Auto-Shopping in der Fussgängerzone: Ist das klassische Autohaus am Ende?

13.11.2014 |  Von  |  Produkte
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Auto-Shopping in der Fussgängerzone: Ist das klassische Autohaus am Ende?
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Gehören die klassischen Showrooms in der Autobranche bald der Vergangenheit an? Gibt es das gewohnte Autohaus im Industriegebiet oder am Stadtrand in absehbarer Zukunft gar nicht mehr? Tatsache ist, die Autoanbieter gehen beim Verkauf neue Wege, um ganz gezielt jüngere Kundschaft anzusprechen.

Dabei werden auch alte Zöpfe abgeschnitten. Mercedes-Benz fährt diesbezüglich in der Pole Position – und hat in Hamburg ein Pilotprojekt namens“Mercedes me“ eröffnet – eine Begegnungsstätte rund um die Marke mit dem Charakter eines Cafés.

Schon in der Vergangenheit hat Mercedes-Benz es immer geschafft, Trends zu setzen. Da verwundert es nicht, dass man diesen Weg jetzt auch bei neuen Vertriebswegen geht. Weg mit den Showrooms, heisst die Devise, weg vom Stadtrand oder den Industriegebieten, rein stattdessen in die Shoppingmeilen der Fussgängerzonen. Zuerst sollen sich die Menschen ans Schuh-Shopping machen, dann Spielzeug für die Kleinen besorgen und am Ende der Shoppingrunde kauft man sich eine A-Klasse. Warum denn nicht?

Daimlers Philosophie ist so simpel wie einleuchtend: Wer Wahlen gewinnen will, muss nicht nur seine Stammwähler an die Urnen bringen, sondern auch neue Wähler motivieren. Darum setzt das neue Vertriebskonzept mit virtuellen Autosalons auf den Online-Markt, entstehen temporär Läden entstehen und Filialen, die als Vorzeigeobjekte gelten – dazu Absatzstellen in den Fussgängerbereichen der Innenstädte.

Autovertrieb im Wandel der Zeit

Schenkt man den Autoexperten der Universitäten Glauben, befindet sich die Absatzwirtschaft der Automobilindustrie gegenwärtig im Wandel. Dazu gehört, dass das traditionelle und klassische Autohaus am Stadtrand bald ausgedient hat. Daimler prescht vor und kündigt an, die Profitabilität zu steigern. Niederlassungen werden zusammengelegt, freie Händler in Betracht gezogen. Da die Niederlassungen eigentlich nur noch der Imagepflege dienen und nicht mehr kosteneffizient arbeiten, stehen sie auf der Abschussliste der Konzerne.

Mercedes-Benz geht aber noch darüber hinaus und testet neue Konzepte. So wurde im Juni 2014 der erste „Mercedes me“-Laden in Hamburg am Ballindamm eröffnet. Die Idee dahinter ist, dass der Kunde nicht mehr suchen muss, um die Marke Mercedes zu finden. Ansprechen will man stattdessen all diejenigen, die am Samstag eigentlich in der Stadt verweilen, um dort ihre Einkäufe zu tätigen.

Eine S-Klasse und einen Latte bitte!

Das „Mercedes me“ dient als Begegnungszentrum für die Marke Mercedes; zugleich steht ganz deutlich der Charakter des Cafés im Mittelpunkt. Geniessen und sich über Benz informieren – bei Kaffee, Kuchen oder einem Erfrischungsgetränk. Ganz gezielt will man die Leute erreichen, die gerade nicht in die Peripherie fahren wollen, um sich ein Auto anzuschauen. Dafür will Daimler die Zahl seiner Läden in den Innenstädten verdoppeln.  Um das Konzept konsequent umzusetzen, sind drei „Mercedes me“ in Deutschland bereits geplant, rund 40 sollen es weltweit werden.


Autovertrieb im Wandel der Zeit (Bild: © Maxim - shutterstock.com)

Autovertrieb im Wandel der Zeit (Bild: © Maxim – shutterstock.com)


In Hamburg werden auf 600 Quadratmetern Gastronomie und Fahrzeugpräsentation kombiniert. Infotainment, auch auf der digitalen Schiene, sowie fachkundige Beratung sind im „Mercedes me“ im Angebot. Zudem sind neuartige „Pop-up-Stores“ in Planung, die temporär dort entstehen sollen, wo akuter Bedarf akut besteht. Auch die Angebotspalette der Online-Shops möchte die Luxusmarke erheblich erweitern, um neue Vertriebswege zu etablieren.

Bahnhofscharme war gestern

Der Kauf eines Neuwagens ist in der Regel mit einer erheblichen Investition verbunden. Die Erfahrung lehrt jedoch: In einem angenehmen Ambiente sitzt den Menschen das Geld weit lockerer als in einer Bahnhofsvorhalle, mit der man heutige Autohäuser zuweilen vergleichen kann. Abseits am Stadtrand oder im Gewerbegebiet gelegen, Funktionalität im Vordergrund, vom Licht durchflutet als Glaspalast und lange Wartezeit, bevor man überhaupt bemerkt wird. Im „Mercedes me“ hingegen findet sich keine Armada an Autos, sondern eine C-Klasse. Rechts und links des Shops sind die Edelmarken vertreten: Tür an Tür mit Haute Couture, die Luxusküche nebenan, teuerste Ledertaschen an der Ecke. Die Umgebung verführt zum Geldausgeben.

Die Gastronomie setzt auf den Trend und serviert auch vegetarische Gerichte. Der Berater heisst hier nicht schlicht Autoverkäufer, sondern Product Concierge, und den Besuchern steht ein Tablet zur Verfügung, mit dem sie sich bei einem Latte ihren Wunschwagen konfigurieren können. Geht es noch angenehmer? Die Sitzgarnituren sind stilecht mit just den Materialien und in den Farben bezogen, die auch in der Spektrum von Mercedes-Benz zu beziehen sind. Probesitzen nicht erst im Auto, sondern schon im Café.

Kundennähe wörtlich genommen

Grundgedanke hinter dem Konzept der Innenstädte ist, dass Daimler seinen Kunden näher kommen will. Der Besuch beim Autohändler soll nicht mehr lange im Voraus geplant werden müssen, stattdessen wird das Zufallsprinzip am Shopping-Samstag oder in der Mittagspause angepeilt. Dabei wird der neue Vertriebsweg erst einmal ergänzend gefahren, damit der Kunde sich später in einem Showroom mit der Maximalausstattung hinsichtlich der Produktpalette von Daimler endgültig entscheiden kann. Und doch hat man schon heute im Hinterkopf, die teuren Showrooms ganz zu ersetzen.

Deshalb stehen ganz in der Nähe des „Mercedes me“ in einem Parkhaus fünf Vorführwagen geparkt, die den letzten Kick beim Kaufinteressenten geben können und sollen. In Zusammenarbeit mit dem Schwesterunternehmen Car2go wären noch weit mehr Fahrzeuge denkbar, um sie dem geneigten Kunden zur Probefahrt anzubieten. Wenn die Kundschaft dieses Konzept annimmt, könnte es das Ende der klassischen Autohäuser bedeuten.

 

Oberstes Bild: © Goodluz – shutterstock.com

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