KFZ-Jobs (Teil 3): Fahrzeugschlosser – Spezialisten für spezielle Herausforderungen

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KFZ-Jobs (Teil 3): Fahrzeugschlosser – Spezialisten für spezielle Herausforderungen
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Fahrzeugschlosser und Fahrzeugschlosserinnen bauen aus Stahl und anderen Metallen nach Plänen Aufbauten und Anhänger für Nutz- und Spezialfahrzeuge und auf Kundenanforderung auch für Personenfahrzeuge.

Die auf vier Jahre angelegte berufliche Grundbildung ist erst 2010 durch eine neue Prüfungsordnung überarbeitet worden, wohl auch, um mehr Struktur im Schweizer Bildungssystem zu erreichen.

Basis der Ausbildung ist die Eidgenössische Verordnung vom 25. August 2009, in der Ablauf und Inhalte der Ausbildung festgelegt werden. Auszubildende, die sich erst in diesem oder einem späteren Jahr zum Fahrzeugschlosser/in EFZ ausbilden lassen, sind also nur den Vorgaben der neuen Verordnung unterworfen, die in den Vorjahren noch geltenden Übergangsfristen sind ausgelaufen.

Fahrzeugschlosser – ein Beruf in der Nische

Wer als Fahrzeugschlosser oder Fahrzeugschlosserin beruflich durchstarten will, sollte sich bewusst sein, dass es sich um eine Spezialisierung innerhalb der Autobranche handelt. Die möglichen Ausbildungs- und Arbeitsstellen sind in der Regel kleine bis mittlere Betriebe, die Fahrzeuge, Auf- und Umbauten für gewerbliche Zwecke wie den Gütertransport, Feuerwehr oder Landwirtschaft fertigen, warten und reparieren. Daher gilt es für Interessenten an diesem Ausbildungsberuf: Ohne persönliches Engagement wird sich schwerlich ein Ausbildungsplatz finden lassen.

Zwar hängt in der Schweiz jeder 8. Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Auto ab, dennoch ist der Markt für Spezialfahrzeuge eher überschaubar. Daher müssen angehende Fahrzeugschlosser oftmals dazu bereit sein, für die Ausbildung den Wohnort zu wechseln, um einen geeigneten Ausbildungsbetrieb zu finden.


Bau und Montage von Fahrgestellen gehört zu den Aufgaben von Fahrzeugschlossern. (Bild: © CHAINFOTO24 - shutterstock.com)

Bau und Montage von Fahrgestellen gehört zu den Aufgaben von Fahrzeugschlossern. (Bild: © CHAINFOTO24 – shutterstock.com)


Berufsbild – vom Rohbau zum fertigen Aufbau

Fahrzeugschlosser/-innen bauen, montieren und reparieren Fahrgestelle sowie Aufbauten für Anhänger sowie für Nutz- und Spezialfahrzeuge wie Reisebusse, Tiefkühllieferwagen, Abschleppwagen oder Feuerwehrfahrzeuge. Dabei können auch Personenwagen umgebaut werden, etwa um diese geländegängig zu gestalten oder zu tunen.

Sie kennen die Besonderheiten der Nutzfahrzeugtechnik von Zugfahrzeugen und Anhängern und ebenso die speziellen Anforderungen, die an Fahrzeuge für den kommerziellen Personen- und Güterverkehr gestellt werden und können die individuellen Wünsche der Kundschaft in Bezug auf Änderungen an diesen Fahrzeugen umsetzen.

Die Fahrzeuge werden entsprechend des angedachten Verwendungszwecks auf- und umgebaut, etwa durch die Ausrüstung mit einem Lastenkran oder anderen Hebevorrichtungen für Lasten, einer Kippanlage für Schüttgüter oder in Form von Gepäckträgern. Neben den Wünschen und Vorstellungen der Kunden beachten sie dabei auch die technischen und gesetzlichen Vorschriften.

Das wichtigste Arbeitsmaterial für Fahrzeugschlosser/-innen stellt Metall dar, meist in Form von Stahl und Stahlblechen, aber auch als Leichtmetalle. Unter Einsatz von verschiedenen Bearbeitungsverfahren werden aus dem als Bleche, Rohre und Profile vorliegendem Rohmaterial die erforderlichen Bauteile gefertigt. Durch Biegen, Strecken und Stauchen wird das Material dauerhaft verformt, durch Sägen, Bohren und Schneiden entstehen Werkstücke, die mit Schweissen, Löten, Nieten oder Schrauben dauerhaft oder lösbar zu Komponenten verbunden werden.

Die Bearbeitung erfolgt zum einen mit reiner Muskelkraft und den entsprechenden Werkzeugen, ebenso kommen moderne Maschinen zum Einsatz, die den Fertigungsprozess vereinfachen oder beschleunigen. Immer häufiger müssen Fahrzeugschlosser/-innen auch mit Kunststoffen und Verbundmaterialien agieren, die besondere Materialeigenschaften aufweisen und sich damit für bestimmte Anwendungen besser eignen als Metall.

