Organisationstheorie (Teil 2): Systemtheoretische Ansätze

11.05.2015 |  Von  |  Organisation, Wissenschaft

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Organisationstheorie (Teil 2): Systemtheoretische Ansätze
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Lesen Sie nun den zweiten Teil unserer Serie, welche sich mit neueren Ansätzen der Organisationstheorie beschäftigt.

Erfahren Sie in diesem Zusammenhang Wissenswertes über systemtheoretische Ansätze.



Systemtheoretische Ansätze

Das Interessante an den systemtheoretischen Ansätzen ist die Integration von Forschungsarbeiten aus den Bereichen Biologie, Soziologie, Kybernetik und Informationstheorie in die theoretischen Betrachtungen.

Unternehmen werden bei diesen Ansätzen als ein System aufgefasst, das sich als eine Ansammlung von Elementen darstellt, die in Wechselbeziehungen zueinander stehen.

Ein Unternehmen ist ferner ein offenes System, weil Prozesse des Austauschs zwischen diesem und seiner Umwelt erfolgen. Beispielsweise können Elemente aus der Umgebung in den Betrieb eintreten (z. B. Arbeitskräfte), ebenso können Elemente aber auch aus dem Unternehmen heraustreten (z. B. Produkte).

Neben Austauschbeziehungen von materiellen Dingen existieren soziale und kulturelle Wechselbeziehungen. Erst durch diese Austauschprozesse wird die Erhaltung der Lebens- und Leistungsfähigkeit einer Firma möglich. Die meist eine Balance herstellenden Wechselvorgänge zwischen Unternehmen (den offenen Systemen) und ihrer Umwelt bilden das zentrale Thema der systemtheoretischen Ansätze.

Der systemtheoretisch-kybernetische Ansatz

Wie aus dem Namen heraus bereits abzuleiten ist, greift dieser Ansatz auf die Wissenschaft der Kybernetik zurück. Diese befasst sich mit der „Kunst des Steuerns“, wobei hier das Regelkreisschema von besonderer Bedeutung ist.

Ein Regelkreis beschreibt einen Prozess der Steuerung, der völlig autonom funktioniert. Falls es zu Abweichungen von den Soll-Werten kommen sollte, veranlasst das System selbstständig Veränderungen, die zur Wiederherstellung des Soll-Zustandes führen.

Als zentrale Frage des systemtheoretisch-kybernetischen Ansatzes kristallisiert sich ergo heraus, wie man ein System – oder ökonomisch betrachtet – ein Unternehmen in einer sich wandelnden Umwelt konstant halten kann.

Funktionalistisch ausgerichtete Systemtheorie

Bei diesem Ansatz ist die Struktur einer Organisation dazu behilflich, das Bestehen eines Systems bzw. Unternehmens zu sichern. Die Organisationsstruktur sollte genau so ausgebildet sein, dass eine Herabsetzung der Umweltkomplexität möglich wird. Dies geschieht folgendermassen: Man versucht, die ganze Umweltkomplexität unter die verschiedenen Bereiche des Unternehmens aufzuteilen, um sie dort zu verarbeiten.

Die Bildung von Subsystemen erlaubt diesen Vorgang, wobei die Subsysteme wiederum auf bestimmte Funktionen speziell ausgerichtet werden können. Ein solches, sogenanntes unsicherheitsreduzierendes Subsystem ist im Betrieb zum Beispiel die Marketing- oder Vertriebsorganisation.


Ein Unternehmen kann als ein System aufgefasst werden, das sich als eine Ansammlung von Elementen darstellt, die in Wechselbeziehungen zueinander stehen. (Bild: Sergey Nivens / Shutterstock.com)

Ein Unternehmen kann als ein System aufgefasst werden, das sich als eine Ansammlung von Elementen darstellt, die in Wechselbeziehungen zueinander stehen. (Bild: Sergey Nivens / Shutterstock.com)


Die Theorie offener Systeme

Die Theorie offener Systeme vertritt die Ansicht, dass sich Unternehmen nicht nur an eine sich verändernde Umwelt anpassen. Sie haben andererseits auch die Möglichkeit, die Gestaltung der Umwelt zu beeinflussen.

