Die Fachhochschule mit Doktortitel abschliessen?

19.11.2014 |  Von  |  Allgemein
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Die Fachhochschule mit Doktortitel abschliessen?
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Fachhochschulabgänger werden in Unternehmen der Industrie häufig denen von Universitäten bei Bewerbungsverfahren vorgezogen. Ihnen ist bewusst, dass Fachhochschulen in der Regel besser in der Lage sind ein Gleichgewicht in der Vermittlung von praktischem und theoretischem Wissen zu erstellen.

Geht es um die Möglichkeit zu Promovieren sind Studierenden von Fachhochschulen allerdings umso benachteiligter. Eine Promotion an einer Fachhochschule ist nämlich gar nicht möglich. Mittelfristig kann sich dieser Umstand aber eventuell ändern.

Ein solcher Vorschlag machte zuletzt auf einer Fachhochschulkonferenz die Runde. Auch für das Bildungssystem insgesamt wäre das ein grosser Vorteil. Ein grosser Teil der Dozenten an FHs wird derzeit nämlich im Ausland rekrutiert, weil der Doktortitel Voraussetzung für die Erlangung eines Lehramtes ist. Viele FH-Absolventen, die das nötige Fachwissen besitzen, erfüllen diese Voraussetzung allerdings nicht. Gleichzeitig „akademisieren“ die Dozenten, die von Universitäten zu den Fachhochschulen kommen eben diese, wo doch gerade der starke Praxisbezug als Alleinstellungsmerkmal gelten sollte.

Thomas D. Meier, der Präsident der Fachhochschulkonferenz, schlägt daher zwei Wege aus der Praxis vor, durch die der Doktortitel an einer FH erlangt werden könnte. Eine Kooperationsplattform mit Universitäten könnte entwickelt werden, um einen entsprechenden Zugang zu den Universitäten zu ermöglichen. Gerade arbeiten die Pädagogische Hochschule und die Uni Basel in der Fachdidaktik an einem solchen Pilotprojekt. 2015 soll diese mit einem neuen Institut für Bildungswissenschaften arbeitsfähig sein. Dieses Institut kann dann Promovenden beschäftigen, die ihren Doktor aber an der Universität machen.

Ausserdem können massgeschneiderte Promotionsmodelle für die besonders praxisbezogenen FH-Fächer entwickelt werden, die gar nicht im Curriculum der Universitäten geführt werden. Christian Wasserfallen, der Präsident des Dachverbandes der Fachhochschulabsolventen FH Schweiz unterstützt vor allem letzteren Vorschlag. Er fordert ein eigenes Promotionsrecht für Fachhochschulen, damit diese an die inhaltlichen Schwerpunkte angepasste Promotionsmodelle entwickeln können.

Die Befürworter dieser Modelle sehen sich allerdings der Frage gegenüber inwieweit promovierte Fachhochschulabgänger interessant für die Schweizer Wirtschaft sind. Schliesslich würde nicht jeder Promovend als Dozent an der Universität bleiben können oder wollen. Zurzeit besteht grosse Nachfrage eindeutig nach Fachhochschulabsolventen mit Bachelor-Abschluss und dabei sollte es auch – was den deutlich grössten Studententeil angeht – zukünftig bleiben. Einen eindeutigen Vorteil scheinen nicht einmal Masterstudenten zu geniessen. Für viele, die sich bewusst für ein weiteres Lehrjahr entschieden haben, ohne auf den Titel Wert zu legen, ist das oft eine grosse Enttäuschung.

Die Promovenden würden allerdings an anderer Stelle ins Unternehmensmanagement einsteigen, als dies Neuanfänger gegenwärtig tun. Diese Frage könnte daher auch zu theoretischer Natur sein. Mit Sicherheit würde aber eine Übergangszeit in der Orientierungsphase entstehen, bis sich der Arbeitsmarkt an die neuen Doktoranden gewöhnt hätte. Das neue Hochschulförderungs- und –koordinierungsgesetz (HFKG) tritt im nächsten Jahr in Kraft und dann wird sich die Frage nach der Zukunft der Abschlüsse an Fachhochschulen auch in der Praxis stellen.

 

Oberstes Bild: © Matej Kastelic – shutterstock.com

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