Die Arbeit beginnt dabei immer mit dem Studium von Schaltplänen und technischen Zeichnungen, die als Grundlage für ihre Tätigkeiten dienen und gedanklich auf das reale Fahrzeug übertragen werden müssen. Als erstes wird immer das Gerippe konstruiert, das die statische Stabilität sicherstellt und auf das die weiteren Aufbauten montiert werden können, die als Fertigteile angeliefert oder unter Umständen erst vor Ort gefertigt werden. Aufbauten und Ladefläche werden mit Holz- oder Metallbeplankungen versehen, notwendige Anpassungen am Fahrgestell werden vorgenommen und zusätzliche Ausstattungen wie Halterungen, Werkzeugkisten oder Lampen werden montiert.

Wenn gefordert, können Fahrzeugschlosser/-innen auch komplexe technische Anlagen wie Hydrauliksysteme, Klimaanlagen oder andere Spezialausstattungen zusammensetzen, einbauen und warten. Wartung und Reparatur machen einen wesentlichen Teil der Arbeit in diesem Beruf aus.

Hierbei sorgen sie etwa für die Applizierung eines Korrosionsschutzes am Fahrzeug, führen selbständig Funktionstests an technischen und mechanischen Anlagen durch, überprüfen die Hydraulik von Kränen und Hebebühnen und die Lenk- und Bremssysteme von Anhängern. Dabei achten sie sowohl auf die korrekte und fachgerechte Ausführung aller Arbeiten wie auch auf die persönliche Sicherheit und Gesundheit und den Schutz der Umwelt.


Technisches Zeichnen ist Bestandteil der Fahrzeugschlosser-Ausbildung. (Bild: © artem_ka - shutterstock.com)

Technisches Zeichnen ist Bestandteil der Fahrzeugschlosser-Ausbildung. (Bild: © artem_ka – shutterstock.com)


Voraussetzungen für die Ausbildung

Wer eine Ausbildung zum Fahrzeugschlosser oder zur Fahrzeugschlosserin in Erwägung zieht, muss als Vorbildung den Abschluss der Volksschule nachweisen und gleichzeitig gute Leistungen in den Bereichen Rechnen, Geometrie und technischem Zeichnen erbracht haben. Eine zusätzliche Eingangsprüfung ist für diesen Ausbildungsberuf nicht notwendig, allerdings ist ein Schnupperpraktikum sehr empfehlenswert, um sich frühzeitig einen persönlichen und direkten Eindruck von den Anforderungen in Betrieb und Beruf zu machen und die eigene Entscheidung auf Basis von ersten Erfahrungen zu fällen.

Der VCSI bietet dennoch einen gesamtschweizerischen Eignungstest an, der dabei helfen kann, die eigene Eignung für einen solchen Beruf im Carrosseriegewerbe zu ermitteln und objektiv zu bewerten. Dieser findet in Bern statt und dauert insgesamt etwas länger als vier Stunden. Die Anmeldung kann online erfolgen. Die Kosten für den Test in Höhe von 60 CHF werden bar direkt am Prüfungstag erhoben.

Da das Berufsbild Fahrzeugschlosser/-in stark von konstruktiven Elementen geprägt ist, sollten Interessenten über ein ausgeprägtes handwerkliches Geschick verfügen und die Fähigkeit besitzen, sich Dinge räumlich gut vorstellen zu können. Auch ein gutes Gefühl für Formen und Materialien ist wichtig, ebenso eine gute Konstitution und Körperkraft, da oftmals auch schwere Teile gehalten oder getragen werden müssen.

Ebenso zählen Verantwortungsbewusstsein, eine exakte und sorgfältige Arbeitsweise sowie Teamfähigkeit zu den unverzichtbaren persönlichen Eigenschaften. Wer sich für die Ausbildung entscheidet, darf auch nicht lärmempfindlich sein, das Lärm bei metallverarbeitenden Betrieben keine Seltenheit ist.


Carrosserie-Werkstätten sind mögliche Ausbildungsorte für Fahrzeugschlosser. (Bild: © Pavel L Photo and Video - shutterstock.com

Carrosserie-Werkstätten sind mögliche Ausbildungsorte für Fahrzeugschlosser. (Bild: © Pavel L Photo and Video – shutterstock.com)


Die Ausbildung im Detail

Die Ausbildung zum Fahrzeugschlosser oder zur Fahrzeugschlosserin findet sowohl im Betrieb wie auch auf der Berufsfachschule und in überbetrieblichen Kursen statt. Mögliche Ausbildungsbetriebe sind entweder Fahrzeugbauer oder Carrosseriewerkstätten. Die dabei vermittelten Handlungskompetenzen umfassen die Bereiche Grundlagen (differenziert in technische und betriebliche Grundlagen), Fahrzeugtechnik sowie Herstellung und Instandhaltung.

Die Berufsfachschule wird während der gesamten 4-jährigen Ausbildungszeit einmal pro Woche ganztägig besucht. Hier erwerben die Auszubildenden wichtiges theoretisches Wissen in den berufsbezogenen Fächern. Im Rahmen der technischen Grundlagen werden Rechnen, Physik, Elektrotechnik, Stoff- und Fertigungskunde vermittelt.

