Liquiditätssicherung: überlebenswichtig für jede Firma

24.03.2015 |  Von  |  Allgemein, Finanzen
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Liquiditätssicherung: überlebenswichtig für jede Firma
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Jedes Jahr werden in der Schweiz rund 14.000 Konkursverfahren eröffnet. Gläubigern entsteht dadurch ein wirtschaftlicher Schaden von rund zwei Milliarden Franken, zahlreiche wirtschaftliche Existenzen werden vernichtet. Eine der wesentlichen Auslöser für einen Konkurs ist fehlende Zahlungsfähigkeit oder Illiquidität.

Gerade junge Unternehmen und Firmen, die stark wachsen, haben oft Probleme mit der Liquidität. Häufig genug fehlt ein ausreichender Überblick über die zu erwartenden Zahlungsein- und -ausgänge, das Liquiditätsmanagement ist unzureichend. Mancher Konkurs liesse sich mit guter Planung, der richtigen Finanzierung und rechtzeitiger Gegensteuerung vermeiden.



Liquiditätssorgen: auch bei gutem Geschäft möglich

Nur wer Zahlungsverpflichtungen jederzeit in der vereinbarten Höhe und zum vereinbarten Zeitpunkt erfüllen kann, ist liquide. Jede Unternehmenstätigkeit löst eine Unmenge an Zahlungstransaktionen aus. Aus Warenverkäufen oder der Erbringung von Dienstleistungen entstehen normalerweise Umsätze. Ihnen stehen vielfältige Auszahlungen gegenüber: Löhne und Gehälter, Sozialabgaben und Steuern, Beiträge und Versicherungen, Ausgaben für Betriebsmittel und Investitionen wollen beglichen werden. Die Aufrechterhaltung der Liquidität ist daher eine grundlegende Management-Aufgabe, die für den Bestand jeder Firma überlebenswichtig ist.

In der Regel stehen Zahlungsschwierigkeiten mit einer schlechten Auftragslage oder hohen Verlusten in Zusammenhang. Das muss aber keineswegs immer so sein. Es ist durchaus möglich, dass auch Betriebe, die an und für sich gesund sind, Probleme mit der Zahlungsfähigkeit haben. Denn betriebswirtschaftlich betrachtet ist noch längst nicht jeder Gewinn ein Zahlungseingang. Wenn ein Kunde zum Beispiel ein Produkt kauft und dabei ein Zahlungsziel ausnutzt, entsteht zwar für die Firma hoffentlich ein Gewinn, ausserdem erhöht sich der Forderungsbestand, es kommt jedoch zunächst nicht zu einem Geldzufluss.

Bei Firmengründungen und expandierenden Unternehmen fallen in der Regel zuerst einmal Ausgaben an. In der Aufbau- und Wachstumsphase ist die Liquidität häufig extrem belastet. Bei Aufträgen sind zum Beispiel zunächst Materialien und Betriebsmittel vorzufinanzieren. Umsätze werden aber erst nach Fertigstellung und Verkauf realisiert. Die Zahlungssituation wird noch weiter verschärft, wenn weitere Maschinen, Lagerräume und Mitarbeiter benötigt werden, um Wachstum zu erzielen. Denn dann sind zusätzliche Geldmittel für Sachinvestitionen sowie Löhne und Gehälter erforderlich. Auch hier erfolgt das Umsatzwachstum in der Regel erst mit Zeitverzug. Liquiditätsbelastend wirken ferner notwendige Aktionen zur Markterschliessung und Kundengewinnung. Für Werbung, Messeauftritte, Public Relations und Verkaufsförderung fallen zunächst nur Auszahlungen an, denen keine unmittelbaren Einzahlungen gegenüberstehen.



