Change-Management auf Italienisch

12.12.2014 |  Von  |  Marketing, Selbstmanagement
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Change-Management auf Italienisch
3.4 (68%)
5 Bewertung(en)

Ich mag fast alles an Italien; vor allem aber die Kunst und den Espresso.

In diesem Artikel geht es um Michelangelo und um die Kunst der Veränderung. Nur einen Moment bitte, ich erkläre gleich alles der Reihe nach.

Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni hat sich selbst Zeit seines Lebens immer als Bildhauer und nicht als Maler betrachtet. Wie wir wissen, er ist für beides berühmt und bekannt dafür, dass er persönlich in die Steinbrüche von Carrara fuhr, um nur den besten des ohnehin berühmten Marmors auszuwählen.

Eines der berühmtesten Werke des Meisters ist wohl der Marmorriese David, der seit 1873 in der „Accademia di Belle Arti“ in Florenz steht.

Der Riese

Die David-Statue hat eine lange Geschichte. Bereits im 14. Jahrhundert wurde ein solches Kunstwerk für den Florentiner Dom (Santa Marie del Fiore) geplant.

Der erste Künstler, der für diesen Auftrag angeheuert wurde, nahm seine Arbeit 1464 auf, quittierte seinen Dienst aber 1466. Der Auftrag war einfach zu gross und zu schwierig.

Erst zehn Jahre später nahm ein anderer Bildhauer die Herausforderung, weiterzumachen, an, scheiterte aber ebenfalls an der Grösse des Unterfangens. Der „angefangene Riese“ stand 25 Jahre lang in den Künstlerateliers der Basilika herum. Alles, was für den Dom geschaffen wurde, musste in der dazugehörigen Werkstatt hergestellt werden, die allein aus diesem Grund zu einer wichtigen Institution wurde.


Die Geschichte der David-Statue - ein Beispiel für "Change Management". (Bild: © Brigitte Kobi)

Die Geschichte der David-Statue – ein Beispiel für „Change Management“. (Bild: © Brigitte Kobi)


Der Change-Request

Am 16. August 1501 wurde der Vertrag zwischen Michelangelo, der Wollzunft und dem Rat geschlossen. Den beiden genannten Organisationen oblag die Verwaltung aller kirchlichen Gebäude von Florenz.

Der Change-Request war äusserst anspruchsvoll. Er lautet wie folgt:

  1. Lieferumfang: Den Marmorblock in eine Statue von 525 Zentimetern Höhe verwandeln
  2. Arbeitsplatz: Atelier der Basilika
  3. Lieferfrist: 2 Jahre nach Vertragsabschluss (also bis September 1503)
  4. Entlohnung: Total 144 Golddukaten, zu bezahlen in 6 Golddukaten monatlich. Wenn die Statue fertig ist, wird der Auftraggeber darüber urteilen, ob das Werk einen höheren Kaufpreis verdient
  5. Unterstützung: Der Künstler wird mit sämtlichen Materialien und Werkzeugen durch den Klienten versorgt

David

Michelangelo begann mit der Arbeit am 13. September 1501. Gemäss seinen Notizen musste er grosse Teile dessen, was seine Vorgänger geschaffen hatten, entfernen. Wie üblich arbeitete der Meister hart. Die Biografen des Künstlers berichten, dass spätestens am 25. Januar 1504 jeder verstanden haben müsse, dass es sich hier nicht um einen durchschnittlichen Marmorriesen handelte. Die Florentiner waren von dem kostbaren Meisterwerk hingerissen und bestanden darauf, dieses an einen prominenten Platz zu stellen und nicht im Dom verschwinden zu lassen, wie es eigentlich geplant war.

Nun war die Kommission (der Auftraggeber), die unter anderem aus Berühmtheiten wie Leonardo Da Vinci und Sandro Botticelli bestand, gefordert und musste einen geeigneten Platz finden.

Wie wir wissen, hat David einen sehr ehrenwerten Platz vor der Signoria, dem Regierungssitz von Florenz, erhalten, wo ihn alle bewundern konnten.

