Mikromanager: Wenn Chefs nicht loslassen können

20.01.2015 |  Von  |  Kommunikation
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Mikromanager: Wenn Chefs nicht loslassen können
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Gutes Management bedeutet keinesfalls, in jedem Moment über alle Vorgänge eines Projekts, einer Abteilung oder eines Unternehmens Bescheid zu wissen. Vielmehr ist das Vertrauen in die eigene Fähigkeit entscheidend, Anstehendes an die richtigen Mitarbeiter delegiert und ein Klima von Mitbestimmung und Transparenz geschaffen zu haben, in dem relevante Probleme rechtzeitig kommuniziert werden.

Leider sind sich längst nicht alle Manager darüber im Klaren, wie wichtig und motivierend der Respekt vor der Selbstverantwortlichkeit des Teams ist.

Stattdessen bemühen sie sich, alles und jeden keine Sekunde aus den Augen zu verlieren, jederzeit über alle Vorgänge genauestens informiert zu sein und eigentlich auch noch die simpelsten Aufgaben lieber selbst zu machen, um keinesfalls die Kontrolle über Entwicklungen und Ergebnisse zu verlieren. Diese „Helikopter“-Mentalität der sogenannten Mikromanager manövriert Mitarbeiter und Teams in ebenjene Passivität, die ihnen anschliessend angelastet wird. Wir haben die wichtigsten Tipps gesammelt, um mit Mikromanagern zurechtzukommen, ohne die Motivation zu verlieren.

  1. Kommunizieren Sie klar

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Führungspersönlichkeiten zu Mikromanagern werden: Unsicherheit, Machtstreben, fehlende Empathie sind nur einige Beispiele. In jedem Fall kann es helfen, Mikromanagern gegenüber absolut transparent zu sein und ihnen glaubwürdig vermitteln zu können, dass man sie erstens 100%ig verstanden hat und zweitens willens ist, sie an allen entscheidenden Punkten laufender Prozesse automatisch teilhaben zu lassen.

Dies ist nur möglich, wenn Sie genau wissen, was Ihre Vorgesetzten von Ihnen erwarten. Fragen Sie sie proaktiv, statt auf Anweisungen zu warten. Dies hilft besonders, wenn es sich um unsichere, eventuell neu aufgestiegene Manager handelt. Diese sind sich einerseits unsicher, ob das Team sich seiner Aufgaben bewusst ist, wollen andererseits aber auch nicht den Eindruck erwecken, an seiner Kompetenz zu zweifeln. Oft kommt dieser Zwiespalt in einem betont fürsorglichen Verhalten zum Ausdruck, das exzessive Kontrolle durch empathisch klingende, kontinuierliche Fragen und Vorschläge zu maskieren versucht.

Wenn Sie von dieser Art Mikromanager explizit klare Briefings einfordern, deren Verständnis zurückkommunizieren und von sich aus in regelmässigen Abständen Zwischenstandsberichte liefern, geben Sie ihm die Sicherheit, dass Aufgabe und Projekte bei Ihnen in guten Händen sind.


Alles und jeden keine Sekunde aus den Augen verlieren (Bild: © Mi.Ti. - shutterstock.com)

Alles und jeden keine Sekunde aus den Augen verlieren (Bild: © Mi.Ti. – shutterstock.com)


  1. Setzen Sie Grenzen

Die Betonung liegt hier allerdings auf „in regelmässigen Abständen“. Mikromanager tendieren dazu, konstant Rückmeldungen und Protokolle einzufordern, um auf keinen Fall Lücken im System zuzulassen. Das verbreitet nicht nur Stress, sondern bindet auch zusätzlich viel zu viel Energie auf einer Metaebene, die eigentlich viel seltener beschritten werden müsste. Vereinbaren Sie deshalb schriftlich mit Ihrem Vorgesetzten feste Zeiten oder Intervalle, in denen Sie Feedback geben – und stimmen Sie auch gleich die Form ab, in der dies geschieht. Sehr viel besser als Telefonmeetings sind hierfür E-Mails geeignet, die Sie immer nach dem gleichen Schema aufbauen. So wissen vor allem eher chaotisch veranlagte Chefs, dass sie sich auf regelmässige Reports verlassen können, und streichen diese Forderung aus ihrer Agenda.

  1. Verleihen Sie Sicherheit

Achten Sie generell darauf, unbedingt zuverlässig zu sein. In vielen Fällen resultiert Mikromanagement nicht aus einer unzureichend ausgebildeten Führungspersönlichkeit, sondern aus einem überzogenen Risikomanagement, das durch schlechte Erfahrungen gespeist ist, die Ihr Chef keinesfalls wiederholen möchte. In solchen Fällen handelt es sich um eine Konditionierung, die durch Ihre Belastbarkeit, Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit auch wieder dekonditioniert werden kann.

Ein intelligenter Weg, Ihren Boss von all diesen Qualitäten zu überzeugen, ist die eigenverantwortliche Übernahme eines Projektes, das für seinen Verantwortungsbereich keinerlei Gefahr darstellt, aber Ihre Kernkompetenzen betont. Fragen Sie vorab nach, ob Sie diese eine Aufgabe selbstbestimmt übernehmen könnten, um Ihre Erfahrungen und Kompetenzen zu maximieren. Besprechen Sie den Rahmen des Projektes vorab und stellen sie seine Risikolosigkeit heraus.

Wenn Sie in dieser Herausforderung exzellente Arbeit leisten und sie lückenlos protokollieren, wird Ihr Boss beim nächsten Mal nicht kontinuierlich mit Argusaugen hinter Ihrer Schulter stehen. Danken Sie ihm dafür, dass Sie diese Verantwortung übernehmen durften, und kommunizieren Sie deutlich, dass Sie gerne auch in der Zukunft mehr alleine konzipieren und umsetzen würden.

Ist Ihr Chef menschlich zugänglich, können Sie auch behutsam anfragen, ob er in der Vergangenheit mit vergleichbaren Projekten oder Aufgaben schlechte Erfahrungen gemacht hat – und gleichzeitig zusichern, dass Sie gerne zu einem Neuanfang beitragen würden. Bitten Sie auch ruhig darum, dass Ihr Boss Ihnen die potenziellen Schwachstellen im gegenwärtigen Prozess aufzeigt, damit Sie mehr Verständnis für den Druck entwickeln können, unter dem er steht. Empathie ist oft der Weg, Mikromanagern das Gefühl zu geben, die Last der Verantwortung liege nicht nur auf ihren Schultern, sondern auf denen des ganzen Teams.



  1. Bleiben Sie ruhig

Adaptieren Sie keinesfalls die Hektik, die das Management ausstrahlt; halten Sie sich bewusst aus der Atmosphäre von Druck heraus, die Mikromanager notorisch verbreiten. Versuchen Sie stattdessen, etwas von Ihrer eigenen Ruhe zu vermitteln – vor allem, indem Sie konzentriert und mit voller Aufmerksamkeit zuhören und absolute Achtsamkeit ausstrahlen.

 

Oberstes Bild: © Pressmaster – shutterstock.com


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