Typische Gründe für Liquiditätsprobleme

Probleme mit der Liquidität sind daher äusserst vielfältig. Hier ein kurzer Überblick über die häufigsten Ursachen für Zahlungsschwierigkeiten:

  • gewährte Zahlungsziele werden grosszügig ausgenutzt, Kunden zahlen nur mit Verzug oder sind selbst illiquide;
  • Lieferanten verlangen Barzahlung oder bieten nur kurzfristige Zahlungsziele an;
  • langfristige Investitionen werden mit kürzerfristigen Krediten finanziert – das ist ein häufig vorkommender Finanzierungsfehler. Wenn die Kredite auslaufen, werden neue Mittel benötigt. Kurzfristige Anschlussfinanzierungen sind dann aber oft nur zu ungünstigeren Bedingungen möglich;
  • eine stark schwankende Auftragslage führt zu instabilen Umsätzen, während die laufenden Zahlungsverpflichtungen unverändert bleiben;
  • in wichtigen Geschäftsfeldern brechen die Umsätze weg oder entscheidende Kunden gehen verloren, die Liquidität wird dadurch nachhaltig belastet;
  • es existiert ein hoher Fixkostenblock bei der betrieblichen Kostenstruktur. Er bewirkt, dass Kosten nur schwer an veränderte Auftragslagen angepasst werden können;
  • steuerliche Zahlungsverpflichtungen stellen immer eine Liquiditätsbelastung ohne Gegenleistung dar;
  • fehlende Liquiditätsreserven machen sich negativ bemerkbar, wenn unvorhergesehene Ausgaben durch ungeplante Investitionen und Reparaturen anfallen;
  • eine zu knapp bemessener Kontokorrentkredit führt ebenfalls zu Schwierigkeiten;
  • fehlendes Eigenkapital erschwert und verteuert die Aufnahme von zusätzlichen Krediten zur Liquiditätsbeschaffung;
  • eine ungenügende Ertragslage: ohne ausreichende Ertragsbasis lässt sich die Zahlungsfähigkeit auf Dauer nicht sicherstellen;
  • fehlende Übersicht: mangelndes Controlling ist ein Grundproblem vieler Liquiditätssorgen.
Mit systematischer Liquiditätsplanung lässt sich die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen sicherstellen. (Bild: docstockmedia / Shutterstock.com)

Mit systematischer Liquiditätsplanung lässt sich die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen sicherstellen. (Bild: docstockmedia / Shutterstock.com)




Ein Ad-Hoc-Programm zur Abhilfe

Was können Sie tun, wenn es mit der Liquidität Ihrer Firma hakt? Mit den folgenden Massnahmen lässt sich kurzfristig die Zahlungssituation verbessern – quasi ein Ad-Hoc-Programm. Es ersetzt allerdings nicht eine grundlegende Strategie zur Sicherstellung der Liquidität.

1. Sorgen Sie für schnellere Bezahlung Ihrer Rechnungen

Stellen Sie Ihre Rechnungen möglichst unmittelbar nach der Leistungserbringung. Erhöhen Sie zu leistende Anzahlungen, gewähren Sie Ihren Kunden Skonti bei Sofortzahlung und/oder räumen Sie kürzere Zahlungsziele ein. Notfalls können Sie sich auch über das Factoring von Forderungen Liquidität beschaffen.

2. Kontrollieren Sie das Zahlungsverhalten strenger

 Sie sollten grundsätzlich die Bonität Ihrer Kunden prüfen und im Zweifel Vorkasse verlangen. Überwachen Sie laufend die Zahlungseingänge und führen Sie ein straffes Mahnwesen ein. Bestehen Sie konsequent auf der Begleichung ausstehender Forderungen, notfalls durch Einbindung eines Inkasso-Büros.

3. Bestehen Sie auf günstigeren Lieferanten-Konditionen

Verlängern Sie – wenn möglich – die Zahlungsziel-Vereinbarungen mit Ihren Lieferanten. Es kann auch sinnvoll sein, mit wichtigen Lieferanten ein bestehendes Liquiditätsproblem zu besprechen, um ein Stillhalte-Abkommen zu erreichen.

4. Liquidieren Sie nicht benötigtes Betriebsvermögen

Möglicherweise sind nicht ausgelastete Maschinen, zu viele Betriebsmittel oder zu hohe Warenbestände in Ihrem Unternehmen vorhanden. Mit dem Verkauf können Sie sich schnell zusätzliche Liquidität beschaffen. Bei notwendigen Sachinvestitionen kann Leasing eine liquiditätsschonende Alternative zum Kauf sein.

