Twitter testet Shopfunktion seiner Plattform – mit Erfolg?

06.12.2014 |  Von  |  Marketing
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Twitter testet Shopfunktion seiner Plattform – mit Erfolg?
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Der Entwickler von Webanalyse-Software Monetates kündigte mit seinem zweiten eCommerce Quarterly 2014 (EQ2) den baldigen Durchbruch des mobilen Marktes an. Diese Einschätzung begründete er unter anderem mit der Menge an Technologieanbietern, die inzwischen mit Erfolg an Innovationen zur Markterschliessung arbeiteten.

Offensichtlich hat auch Twitter – neben Apple und Amazon – den mobilen Markt auf seiner Agenda. Im September begann an Twitterkonten ausgewählter Partner eine Testphase für ein integriertes Shopsystem, wobei dieser Test zunächst auf den Twitter Apps läuft.

„Dies ist ein erster Schritt von uns zum Einbau von Funktionen in Twitter, um den Einkauf von mobilen Geräten bequem und einfach, hoffentlich sogar spassbringend zu machen“, vermerkt Produktmanager Tarun Jain im Twitter-Blog. Die Idee hinter der Funktion entspricht einerseits der Idee des Content-Marketings, andererseits besteht die Gefahr, dass der Bogen überspannt wird.

Im Wandel befindliche soziale Plattformen

In der Regel sind die sozialen Netzwerke noch kein fruchtbringender Markt für Direktverkäufe. Wahrgenommen werden sie vor allem als soziale Plattform und dienen zum Austausch und nicht als Kaufportal. Allerdings könnte sich dieses Bild und die damit verbundene Erwartungshaltung nach und nach ändern. Beispiele dafür gibt es ausreichend: Mittlerweile werden Facebookseiten als Anlaufstellen für Wirtschaftsunternehmen gesehen. Für eine ehemals als reine Jugend- und Studentenplattform ins Leben gerufene Börse bedeutet das einen gravierenden Wandel.

Auch Youtube beheimatet gegenwärtig zahlreiche Kanäle von grossen Wirtschaftsunternehmen mit Produktvideos und Tutorials. Vor wenigen Jahren wäre es wahrscheinlich als grösste internationale Sammlung von Heimvideos noch treffend beschrieben worden. Dieses Portal bietet viele Möglichkeiten für die Unternehmenskommunikation und wird von seinen Nutzern sogar als Suchmaschine für jegliche Informationen verwendet. Es mag schon ironisch klingen, aber vermutlich ist Youtube auch der grösste Anbieter von Videos über erfolgreiches Videomarketing.

Mit seinem Shop-System beginnt Twitter einen aktiven Imagewechsel der Plattform und treibt die engere Verknüpfung von Content und Abverkauf voran. „Die Verkäufer gewinnen eine neue Methode, um die aufgebaute, direkte Beziehung zu den Followern in Verkaufserfolge umzumünzen“, schreibt Jain im Blog.

Das Bewerben von Produkten über Twitter an sich nichts wirklich Neues. In die mobilen Twitter-Accounts der Betatester (z. B. Ryan Adams) ist nun aber neben den Produktfotos ein „Kaufen“-Button integriert. Wer ihn anklickt, muss beim ersten Mal nur seine Kontodaten und die Lieferadresse hinterlegen, die Daten werden dann für die Zukunft verschlüsselt gespeichert.


Im Wandel befindliche soziale Plattformen (Bild: © Rawpixel - shutterstock.com)

Im Wandel befindliche soziale Plattformen (Bild: © Rawpixel – shutterstock.com)


Content und Verkauf werden enger verknüpft

Twitter reagiert vermutlich auf einen Trend: Personen kauften mit höherer Wahrscheinlichkeit dort, wo sie Follower einer Marke wurden. Mit der neu eingerichteten Kaufoption kann eine Marke dieses Kaufpotenzial ausnutzen, indem sie an ihre Anhänger Produktinformationen und -bilder verschickt. Ein simpler Weg zur Bestellung wird so gleich mitgeliefert. Und wer kaufen möchte, kann es auch ganz leicht tun.

Der auf die Weise etablierte Verkaufskanal erhält sein Alleinstellungsmerkmal durch Exklusivität: „Nutzer erhalten Angebote und ein Produktsortiment, das sie nirgendwo sonst bekommen und können gleich in der iOS und Android App damit interagieren“, so beschreibt Jain die Perspektive für die Follower.

Diese Bindung zwischen Content und Verkauf entspricht zwar dem Kern des Content-Marketings und kann wegen der erhöhten Kaufbereitschaft bei Followern auch als förderlicher Beitrag angesehen werden. Allerdings spielt im Content-Marketing ebenfalls der Nutzen für die Zielgruppe eine Rolle, denn sie müssen überhaupt erst zu Anhängern gemacht werden. Wer einen Content-Kanal so offensichtlich zu Verkaufszwecken nutzt, stellt seine eigenen Absichten eventuell zu deutlich zur Schau. Die Content-Kanäle sollen ja gerade frei von Verkaufsbotschaften gehalten werden, damit die Interessen der Zielgruppen ins Blickfeld rücken und durch gute Inhalte überzeugen. Denn – meist sind erst nach einer längeren vertrauensbildenden Phase die meisten Interessenten zum Kauf bereit, finden den Weg zur Website und zum Kaufabschluss weitestgehend von selbst. Was die Neukundengewinnung betrifft, könnte man sich damit auch den Ast absägen, auf dem man sitzt.

Vorausschau

Sicherlich ist nicht zu erwarten, dass durch diese Innovation der mobile Commerce für die teilnehmenden Firmen sofort außerordentlich gesteigert wird, auch wenn Twitter de facto eine enorme Reichweite aufweist. Sie ist nach wie vor eine soziale Plattform, dementsprechend werden die meisten Besucher bei der Nutzung auch eine soziale Absicht im Sinn haben. Das bedeutet, dass sie nicht unbedingt in Kauflaune geraten, die mit der nun neuen, einfachen Kaufoption gestillt werden müsste.

Tja, noch ist dem nicht so. Aber die Auswirkungen des angestossenen Imagewechsels der Plattform werden interessant sein. Wenn sich verankern lässt, dass eine unaufdringliche Kaufoption zu Twitter irgendwie dazugehört, und diese auch schleichend angenommen wird, kann das die Kaufgewohnheiten weitgehend und durchaus spürbar in die mobile Richtung verlagern.

Um Twitter als Programm für Content-Marketing in seiner ursprünglichen Form zu nutzen – zur Neukundengewinnung in einem langfristig angelegten vertrauensbildenden Prozess – sollte man aber mit Kaufaufforderungen sparsam umgehen.

 

Quellen: Twitter-Blog
Oberstes Bild: © lculig – shutterstock.com


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