Ölboom in den USA schwächt deren weltpolitische Gegner

22.10.2014 |  Von  |  News
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Ölboom in den USA schwächt deren weltpolitische Gegner
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Seit dem Sommer 2014 ist der Ölpreis an den internationalen Märkten um fast 25 Prozent gefallen. Auslöser und gleichzeitig Nutzniesser dieser Entwicklung sind die Vereinigten Staaten. Nicht nur, dass die Importe für sie deutlich billiger werden – ihre politischen Gegner wie Russland, Iran und Venezuela geraten mehr und mehr unter Druck, weil sie wichtige Einnahmen abschreiben müssen.

Besonders stark betroffen sind Russland und seine Wirtschaft von den schrumpfenden Einkünften. Denn der Staat fährt etwa 40 Prozent seiner Erlöse mit Erdölexporten ein. Für das Jahr 2014 rechnete Moskau mit einem Durchschnittspreis von 104 Dollar pro Fass, Ende Oktober lag dieser aber bei weniger als 84 Dollar. Für Russland ist das nicht nur ein Ausfall in Milliardenhöhe, es erhöht auch massiv den Druck auf die Verantwortlichen, aus der starken Abhängigkeit von Öl-Ausfuhren herauszukommen. Es gibt Stimmen unter russischen Ökonomen, die behaupten, dass es einen Machtwechsel geben könnte, wenn der Ölpreis auf 75 Dollar pro Fass fällt und dort ein paar Jahre verharrt. In den westlichen Industrienationen hegt man die Hoffnung, dass der wirtschaftliche Druck Russland dazu bringt, sich in der Ukraine-Krise zu bewegen.

Im Iran sieht es ähnlich aus. Ebenso wie Russland ist es den Sanktionen des Westens ausgesetzt. In den Atomverhandlungen mit den USA muss das Land derzeit ziemlich kleine Brötchen backen und auf Öl als Druckmittel verzichten. Drohungen hat man jedenfalls aus Teheran schon lange nicht mehr gehört. Auch die Rolle Saudi-Arabiens, dem weltweit grössten Exporteur, als Zünglein an der Waage hat zur Zeit ausgedient. Das Land ist aber reich genug, um den Preisverfall aufzufangen.

Seitdem die Vereinigten Staaten ihre eigene Förderung von Öl und Gas mit dem nicht unumstrittenen Fracking vorantreiben, werden sie immer unabhängiger von Importen. 2010 wurde noch fast die Hälfte des verbrauchten Öls eingeführt, in 2015 werden es gerade mal 20 Prozent sein. Das weckt Begehrlichkeiten in der EU und anderen Industrieländern. Sie hoffen, dass die USA ihr Exportverbot lockern. Das könnte die starke Abhängigkeit vor allem der europäischen G7-Staaten von Russland verringern.

 

Oberstes Bild: © num_skyman – Shutterstock.com

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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