Warum es bei der Auswahl von Dividenden-Aktien auf den richtigen Zeitpunkt ankommt

13.04.2015 |  Von  |  Finanzen

Geschätzte Lesezeit: 8 minutes

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Warum es bei der Auswahl von Dividenden-Aktien auf den richtigen Zeitpunkt ankommt
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Wer sich mit Finanzen und seinem privaten Vermögensaufbau beschäftigt, hört immer wieder den Rat: „Investiere als langfristiger Anleger antizyklisch“. Was so einfach klingt, kann in der Praxis oft nur schlecht umgesetzt werden. Denn im Grunde weiss man nie wirklich, wann genau ein guter Zeitpunkt ist, um das Gegenteil von dem zu machen, was die Masse macht.  Im späteren Verlauf und mit Rückblick auf markante Marktphasen hört man oft Kommentare wie: „Da hätte man kaufen / verkaufen müssen“ oder „…wenn ich das gewusst hätte“. Klar, im Nachhinein ist man immer schlauer. Wenn es nur immer so einfach wäre, dann würde das in der Praxis vielleicht so aussehen: Wir schalten unsere Emotionen aus und handeln ganz rational. In der Hausse setzen wir nach und nach immer mehr Trailing-Stops und warten darauf, dass ein Teil unserer Aktien ausgestoppt wird. Nur die wenigsten Anleger verkaufen am Top oder in seiner Nähe. An diesem Punkt sammeln wir genügend Cash ein um später wieder günstig einkaufen zu können. Aber auch auf der anderen Seite der Medaille liegen wir auf der Lauer. Sobald die Märkte stark nachgeben und Panik an den Börsen regiert, bleiben wir locker und ruhig und sammeln Aktie für Aktie ein. Leider klappt das nur in der Theorie so einfach. In der Praxis fehlt uns oft der Mut. Zudem hat man gerade in Übertreibungsphasen einfach auch keinen richtigen Überblick mehr. Vor allem Langzeit-Investoren argumentieren dann gern, dass man die schlechten Zeiten aussitzen und die guten Zeiten geniessen muss. Mir war diese Logik schon immer ein Dorn im Auge.
Die finanzielle Unabhängigkeit erreichen – Alex Fischer hat es geschafft. Auf seinem Blog reich-mit-plan.de berichtet er über passives Einkommen, Aktienstrategien und stellt Finanzprodukte vor.
Mit Blick auf mein Dividenden-Depot ist mir diese Vorgehensweise suspekt. In schlechten Phasen, wenn die Aktienkurse im Keller und die Dividendenrenditen hoch sind, rede ich mir meine Dividenden-Aktien schön und habe kaum Geld zum Kaufen? Und in guten Phasen, wenn die Aktienkurse überdurchschnittlich stark gestiegen sind und die Dividendenrenditen nur noch minimal sind, renne ich mit der rosa-roten Brille durchs Land und halte mich für den grössten Investor aller Zeiten? Nein, da ist irgendwas nicht richtig. Das muss doch auch anders funktionieren. Viel effektiver wäre es doch, wenn ich mich in den guten Phasen (Aktien sind teuer und die Dividendenrenditen niedrig) von einigen Dividenden-Aktien trenne und damit meine Cash-Position erhöhe. Aber auch in schlechten Börsen-Phasen (Aktien sind billig und die Dividendenrenditen hoch) möchte ich profitieren und mit viel Cash gute Aktien einsammeln. Das funktioniert leider nicht so gut, wenn ich in der Investitionsphase bereits ein volles Depot habe und in der Verkaufsphase kein Cash generiere. Das ist genau das Gegenteil von antizyklisch.

Wie wäre es mit ein paar Beispielen?

Wer hätte sich nicht gern eine Colgate Palmolive (ISIN: US1941621039) mit einer Dividendenrendite von 3,50% ins Depot gelegt? Oder darf es vielleicht eine Unilever-Aktie (NL0000009355) für 4,40% sein? Auch eine Eli Lilly (US5324571083) mit einer Dividendenrendite von 5,50% würde niemand von der Bettkante schubsen. Selbst eine SAP (DE0007164600) oder eine Henkel VZ (DE0006048432) gibt es nur sehr selten mit einer Dividendenrendite von über 2,20%. Das klingt zu schön um wahr zu sein? Ist es aber. Genau diese Dividendenrenditen konnten in der Vergangenheit immer wieder erzielt werden. Wären dies nicht super Einstiegspunkte gewesen? Aber auch auf der anderen Seite gibt es genügend reale Beispiele. Warum sollte ich eine Novartis (CH0012005267) mit einer Dividendenrendite von 2,50% nicht verkaufen? Auch eine AT&T würde ich bei Dividendenrenditen unter 3,5% gnadenlos verkaufen. Ich freue mich auch, wenn ich bei Canadian National Railway meine Gewinne realisieren kann. Zum Beispiel bei einer Dividendenrendite von 0,80%. Auch hier nochmals der Hinweis: Dies sind reale Werte. Zu diesen Dividendenrenditen wurden die Aktien in der Vergangenheit gehandelt. Was all die genannten Beispiele gemeinsam haben, ist die Seltenheit. Solche Dividendenrenditen werden nicht alle paar Wochen oder Monate, sondern nur alle paar Jahre erzielt. Aber ein Anleger mit langfristigem Horizont hat ja genügend Zeit.
In der Praxis fehlt uns oft der Mut. (Bild: © Rawpixel - shutterstock.com)

