So finden Sie im Job wieder zu sich selbst

04.02.2015 |  Von  |  Selbstmanagement
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So finden Sie im Job wieder zu sich selbst
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Werden Burn-out-Patienten nach den Ursachen für ihren Zustand befragt, tauchen häufig Sätze auf wie „Ich habe mich in meiner Arbeit einfach nicht mehr wiedergefunden“ oder „Die Arbeit hat mich zu einem Menschen gemacht, der ich nie sein wollte“. Dabei liegt offenbar mehr im Argen als nur eine fehlende Übereinstimmung der eigenen Fähigkeiten mit spezifischen Jobanforderungen. 

Es geht vielmehr darum, dass Menschen nicht (mehr) das Gefühl haben, ihre Persönlichkeit als Ganzes in ihrem Beruf einbringen und verwirklichen zu können. Es ist der berühmte Moment, in dem man in einer Arbeitspause in den Spiegel schaut und sich fragt: „Wer bin ich eigentlich – und was mache ich hier?“

Zum Glück gibt es effektive Strategien, um wieder in Kontakt mit seinem Selbst und dessen Bedürfnissen zu kommen, ohne dass es zum Burn-out (oder Bore-out) kommen muss.

  1. Bekennen Sie sich zu den Bedürfnissen Ihres arbeitenden Ichs

Die meisten Erwachsenen verbringen mehr als 30 % ihres Lebens am Arbeitsplatz. Da ist es selbstverständlich, dass die dort wartenden Aufgaben und ihre Ausführung sich mit Ihrer Identität und Ihrem Selbstwertgefühl verschränken. Das bedeutet aber gleichzeitig auch: Sie haben das Recht, auch und gerade Ihre Arbeit zu einem Ausdruck Ihrer Persönlichkeit zu machen. Denn selbst die ausgewogenste Work-Life-Balance kann das ungute Gefühl nicht kompensieren, welches sinnentleerte Arbeit auslöst, mit der Sie sich nicht identifizieren können.

Versuchen Sie also nicht, diese Empfindung wegzurationalisieren und sich mit Ihrem vermeintlich unausweichlichen „Menschine“-Dasein anzufreunden. Bekennen Sie sich dazu. Gönnen Sie sich den Luxus zu sagen: „Mein Ziel ist es, auch in meiner Arbeit ganz ich selbst zu sein. Ich möchte für das bezahlt werden, was ich bin und aus meinem Selbst heraus tue.“ Es zeugt von mentaler Gesundheit und Resilienz, am Arbeitsplatz derselbe Mensch sein zu wollen wie in der Freizeit – und nicht etwa von Schwäche oder Naivität. Sie werden mehr positives Feedback für eine integrierte Persönlichkeit bekommen, als Sie es sich jetzt vielleicht vorstellen können.

  1. Reisen Sie in die Zeit ungefilterter Interessen zurück

Das kann zu Beginn schwieriger sein als vermutet. Unzufriedenheit und fehlende Identifikation zu benennen ist eine Sache. Doch nach langer Zeit des Gegen-sich-selbst-Anarbeitens noch wirklich zu wissen, wer man eigentlich ist, ist eine andere. In den allermeisten Fällen ist der Schlüssel eine Reise in die Vergangenheit: zu dem Moment, an dem Sie aufgehört haben, das zu tun, was Ihnen Spass gemacht hat, und angefangen haben, die vermeintlichen Erwartungen anderer Menschen oder der Arbeitswelt zu erfüllen.


Die meisten Erwachsenen verbringen mehr als 30 % ihres Lebens am Arbeitsplatz. (Bild: © zeljkodan - shutterstock.com)

Die meisten Erwachsenen verbringen mehr als 30 % ihres Lebens am Arbeitsplatz. (Bild: © zeljkodan – shutterstock.com)


Diese Reise kann weit zurückführen, häufig bis ins Jugendalter. Es ist ein seltsames und nicht unbedingt naheliegendes Unternehmen, mit einer vorhandenen Karriere im Rücken nach den Gründen für die eigene Unzufriedenheit im jugendlichen Selbst zu forschen – aber oft unumgänglich. Dann nämlich kommen die Interessen, Talente, Leidenschaften zutage, die Sie lebendig in sich gespürt haben. Es ist diese intuitive Definition des Selbst, zu der Sie zurückkehren sollten. Sie wird Sie mit einer ursprünglichen Energie versorgen, aus der Sie wieder berufliche Visionen entwickeln können und die Ihnen dabei hilft, selbst auferlegte Denkbarrieren niederzubrechen.

  1. Kehren Sie Ihre Selbstwahrnehmung von innen nach aussen

Der leider instinktive Weg sozialer Anpassung ist die Neubewertung eigentlich herausragender (aber vielleicht unbequemer) Fähigkeiten als unnütze, vielleicht sogar störende Eigenschaften. Horchen Sie in sich hinein: Auf welche Ihrer Charakterzüge sind Sie am wenigsten stolz? Für welche schämen Sie sich sogar fast ein wenig? Waren Sie vielleicht immer ein wenig (vor)laut und extrovertiert und wurden konstant zu mehr Zurückhaltung und Contenance ermahnt? Oder haben Sie sich leidenschaftlich für etwas interessiert, konnten dieses Interesse aber immer nur in der Ideenfindungsphase aufrechterhalten und wurden deshalb als flatterhaft und undiszipliniert beurteilt? Oder waren Sie eher still und beobachtend, was Ihnen als hinderliche Schüchternheit und als Desinteresse ausgelegt wurde?

All dies sind Eigenschaften, die zu grossartigen Kompetenzen hätten ausgebaut werden können – stattdessen aber höchstwahrscheinlich von Ihrer Umgebung als problematisch eingestuft und deshalb aus Anpassungsbereitschaft von Ihnen verdrängt wurden. Holen Sie sie jetzt ans Tageslicht und geben Sie ihnen einen neuen Status. Spüren Sie bewusst nach, wie sich das anfühlt.

Stossen Sie dabei auf eine neue Definition Ihres Selbst, die sich gut anfühlt? Dann beginnen Sie, für diese verschütteten Qualitäten einen Platz innerhalb Ihrer Arbeit zu finden oder zu schaffen. Kommunizieren Sie diese Eigenschaften nicht nur sich selbst als wertig und konstruktiv, sondern auch Ihrer Umwelt. Sie werden feststellen, dass Ihnen neue Aufgaben zufliegen, die wie für Sie gemacht zu sein scheinen.

  1. Hören Sie mit dem Vergleichen auf

Ihr Selbst ist ein absolut individuelles und unvergleichliches Set an Kompetenzen – so einzigartig wie Ihr Fingerabdruck. Sie werden es nicht näher definieren, indem Sie andere um sich herum (Kollegen Ihres Teams, Menschen mit Ihrem Job in anderen Unternehmen, Ihre Vorgänger am Arbeitsplatz) zur Richtschnur Ihrer Entscheidungen und Ihres Handelns machen. Je mehr Sie vergleichen, desto mehr verlieren Sie sich selbst.



Schütteln Sie die Schablonen ab, nach denen andere Sie, aber vor allem Sie sich selbst zurechtbiegen wollen. Fragen Sie sich stattdessen, welche ureigensten, unnachahmlichen, nicht austauschbaren Fähigkeiten Sie an den Tisch bringen.

 

Oberstes Bild: © Karramba Production – shutterstock.com


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