Bei den betrieblichen Grundlagen stehen Betriebslehre, Arbeitsplatz und Vorschriften auf dem Lehrplan. Bei Fahrzeugtechnik finden sich Inhalte zu Elektrik/Elektrotechnik, Pneumatik, Hydraulik, Triebwerke und Fahrzeugdynamik und im Bereich Herstellung und Instandhaltung werden Zeichnen, Fahrwerk und Fahrzeugaufbau vermittelt. Bei sehr guten schulischen Leistungen können Auszubildende während der Grundbildung die Berufsmaturitätsschule besuchen und BM1 erwerben.

Die überbetrieblichen Kurse ergänzen die schulische Bildung und berufliche Praxis und sind obligatorisch für alle Auszubildenden. Jeweils 12 Tage pro Ausbildungsjahr nehmen Auszubildende an diesen Kursen teil, in denen etwa die Arbeit an anderen, nicht im Ausbildungsbetrieb vorhandenen Maschinen trainiert werden kann.



Weiterbildungsmöglichkeiten

Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung wird das eidgenössische Fähigkeitszeugnis „Fahrzeugschlosser/in EFZ“ verliehen, mit dem auch weiterqualifizierende Angebote von Berufsfachschulen und des Schweizerischen Carrosserieverbandes VSCI wahrgenommen werden können. Im Rahmen der Berufsprüfung kann der Beruf Fahrzeugschlosser/in mit eidgenössischem Fachausweis oder Schweissfachmann/-frau mit eidgenössischem Fachausweis erwählt werden. Mit der höheren Fachprüfung steht der Weg offen zum Carrosseriemeister/-in, Fachrichtung Schlosser/-in, und mit der höheren Fachschule kann etwa ein Dipl. Techniker/in HF Metallbau erreicht werden.

Dieses im Carrosseriegewerbe verankerte dreistufige Aus- und Weiterbildungssystem soll der Sicherstellung des Berufsstandes dienen und gleichzeitig ausreichend durchlässig für qualifizierte Quereinsteiger sein.

Auszubildende mit Zugang zur akademischen Qualifikation können an der Fachhochschule etwa den Bachelor of Science (FH) in Automobiltechnik (angeboten bei der BFH Biel) erwerben oder im Ausland studieren: Den Bachelor of Engineering in Fahrzeugtechnik bieten etwa Hochschulen in Hamburg oder Ulm an.

Alternativ kann auf einer Fachschule für Technik die Weiterbildung zum/zur staatlich geprüften Techniker/in, Fachrichtung Karosserie- und Fahrzeugbautechnik absolviert werden, etwa in Hamburg, Fulda oder Kaiserslautern. Möglich ist auch eine Spezialisierung, etwa als Schadensexperte/-expertin; eine solche Zusatzausbildung ist bei einer Versicherungsgesellschaft möglich.


Für die Fahrzeugschlosser-Karriere zählt vor allem persönliches Engagement. (Bild: © Olivier Le Moa l - shutterstock.com)

Für die Fahrzeugschlosser-Karriere zählt vor allem persönliches Engagement. (Bild: © Olivier Le Moa l – shutterstock.com)


Karrieremöglichkeiten und Einkommen

Aufgrund der hohen Spezialisierung und der dementsprechend vergleichsweise geringen Anzahl von Arbeitsstellen hängen die Karrieremöglichkeiten vor allem vom persönlichen Engagement sowie den konkreten Möglichkeiten im Betrieb ab. Bei grösseren Unternehmen mit eigener Fahrzeugschlosserei ist es durchaus möglich, mit zunehmender Berufspraxis und beruflicher Routine zum Abteilungsleiter oder Betriebsleiter aufzusteigen oder sich als Fachexperte unersetzlich zu machen.

Was die Entlohnung während der Lehrzeit angeht, lässt sich auch für Fahrzeugschlosser/-innen festhalten, dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind. Zwar werden die konkreten Löhne direkt im Arbeitsvertrag fixiert, dennoch gibt es Empfehlungen der Berufsverbände, also in diesem Fall des VCSI, die in den Lehrbetrieben in der Regel berücksichtig werden, auch wenn sie unverbindlich sind.

Für Fahrzeugschlosser/-innen gelten (Stand August 2014) folgende Empfehlungen:

  1. Lehrjahr zwischen 550 und 700 CHF
  2. Lehrjahr zwischen 670 und 900 CHF
  3. Lehrjahr zwischen 850 und 1‘100 CHF
  4. Lehrjahr zwischen 1‘100 und 1‘400 CHF

Als Einstiegsgehalt wird zwischen 4‘200-4‘500 CHF monatlich (x 13 Monate) empfohlen. Welcher Lohn jedoch konkret bezahlt wird, hängt stark von der Grösse und Finanzkraft des Unternehmens ab, da gerade kleine Unternehmen im Carrosseriebau oft nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfügen, die empfohlenen Lohnniveaus zu realisieren.

 

Oberstes Bild: © wavebreakmedia – shutterstock.com

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