Ausserdem müssen alle Beteiligten wirklich begeistert von David gewesen sein, denn Michelangelo erhielt eine ansehnliche Lohnerhöhung. Statt der vereinbarten 144 bekam er 400 Golddukaten.

Mit Köpfchen und Schneid

Zugegeben, Michelangelo war bereits ein erfahrener und berühmter Künstler, als er diesen Auftrag annahm. Vielleicht trieb ihn das Heimweh in seine Vaterstadt zurück, denn es hatte ihm auch in Rom nicht an lukrativen Aufträgen gefehlt.

Dennoch: es braucht schon eine Menge Mut, eine so ehrgeizige Lieferfrist anzunehmen, wenn man weiss, dass beide Vorgänger an diesem Auftrag gescheitert sind. Ausserdem muss man sehr viel Hingabe für seine Kunst mitbringen, um mit so schwierigen Bedingungen und einer miserablen Bezahlung, wie sie erwiesenermassen zuerst vereinbart wurde, Vorlieb zu nehmen.

Ich kenne wirklich niemanden, der auf eigene Gefahr einen solchen Deal eingegangen wäre (das schliesst mich selbst ein).

Betrachten wir das einmal aus Business-Sicht:

  1. Risiko für den Kunden: sehr gering
  2. Risiko für den Lieferanten: extrem hoch, wenn man die Aufträge, die ihm dadurch entgangen sein dürften, betrachtet
  3. Lieferfrist: leicht überschritten
  4. Budget: Nicht messbar, da kein Kostendach gesetzt wurde
  5. Resultat: Jenseits aller Erwartungen

Gewisse Leute haben echt Glück mit ihren Lieferanten. Normalerweise bekommt man das, wofür man bezahlt und es ist ratsam, es mit dem Budget etwas genauer zu nehmen, als es Michelangelos Auftraggeber taten.

Mein Rat ist: Erwarten Sie keinen David, wenn Ihr Budget nur für einen Gartenzwerg reicht.

 

Oberstes Bild: Santa Maria del Fiore – © gillmar – shutterstock.com

Über Brigitte Kobi

Ich bin die Inhaberin des Blogs «Leadership & Lipstick», dessen Thema stylishe Kommunikation ist, die sich an Unternehmer, KMU, Start-ups und Blogger richtet.

Wenn ich mich selbst in einem Satz beschreiben müsste, würde ich sagen: «Ich besitze ein sonniges Gemüt und einen schwarzen Humor. »

Menschen und Kommunikation sind mir fast so wichtig, wie die Luft, die ich atme. Ich liebe es, Neues zu entdecken, schreibe (und rede natürlich) mit Begeisterung. Vermutlich spreche ich deshalb fliessend Deutsch, Englisch und Französisch.

Ferner, bin ich fasziniert und ausgebildet in Philosophie, während die Hedonistin in mir eine Schwäche für Design, Mode, Kunst und italienische Oper hat.

Ach ja: Nebst meinem Blog bin ich auf Kommunikation, Turnaround-Management und Business Development spezialisiert.

Link zur Webseite


2 Kommentare


  1. Immerhin zahlten ihm seine Auftraggeber tatsächlich einen höheren Lohn.
    Das war wirklich ein Sonderfall. Michelangelo muss unglaublich von sich überzeugt gewesen sein. Sonst hätte das passieren können, was auch mit den zwei Meistern zuvor geschah. Da sind sicherlich auch Kosten geflossen. Und haben nicht nur wenig, sondern gar nichts ausgerichtet.
    Ergo: Wer zu wenig investiert, bekommt unter Umständen nicht nur wenig heraus, sondern gar nichts.

  2. Agentur belmedia

    Michelangelo ist sicher ein gutes Vorbild für alle, die etwas leisten wollen und ihre Ideen und Projekte umsetzen möchten – auch wenn das keine monumentalen Statuen sind. Mut, Hingabe, Risikobereitschaft, unbeirrt seine Ziel trotz widriger Umstände verfolgen … all das brauchen Unternehmer heute, um zu bestehen. Deshalb ist die Geschichte der David-Statue als Beispiel für Change-Management sehr anschaulich und treffend.

Ihr Kommentar zu:

Change-Management auf Italienisch

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.