Der richtige Ansatz zur Schwarmintelligenz

24.09.2014 |  Von  |  Wissenschaft
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Der richtige Ansatz zur Schwarmintelligenz
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Der Begriff der Schwarmintelligenz wird zumindest im modernen Management fast schon inflationär genutzt und gehört dort mittlerweile zum Mainstream. Dabei führt die nicht korrekte Einordnung des Wissens von Massen nicht selten zu wahren Verwirrungen. Schwarmintelligenz setzt nämlich zuerst eine grosse Menge einzelner Individuen, also einen Schwarm, voraus, in der jeder Einzelne sich mit einem Problem befasst und dann gemeinsame Lösungsansätze entwickelt werden.

Allein das Vorhandensein unterschiedlicher Auffassungen stellt noch lange keine Schwarmintelligenz dar, weil wir hier eben vor allem von Intelligenz reden. Dementsprechend können auch tausende Likes auf Facebook zu einem Posting noch lange nicht als Schwarmintelligenz bezeichnet werden.



Die stochastische Mitte erklärt Schwarmintelligenz

Werden Schätzungen zur Beschreibung der Schwarmintelligenz herangezogen, dann wird relativ schnell klar, worum es wirklich geht. Je mehr Teilnehmer eine Sache schätzen, desto näher wird sich das Ergebnis dieser Schätzung der Realität annähern. Dabei gibt es sowohl nach oben als auch nach unten deutliche Abweichungen. Je kleiner also ein Schwarm ist, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit des Nichtzutreffens von Einschätzungen. Im Gegenzug erlaubt ein grosser Schwarm ein annähernd korrektes Ergebnis der gemeinsamen Problemeinschätzung.

Das bedeutet für Unternehmen, dass nur eine relativ grosse Masse an Individuen innerhalb eines Schwarms ein Abbild zur vermeintlichen Haltung zum Problem liefern kann. Darüber hinaus muss dieser Schwarm auch annähernd homogen zusammengesetzt sein und sich wirklich mit dem anstehenden Problem befassen, unterschiedliche Auffassungen zusammenführen und letztlich einem gemeinsamen Ergebnis zuführen. Demnach ist eine Ansammlung von Individuen mit völlig unterschiedlichen Interessen längst noch kein Schwarm, weil hier möglicherweise nicht einmal ein gemeinsames Ziel ausfindig zu machen ist.

Rekrutieren Sie Ihren eigenen Schwarm

Wer blind in eine vermeintliche Schwarmintelligenz vertraut, gerät nicht selten an einen Schwarm der Konkurrenz. Dann werden die Ergebnisse wirklich umwerfend negativ belastet sein. Besser ist es, sich einen eigenen Schwarm zu rekrutieren. Das kann je nach Problemstellung der Schwarm der Mitarbeiter, der Kunden oder einfach nur der interessierten Öffentlichkeit sein. Haben Sie einmal einen solchen Schwarm rekrutiert, muss sich dieser auch mit einer konkreten Problemstellung befassen. Erst dann kann die Intelligenz einer Masse auch wirksam auf ein Ziel fokussiert werden, beispielsweise auf die Verbesserung eines Produktes oder auf eine erfolgreiche Marketingstrategie.

Zur Ermittlung der Schwarmintelligenz bedienen Sie sich hier wieder der stochastischen Möglichkeiten und ermitteln die breite Mitte der Auffassungen zu einem klar umrissenen Thema. Die Ausreisser nach oben und nach unten können Sie hier getrost vernachlässigen. Geeignete Methoden zur Nutzung der Schwarmintelligenz können beispielsweise Umfragen oder Creative Labs sein. Im Übrigen könnte auch eine Aktionärsversammlung so etwas wie eine Schwarmintelligenz abbilden, wenn hier auf die breite Masse der Anleger gehört werden würde und nicht die vorgefasste Strategie des Vorstandes von vornherein die Produkt- und Unternehmenspolitik dominieren würde. Hier führt sich Schwarmintelligenz nämlich ad absurdum.

Vielleicht sollte auch der Staat öfter einmal vor die Schwarmintelligenz des Volkes treten …



 

Oberstes Bild: © Trueffelpix – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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