahr um etwa 36 % auf 150 Milliarden US-Dollar gestiegen. Auch viele europäische Konzerne leiden unter Defiziten in vergleichbaren Dimensionen. Die Ratingagentur geht jedoch davon aus, dass der Anstieg der Pensionsverpflichtungen zumindest teilweise zyklisch bedingt sei und sich nach einem Zinsanstieg wieder reduzieren dürfte.

Für die Schweiz legte die Beratungsgesellschaft Towers Watson eine eigene Statistik vor. Demnach sind die Pensionsverpflichtungen der Unternehmen, die im „Swiss Market Index“ (SMI) gelistet sind, im vergangenen Jahr um 18 % oder 30 Milliarden Franken angestiegen. Der durchschnittliche Deckungsgrad der Pensionsfonds sei bei den SMI-Unternehmen im Schnitt um fünf Prozentpunkte gesunken. Im zweiten Quartal 2015 zeigen sich hier jedoch wieder ein leichter Aufwärtstrend und eine Reduktion der Vorsorgeverpflichtungen um 4 bis 5 %.

Die Ratingagentur Moody´s wertet die Pensionsverpflichtungen von Unternehmen explizit als Schulden. Zu hohe Belastungen durch die Firmenrenten können also durchaus zu schlechteren Bonitätsbewertungen der Firmen führen. Einer der Experten von Towers Watson brachte die möglichen Folgen für die betriebliche Altersvorsorge in der Schweiz mit den Worten auf den Punkt, dass eine lange Niedrigzinsperiode durchaus „heilige Kühe“ im Vorsorgebereich bedrohen würde, da sie nicht nur die Pensionskassen, sondern die Unternehmen insgesamt vor gewaltige Probleme stelle.

Zinswende in den USA – ohne gravierende Folgen für die Schwellenländer?

Für US-amerikanische Unternehmen könnte sich dieses Problem in absehbarer Zeit erledigt haben. Die Zinswende der Fed steht möglicherweise noch in diesem Jahr ins Haus. Ursprünglich rechneten viele Experten damit bereits im Sommer, inzwischen halten sie einen Termin im Herbst oder um den Jahreswechsel für realistisch. Der New Yorker Ökonomieprofessor Nouriel Roubini beschäftigte sich in einem Artikel für die „Handelszeitung“ jetzt mit den Auswirkungen von Zinserhöhungen in den USA auf die Schwellenländer. Viele Wirtschaftswissenschaftler sind der Ansicht, dass höhere Fed-Zinsen in verschiedenen Weltregionen ökonomische Krisen nach sich ziehen. Entsprechende Warnungen sprach vor einiger Zeit wegen des steigenden Schuldendienstes und Kapitalabflüssen in die USA sogar IWF-Chefin Christine Lagarde aus.



Roubini hält einen Flächenbrand jedoch für äusserst unwahrscheinlich und führt dafür verschiedene Argumente an. Das Ende der Niedrigzinspolitik in den USA stehe seit Monaten im Raum – die diversen Volkswirtschaften können sich also langfristig darauf vorbereiten. Zudem dürften die Zinserhöhungen der Fed im Vergleich zu früheren Zyklen nur langsam vor sich gehen und sehr eng an den US-amerikanischen Konjunkturverlauf gebunden sein. Die Exportwirtschaft der Schwellenländer könnte davon sogar profitieren, zumal viele von ihnen in den vergangenen Jahren ihre Wirtschaft saniert, flexible Wechselkurse eingeführt und in ihrer Geldpolitik selbst erheblich angezogen haben.

Probleme dürfte es allenfalls in Ländern mit hohem Kreditbedarf, hohen Dollar-Schulden sowie gravierenden – und grösstenteils hausgemachten – ökonomischen und politischen Problemen geben. Ausserdem wirken sich auf die Schwellenländer bereits jetzt der wirtschaftliche Abschwung in China sowie der Verfall der Rohstoffpreise aus.

Zieht der Ölpreis wieder an – und stoppt damit auch Deflationstendenzen?

Im Hinblick auf den Ölpreis gab der britisch-niederländische Mineralölkonzern Shell in der vergangenen Woche eine optimistische Prognose ab. Aus Sicht von Shell-Chef Ben van Beurden dürfte Erdöl in den nächsten Monaten wieder teurer werden. Fraglich sei allerdings, ob die USA im selben Umfang wie bisher in die Förderung von Schiefergas – das sogenannte Fracking – investieren werden. Preisrisiken ergeben sich auch in Zukunft vor allem aus dem Anspruch Saudi-Arabiens auf eine Vormachtstellung im globalen Ölgeschäft – notfalls anders als bisher auch durch hohe Fördermengen trotz verfallender Preise. Zudem drängt, sofern die Wirtschaftssanktionen tatsächlich aufgehoben werden, mit dem Iran demnächst ein weiterer Erdölproduzent in grösserem Umfang auf den Weltmarkt.


Aus Sicht von Shell-Chef Ben van Beurden dürfte Erdöl in den nächsten Monaten wieder teurer werden. (Bild: © huyangshu - shutterstock.com)

Aus Sicht von Shell-Chef Ben van Beurden dürfte Erdöl in den nächsten Monaten wieder teurer werden. (Bild: © huyangshu – shutterstock.com)


Aus der Perspektive der Schweiz und anderer Volkswirtschaften ist ein Anstieg des Erdölpreises ein zweischneidiger Prozess. Seit dem vergangenen Sommer haben sie durch niedrige Energiekosten durch den fortgesetzten Preisverfall ökonomisch eher profitiert. Gleichzeitig war das billige Öl eine der wesentlichen Ursachen für extrem niedrige Teuerungsraten in Europa und damit einer der Auslöser für die Befürchtungen einer echten Deflation.

Elf neue Weltkulturerbe-Stätten der UNESCO

Die UNESCO hat auf ihrer Jahreskonferenz elf neue kulturell bedeutsame Stätten in ihre Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Mit den Weinbergen des Burgund und der Champagne gehören dazu auch zwei französische Weinregionen. Die normannisch-arabische Altstadt im sizilianischen Palermo, die historische Speicherstadt und das Chilehaus in Hamburg sowie der Botanische Garten in Singapur schafften es ebenfalls auf die UNESCO-Liste.


Mit den Weinbergen des Burgund und der Champagne gehören dazu auch zwei französische Weinregionen. (Bild: © PHB.cz (Richard Semik) - shutterstock.com)

Mit den Weinbergen des Burgund und der Champagne gehören dazu auch zwei französische Weinregionen. (Bild: © PHB.cz (Richard Semik) – shutterstock.com)


Weitere neue Weltkulturerbe-Stätten liegen in China, in Dänemark, im Iran, in der Mongolei, der Türkei und Südkorea. Insgesamt waren 36 historisch-kulturelle Stätten und Regionen nominiert. Die Schweiz hatte in diesem Jahr keine Bewerbung abgegeben.

 

Oberstes Bild: © niyazz – fotolia.com


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