Schneller lesen mit Spritz

26.11.2014 |  Von  |  Allgemein
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Schneller lesen mit Spritz
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Texte schneller lesen können? Ist es möglich den ersten Band von „Harry Potter“ in weniger als 80 Minuten zu lesen? Genau das wollen die Entwickler der Schnelllese-App Spritz erreichen. Mit dieser App können Texte jeglicher Art, vor allem im Internet, schneller gelesen werden als bisher. Wofür ist diese App besonders geeignet, welche Nachteile hat sie?

Was ist Spritz?



Die Idee hinter Spritz ist einfach. Beim Lesen verweilt das Auge jeweils eine Zeitlang auf den Buchstaben eines Wortes. Um dessen Sinn zu erfassen muss der Mensch jedoch nicht jeden Buchstaben einzeln lesen. Das Auge konzentriert sich meist auf nur einen zentral stehenden Buchstaben, den Rest des Wortes ergänzt das Gehirn allein. Etwa 60 Prozent der tatsächlichen Lesezeit geht verloren, wenn wir unsere Augen von einem Wort zum nächsten bewegen. Für das Erfassen des Wortinhaltes und das Textverständnis wird diese Zeit jedoch gar nicht immer benötigt.

Hierfür hat Spritz eine Lösung gefunden. Die App blendet Worte einfach übereinander ein. Nachdem ein Wort gezeigt wurde, wird das folgende an derselben Stelle eingeblendet. Das Tempo der Einblendung kann vom Nutzer selbst gesteuert werden. Die niedrigste Einstellung mit 100 Wörtern je Minute entspricht etwa der Hälfte der gewöhnlichen Lesegeschwindigkeit. Geübte Leser könnten bis zu 1000 Wörter je Minute mit dieser Anwendung lesen. Unter www.spritzinc.com gibt es weitere Informationen zu dieser App. Dort kann man sie auch in deutscher Sprache testen.

Funktioniert schnelleres Lesen mit Spritz?

Die ersten Erfahrungen bestätigen, dass sich mit Spritz das Lesetempo erhöht. Die Anzahl der Wörter, die die Augen erfassen und die das Gehirn verarbeiten kann hat sich signifikant erhöht. Auch Wirtschaftsunternehmen haben das erkannt und wollen die App auf neuen Smartphones und Tablets vorinstalliert auf den Markt bringen. Einige Fragen sind noch offen, denn die Lesegeschwindigkeit allein bringt nicht immer höheren Nutzerkomfort. Die Zukunft der App ist noch offen.



Der Physiker Ralf Engbert von der Universität Potsdam anerkennt das Potenzial der Anwendung und macht andererseits darauf aufmerksam, dass eine Geschwindigkeitssteigerung beim Lesen auch das Leseverständnis entsprechend verringert. Die Wörter würden zwar wie beim normalen Lesen auch vom Gehirn erkannt, durch die fehlende Möglichkeit Textpassagen rückblickend noch einmal zu erfassen, leidet die Klarheit bei der Verarbeitung der Informationen. Bei jedem Lesevorgang komplexer Texte, sei es fiktionale oder Fachliteratur, macht sich der Lesende auch weitere Gedanken zum Text. Dieses Element geht beim Lesen mit Spritz verloren, wenn der Nutzer einer Flut an Wörtern ausgesetzt ist.

„Harry Potter“ könnte durchaus in reichlich einer Stunde gelesen werden, das Verständnis beim Leser würde aber stark leiden.

Spritz soll helfen, die Lesegeschwindigkeit zu erhöhen, doch für die Literatur wird diese App für nicht geeignet gehalten. (Bild: Dudarev Mikhail / Shutterstock.com)

Spritz soll helfen, die Lesegeschwindigkeit zu erhöhen, doch für die Literatur wird diese App für nicht geeignet gehalten. (Bild: Dudarev Mikhail / Shutterstock.com)

Nicht geeignet für Literatur?

Der Wissenschaftler hält diese App für das Lesen ernsthafter Literatur nicht geeignet. Der literarische Wert vieler Werke und das eigentliche Lesevergnügen würden verloren gehen. Als Faustregel gilt, dass mit Zunahme der Lesegeschwindigkeit gleichzeitig das Verständnis abnimmt. Auch Spritz kann nicht zaubern, für Romane, Fachliteratur oder Biografien ist das Programm wahrscheinlich nicht geeignet.

Der eigentliche Wert der App zeigt sich an anderer Stelle. Für die Übermittlung kurzer Nachrichten im Internet und auf Smartphones entfaltet die Technik ihr eigentliches Potenzial. Die kurzen Mitteilungen mit WhatsApp oder eine maximal 140 Zeichen umfassende SMS sind für diese App besonders geeignet. Hierbei geht es um die möglichst schnelle Übermittlung eines Textes, ein tieferes Verständnis wird gar nicht angestrebt. Die kurzen kompakten Nachrichten für zumeist auch kleine Displays können gut in das Spritzformat umgewandelt und widergegeben werden. So erkennt auch Engbert den eigentlichen Einsatz von Spritz in der Nische für Kurznachrichten, E-Mails und ähnliche Dienste, die durch das Internetzeitalter hervorgebracht wurden.



Die Bequemlichkeit siegt



Experten sehen auch im menschlichen Verhalten ein Hemmnis für die App. Überall auf der Welt werden Texte in vielen Sprachen in Blöcken dargestellt. Jederzeit ist es möglich von einer beliebigen Textpassage zur nächsten zu wechseln. Diese über mehrere Tausend Jahre erfolgreiche Angewohnheit beim Lesen wird durch die neue Möglichkeit des schnelleren Lesens nicht einfach abgelöst. Eine Vorinstallation auf Handys allein überzeugt nicht, der Bedarf ist zu gering. Der Mensch selbst gilt als grösstes Hindernis, ehe sich eine solche App auch bei der breiten Masse durchsetzen kann.

Allein die schnellere Lesegeschwindigkeit reicht nicht aus, solange kein zwingender Bedarf besteht. Testkandidaten, die bereits Erfahrungen mit Spritz gesammelt haben, sind der Meinung, dass gar nicht jeder schneller lesen können will. In unserer schnelllebigen Zeit ist eher Zeit zum Lesen zu haben ein Bedürfnis.

Lesen ist häufig eine besondere Form der Entspannung, insbesondere das Lesen von Romanen. In der nahen Zukunft wird Spritz seinen Platz wohl eher im Internet und auf Smartphones einnehmen.



 

Oberstes Bild: © Eugenio Marongiu – Shutterstock.com

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