5. Verbessern Sie Ihr Eigenkapital

Bringen Sie – falls vorhanden – weitere Mittel aus Ihrem Privatvermögen in Ihre Firma ein. Manchmal ist auch die Beteiligung eines Partners möglich. Mit einer Verbesserung der Eigenkapitalbasis erweitern Sie Ihre Kreditspielräume.



6. Sprechen Sie mit Ihrer Bank

Versuchen Sie mit Ihrer Hausbank über bessere Bedingungen zu verhandeln, zum Beispiel über eine Erhöhung des Kontokorrentkredits. Auch hier hilft Transparenz bezüglich Ihrer Liquiditätssituation als vertrauensbildende Massnahme. Unter Umständen sind auch Gespräche mit anderen Banken hilfreich, wenn sich Ihre bisherige Bank querstellt.

Grundlegend: die Planung der Liquidität

Auf Dauer werden Sie aber nur mit systematischer Planung die Zahlungsfähigkeit Ihrer Firma in den Griff bekommen. Dazu ist ein funktionierendes Rechnungswesen unerlässlich. Beim Liquiditätsplan werden die in Ihrem Unternehmen anfallenden Ein- und Auszahlungen über einen bestimmten Zeitraum gegenübergestellt. Ein Liquiditätsplan sollte mindestens auf Halbjahresbasis und in monatlichen Zeitabständen erfolgen.

Die Methodik dabei ist simpel: Der Anfangsbestand an Zahlungsmitteln am Beginn eines Monats bildet den Ausgangspunkt. Er setzt sich aus Kassenbeständen und jederzeit verfügbaren Kontoguthaben zusammen. Davon ausgehend werden die Einzahlungen und Auszahlungen in den kommenden Wochen geplant. Aus dem Anfangsbestand und den Ein- und Auszahlungen ergibt sich schliesslich der Bestand am Ende des Monats. Er bildet den Ausgangsbestand des Folgemonats.

Selbstverständlich kann die Zahlungsfähigkeit auch längerfristig geplant werden, allerdings sind Zahlungsprognosen in der Zukunft zunehmend schwierig. Ebenso kann die Liquiditätsplanung auch kürzerfristig auf Wochen- oder Tagesbasis erfolgen. Viele Zahlungen sind aber so exakt gar nicht bestimmbar. Für Controlling -Zwecke sollten immer die tatsächlichen Ist-Werte den Plan-Werten gegenübergestellt werden. Aus dem Vergleich lässt sich einfach feststellen, wo die Ursachen von Abweichungen liegen. So können drohende Zahlungsschwierigkeiten frühzeitig erkannt werden.

Ein negativer Endbestand zeigt Ihnen eine Liquiditätslücke an. Wenn Ihr Kontokorrentrahmen nicht mehr ausreicht, um das Loch zu decken, ist dringender Handlungsbedarf gegeben. Und auch die Ausschöpfung der Kreditlinie kann keine Dauerlösung sein. Spätestens dann sollten Sie über Alternativen nachdenken, um die Finanzierung Ihrer Firma auf eine solide Grundlage zu stellen. Sie sichern damit Ihre wirtschaftliche Existenz.



 

Oberstes Bild: Ohne Sicherstellung der Liquidität ist jede Firma zum Scheitern verurteilt. (© stockshoppe / Shutterstock.com)

Über Stephan Gerhard

ist seit Jahren als freier Autor und Texter tätig und beschäftigt sich bevorzugt mit Themen rund um Finanzen, Geldanlagen und Versicherungen sowie Wirtschaft. Als langjähriger Mitarbeiter bei einem Bankenverband und einem großen Logistikkonzern verfügt er über umfassende Erfahrungen in diesen Gebieten.

Darüber hinaus deckt er eine Vielzahl an Themen im Bereich Reisen, Tourismus und Freizeitgestaltung ab. Er bietet seinen Kunden kompetente und schnelle Unterstützung bei der Erstellung von Texten und Präsentationen.


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