Ressourcenabhängigkeitsperspektive

Dieser Ansatz, der im Englischen als resource dependence perspective bezeichnet ist, betrachtet die Abhängigkeit eines Unternehmens von seiner Umwelt und erklärt gleichzeitig die Einflüsse der Umwelt auf das Unternehmen.

Eine zentrale Frage dieser Herangehensweise besteht jedoch darin, wie Unternehmen ihr Überleben am Markt sichern können. Die Überlebensfähigkeit eines Betriebes gilt als der zentrale Massstab für den Erfolg.

Die Ressourcenabhängigkeitsperspektive nimmt als Option für die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens hauptsächlich die Fähigkeit wahr, sich mit den zum Überleben nötigen Ressourcen zu versorgen. Dadurch entsteht für die Unternehmen eine Abhängigkeit von jenen Interessengruppen, die genau über die vom Betrieb benötigten Ressourcen verfügen. Aufgrund dieser Erkenntnis wird deutlich, wie viel Macht solche Interessengruppen (Stakeholder) besitzen.

Je stärker eine Organisation von einer Interessengruppe abhängig ist, umso mehr muss sie sich auf die Forderungen dieser Interessengruppe einlassen. Ein Unternehmen, das den Erfolg anstrebt, muss deshalb ganz geschickt mit den Stakeholdern umgehen können.

Die Abhängigkeit des Unternehmens von einer Interessengruppe ist desto höher …

  • je wichtiger die wesentliche Ressource für das Überleben des Betriebes ist
  • je mehr dieser Stakeholder die Verteilung und Verwendung der Ressource beeinflussen kann
  • je weniger Alternativen es zur Beschaffung der Ressource gibt

Innerhalb der grossen Gruppe der Stakeholder nehmen neben den externen vor allem auch die internen Interessengruppen einen wichtigen Platz ein. Die internen Stakeholder stehen in einem harten Konkurrenzkampf um die Macht. Deshalb wird derjenige, der das Unternehmen am besten mit den kritischen Ressourcen beliefern kann, an Macht gewinnen.

Das Marketing betreut eine äusserst wichtige externe Interessengruppe, nämlich die der Kunden. Kunden sind für ein Unternehmen langfristig betrachtet die einzige Möglichkeit, die allerwichtigste Ressource – das Geld – zu erhalten.

„Bridging Strategies“

Eine Variante, wie sich ein Unternehmen noch besser mit wichtigen Ressourcen eindecken kann, ist, die Distanz zwischen sich selbst und dem Besitzer dieser Ressourcen zu verkürzen. Das kann sehr gut erfolgen, indem der Aufbau einer guten Geschäftsbeziehung forciert wird.

Der Population Ecology-Ansatz

Ausgangspunkt dieses Ansatzes ist der Fakt, dass die Überlebenschance eines Unternehmens immer abhängig ist von den Ressourcen seiner Umwelt. Dieser Ansatz beachtet deshalb weniger den Einzelbetrieb. Es versucht vielmehr eine Erklärung dafür zu finden, welche Unternehmen im Wettbewerb um Ressourcen die Überlebenden sein werden.

Letztlich können nur jene Unternehmen überleben, die sich am besten an die Anforderungen anpassen können, die die Umwelt stellt. Es besteht eine Ähnlichkeit zur Evolutionstheorie nach Darwin: Auch in der unternehmerischen Umwelt überdauern nur die Unternehmen, welche sich am besten anpassen können.

Eine zentrale Erkenntnis dieses Ansatzes ist, dass Unternehmen mit einer bestimmten strategischen Flexibilität ihre Chancen zu überleben deutlich anheben können.

 

Originalartikel erschienen auf my-business-blog.de
Oberstes Bild: © alphaspirit – shutterstock.com


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