Interessantes aus Russland – eine staatliche Suchmaschine bietet Vorteile

03.02.2015 |  Von  |  Marketing
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Interessantes aus Russland – eine staatliche Suchmaschine bietet Vorteile
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Bereits beschrieben wurde das Erstarken eines westlich angehauchten Phänomens – der eSport-Szene. Wir endeten mit dem Hinweis, auf diesen Bereich immer mal wieder ein Auge zu werfen, weil hier innovative Konzepte und Formen des Marketings zu erwarten sind.

In diesem Artikel wenden wir uns nach Osten und schauen auf eine Suchmaschine, die Inspirationen zur Umsetzung nachahmenswerter Pläne bereithält, allerdings auf Staatsebene.

Russland wird zurzeit kontrovers diskutiert: Die Sanktionen des Westens könnten unter Umständen auch die Schweizer Wirtschaft treffen. Andererseits beraten die G7-Staaten darüber, wie die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen minimiert werden kann. Schon vor den aktuellen politischen und militärischen Auseinandersetzungen sorgte die Eröffnung einer Suchmaschine des Staates für Skepsis. Als die ersten Berichte zu dem Vorhaben an die Öffentlichkeit kamen, wurden Stimmen laut, die darin eine Aktion sahen, den Einfluss des eher opportunen und unabhängigen Marktbeherrschers Yandex einzuschrumpfen.

Nach dem Projektstart der neuen Suchmaschine mit Namen Sputnik lässt sich neben den eventuell zweifelhaften Beweggründen auch recht Interessantes ablesen. Wir wollen genau diese Punkte mit unserer kurzen Vorstellung von Sputnik herausarbeiten.

Starttermin der besonderen Suchmaschine

Offiziell wurde Sputnik am 22. Mai 2014 auf dem jährlichen internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg vorgestellt. Zu dem Zeitpunkt konnte man „Sputnik aber nur mit einer russischen IP-Adresse aufrufen“, vermerkte Vitaliy Malykin noch an diesem Tag in einem Blog. Er ist Mitarbeiter der Kölner Marketing- und SEO-Agentur Design4u, welche sich seit etlichen Jahren auf den russischen Markt spezialisiert hat. Inzwischen ist die erste Testphase abgeschlossen – Sputnik kann auch ausserhalb Russlands aufgerufen werden.

Obwohl das Unterfangen eindeutig teilweise in den Händen des russischen Staates liegt, kostet diese Suchmaschine den Steuerzahler angeblich nichts. Als Entwicklungsfirma zeichnet das Telekommunikationsunternehmen Rostelecom, dessen Hauptaktionär der russische Staat ist, verantwortlich. Gleiche Chancen im Wettbewerb sollen durch die Staatsbeteiligung nicht beeinträchtigt sein. Vor dem Hintergrund einer verpflichtenden Einführung von Sputnik in russischen Behörden ist dies zwar erst einmal schwer zu glauben, laut dem Design4u-Mitarbeiter wurde dies aber auch vom Yandex-Pressesprecher bestätigt.

Konzeption und Aussehen

Malykin bringt das Erscheinungsbild von Sputnik auf den Punkt: sie würde sich wahrnehmbar an Bing orientieren. Ein dominantes Panorama, darüber eingebettet die Suchleiste, präge das Äussere. An den Rändern finden sich Wetterinformationen und Linkvorschläge.

Thematisch sei Sputnik, schreibt Malykin, deutlich auf die russischen Bürger ausgerichtet. Die Maschine gehe in ihrem Leistungsumfang weit über die Funktionalität von klassischen Pendants hinaus. Die Nutzer können in unterschiedlichen Themenbereichen auf Informationen zugreifen, die auf diese Art lediglich der Staatsapparat verfügbar machen kann, damit wird ein echter Mehrwert geboten. Neben Verzeichnissen von Beratungsstellen oder staatlichen Hilfseinrichtungen sind es typische Bürger-Themen wie Geburtsregister, Militärdienst, Rente, die somit leicht zugänglich sind.

Staatliche Online-Bürokratie

Über Sputnik lässt sich eine Vielzahl von Anträgen einreichen, die bislang nur mit viel Papier und langen Wartezeiten in den entsprechenden Ämtern möglich war. Darüber hinaus ist die Suchmaschine auch als Kommunikations-Schnittstelle zwischen den Behörden selbst entworfen worden. Der Versuch, den staatlichen Bürokratieapparat dadurch abzubauen, indem er zum Teil auf einen zentralen Online-Bereich ausgelagert wird, ist durchaus bemerkenswert. Gegebenenfalls kann der Staat auf die Weise Personalkosten sparen und die Bearbeitung von Anliegen seiner Bürger erleichtern.

Generell ist es nicht neu, staatliche Formulare übers Internet einzureichen. Beispielsweise erledigen viele Steuerzahler ihre Steuererklärungen mittlerweile online. Das Mass an Zentralisierung sowie die Anbindung an eine grosse Suchmaschine sind dahingegen nicht alltäglich. Letztere kann darüber hinaus ja auch weitere nützliche Informationen an einem Ort gebündelt zur Verfügung stellen. Vom Aspekt der Datenerhebung und -verwaltung her ist ein einheitlicher Standard sicher sehr effizient.

Die Einbettung in eine Umgebung, die wegen ihrer Vorteile häufig aufgesucht wird, dürfte mit der Zeit vermutlich eine hohe Nutzungsrate erreichen. Sollte dieses Konzept von Erfolg sein, verfügt Russland bald über entsprechende Erfahrungswerte bei der Optimierung von grossflächigen Bürokratiestrukturen. Und die sind gewiss auch für andere Staaten von Interesse.

 

Oberstes Bild: © Zholobov Vadim – shutterstock.com


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