In der Praxis fehlt uns oft der Mut. (Bild: © Rawpixel – shutterstock.com)


Wenn ich diese Vorgehensweise interessierten Lesern meines Finanzblogs vermittle, ernte ich oft plumpe und skeptische Argumente. Verständlich, so habe ich damals auch reagiert, als ich damit begonnen habe mich damit auseinander zu setzen. Ein oft genannter Punkt ist die Differenz zwischen einer hohen und einer niedrigen Dividendenrendite bei ein und derselben Aktie. Was bringt es mir, wenn ich eine Aktie mit einer seltenen Dividendenrendite von sagen wir 3,00% kaufe und sie mit einer seltenen Dividendenrendite von 1,50% wieder verkaufe? Die Differenz beträgt ja nur 1,50%. Ich höre dann immer: „Die machen den Kohl nicht fett“ und „hin und her macht Tasche leer“. Wenn man das so simpel betrachtet, dann sehe ich das auch so. Allerdings denke ich als langfristiger Investor anders. Denn diese 1,50% Differenz haben es in sich. Der Aktienkurs müsste sich im Grunde (bei gleichbleibender Dividende) verdoppeln um eine Dividendenrendite von 1,50% zu erzielen. Anleger verzichten in diesem Beispiel leichtfertig auf einen 100% Kursanstieg oder sogar deutlich mehr, wie die folgende kleine Übersicht zeigt.

Angenommen, eine Aktie erzielt sehr selten eine Dividendenrendite von 3,00%. Ebenso selten kann man diese Aktie mit einer Dividendenrendite von 1,50% handeln. Es würde also Sinn machen zu warten, bis die Aktie eine Dividendenrendite von 3,00% erzielt. Ich kann sie dann zu einem vergleichsweise niedrigen Aktienkurs kaufen. Die Wahrscheinlichkeit einer noch höheren Dividendenrendite und damit weiter sinkendem Aktienkurs ist deutlich geringer, als die Möglichkeit später wieder eine Dividendenrendite von 1,50% zu erzielen. Denn langfristig gesehen wird die Aktie irgendwann auch wieder ans andere Ende der Dividendenrendite-Range laufen, das hat die Vergangenheit ja bereits gezeigt. Wann der Zeitpunkt sein wird, dass weiss man natürlich heute nicht. Es kann vielleicht in 3, 5, 7 oder 12 Jahren so weit sein. Fest steht nur, dieser Zeitpunkt wird wieder kommen. In der Tabelle habe ich mal beispielhaft mit 5 Jahren gerechnet. Für unser oben skizziertes Szenario habe ich unterstellt, dass das Unternehmen jährlich die Dividende um 10% anhebt und die Dividendenrendite Jahr für Jahr kontinuierlich abnimmt. So lange bis der Zielwert von 1,50% wieder erreicht wird. Was sagt uns das Ergebnis? Inklusive der jährlichen Dividenden hätten wir mit diesem vereinfachten Beispiel in Summe aus 100,- Euro ca. 311,- Euro (Aktienkurs + ausgeschüttete Dividenden) gemacht. An dieser Stelle merke ich immer gern an, dass die kurze Laufzeit von 5 Jahren das Ergebnis eher klein hält, als es zu gross darzustellen. Denn eine längere Zeitphase geht zwar mit einer langsameren Absenkung der Dividendenrendite einher, führt aber auch zu weiter steigenden Dividenden. In Summe führt dies zu einem noch höheren Ergebnis. Bei einer Laufzeit von 12 Jahren zum Beispiel würde in der Tabelle an der Stelle wo die 311 Euro (Aktienkurs + ausgeschüttete Dividenden) stehen ein Betrag von 635 Euro auftauchen. Und statt 211% würde im Ergebnis 535% herauskommen.

Wie man sieht, spielt die Zeit bei einem langfristigen Anleger eine grosse Rolle. Daher sollte man sich auch immer etwas mehr Zeit nehmen und auf die richtigen Einstiegssignale warten.  

Oberstes Bild: © PathDoc – shutterstock.com

Über Alex Fischer

hat Anfang 2014, mit 37 Jahren, die lang ersehnte finanzielle Unabhängigkeit erreicht. Funktioniert hat dies nur, weil er sich seit Jahren auf verschiedene passive Einkommensquellen konzentriert hat. Er schreibt unter anderem für den Finanzblog Reich-mit-Plan.de über Themen rund um den privaten Vermögensaufbau, stellt Finanzprodukte vor und veranschaulicht anhand transparenter Musterdepots wie das Ziel der finanziellen Unabhängigkeit für jeden in greifbare Nähe rückt. Sein Dividenden-Alarm hilft dabei, lukrative Dividenden-Aktien zu finden.


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