Mehr als Schall und Rauch – inwiefern Namen die Karriere beeinflussen können

18.09.2014 |  Von  |  Allgemein
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Mehr als Schall und Rauch – inwiefern Namen die Karriere beeinflussen können
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Seiner Definition nach ist ein Name die „individuelle Bezeichnung für eine Sache, einen Gegenstand oder eine Person“. Allein das reizt schon zum Widerspruch, denn individuell im Sinne von „einzigartig“ oder „den Charakter beschreibend“ sind heute übliche Namen nur noch in sehr seltenen Fällen.

Aber es kommt noch besser: Laut einer erst jüngst erneuerten Umfrage von Onomastikern (Namensforschern) können Namen Sympathie oder Ablehnung hervorrufen – und sogar die Karriere beeinflussen. Wie das?



Zugegeben: Es gibt Namen, die einfach keinen Spielraum für positive Assoziationen lassen. Sei es, weil sie durch ein gesellschaftliches Ereignis geprägt sind oder weil sie unangenehme persönliche Erinnerungen wecken. Im Extremfall führt eine solche Ablehnung sogar dazu, dass ein Name „ausstirbt“ – also einfach nicht mehr verwendet oder vergeben wird. Ein relativ aktuelles Beispiel ist der im kollektiven Gedächtnis extrem negativ behaftete männliche Vorname Adolf, der seit Mitte des 20. Jahrhunderts einen zum Verschwinden neigenden Rückgang verzeichnet.

Doch sind Namen nicht eigentlich „Schall und Rauch“ – unfassbare und schnell flüchtige Dinge ohne nähere Bedeutung? Nein! Oder vielmehr nein, nein – denn diese Behauptung trifft weder unter literaturwissenschaftlichem noch unter onomatologischem (namenswissenschaftlichem) Aspekt zu. Sie ist also in doppelter Hinsicht falsch. Inwiefern, sollen Ihnen die folgenden Abschnitte erläutern.

Die mittlerweile geflügelten Worte entstammen dem ersten Teil von Goethes weltbekannter Tragödie „Faust“: Mit der Aussage „Name ist Schall und Rauch“ (Vers 3455) entwindet sich der Titelheld einer eindeutigen Stellungnahme zur ebenfalls berühmt gewordenen „Gretchenfrage“. Doch der Spruch ist im Laufe vieler Jahre aus dem Zusammenhang gerissen und seines Kontextes beraubt worden. Im nachfolgenden Verlauf des Geschehens wird nämlich deutlich, dass Faust damit indirekt ein Unglück heraufbeschwört und die korrekte Bezeichnung einer Sache – anders als von ihm behauptet – sehr wohl eine Rolle spielt.

Dieser Tatsache waren sich auch unsere Vorfahren schon bewusst – womit wir zum onomatologischen Aspekt der (Falsch-)Aussage kommen: Die Namen, welche Eltern ihren Kindern gaben, unterlagen immer wieder gesellschaftlich geprägten Veränderungen. Während es zunächst darum ging, dem Nachwuchs wünschenswerte Eigenschaften mit auf den Lebensweg zu geben, versuchten andere Generationen, den wahrscheinlichen Charakter im Namen einzufangen. Nicht immer aber entwickelte Kuno sich wirklich zum „Kühnen“, und Sanfthilde konnte durchaus auch zänkisch sein.



Um derlei Unstimmigkeiten zwischen der eigenen Vorstellung, dem späteren Auftreten und der gewählten Bezeichnung in Zukunft zu vermeiden, orientierten sich Eltern zunehmend an Heiligen und bereits existierenden Familienmitgliedern bzw. deren Beruf oder Status. Von dieser Handhabe zeugen Namen wie Nikolaus oder Veit – welche kaum noch eine Assoziation zum Charakter oder den Eigenschaften ihres Trägers zuliessen.





Modische Namen treten auf und die Einflüsse aus fremden Ländern, die den Klang eines Namens über seine ursprüngliche Bedeutung stellen, komme hinzu. (Bild: Creativa Images / Shutterstock.com)

Modische Namen treten auf und die Einflüsse aus fremden Ländern, die den Klang eines Namens über seine ursprüngliche Bedeutung stellen, komme hinzu. (Bild: Creativa Images / Shutterstock.com)




Damit ging das eigentliche Anliegen von Namen mehr und mehr verloren. An seine Stelle traten modische Bezeichnungen wie Gustav, Richard oder Wilhelm, zu denen Eltern sich häufig vom gerade amtierenden Herrscher inspirieren liessen. Hinzu kamen Einflüsse aus fremden Ländern, die den Klang oder die Exotik eines Namens über seine ursprüngliche Bedeutung stellten.

Und genau jene Punkte benennen Onomastiker als Grund dafür, dass Namen den Lebensweg beeinflussen oder eine Karriere verhindern können. Ihre Untersuchungen haben ergeben, dass die Bezeichnung, die Eltern für ihre Kinder wählen, darüber bestimmt, wie viel Sympathie oder Ablehnung diesen entgegengebracht wird. Dabei spielen neben persönlichen Belangen auch gesellschaftliche Phänomene eine Rolle.

So weckt die Kurzform eines Namens unwillkürlich den Eindruck von Kindlichkeit und allen damit verbundenen Eigenschaften. Ein Max oder eine Hanna wirken demnach naiver und sprunghafter, dafür aber deutlich aufgeweckter und zukunftsorientierter als ein Maximilian oder eine Johanna.

Auch aus anderen Sprachen entlehnte Namen – und vor allem deren vorher zu oft gehörte falsche Aussprache sowie die unglückliche Kombination mit „durchschnittlichen“ Familiennamen – stossen häufig auf innere Ablehnung. Jacqueline, Chantal oder Jérôme Schmitz werden nach Angabe der Onomastiker automatisch als wenig intelligent, vertrauenserweckend und zuverlässig eingestuft.

Gleiches gilt für Namen, die keine eindeutige Zuordnung des Geschlechts erlauben. Neutrale Bezeichnungen wie Kim, Toni und Gerrit, aber auch der nicht hörbare Unterschied zwischen Dominik und Dominique oder René und Renée sorgen für Unsicherheit – selbst dann noch, wenn die Träger als männlich oder weiblich erkennbar sind.

Ganz andere Probleme haben Personen, die auf Namen wie Mercedes, Bernadette oder Berendgar hören (müssen). An deren elitären Klang werden überdurchschnittlich häufig (zu) hohe Erwartungen geknüpft – erst recht, wenn ihnen ein „von“, „van“ oder „de“ nachgestellt ist.

All diese Erkenntnisse ändern natürlich nichts an dem Namen, den Sie bereits tragen. Sie zeigen Ihnen aber auf, womit Sie im Falle einer Bewerbung rechnen müssen – und welcher Assoziation Sie gezielt entgegenwirken können. Onomastiker haben nämlich auch herausgefunden, dass sich die aufgrund der Bezeichnung vorgenommene Einschätzung einer Person durch positive Erfahrungen revidieren lässt – und der vorverurteilte Name danach plötzlich eine ganz andere Wirkung entfalten kann.




 

Oberstes Bild: © YURALAITS ALBERT – Shutterstock.com

Über Christiane Dietering

Christiane Dietering hat eine handwerkliche, zwei kaufmännische und eine Autoren-Ausbildung absolviert. Sie arbeitet als freie Texterin, Rezensentin und Journalistin in den Themenbereichen Kunst und Kultur. Ihre Hauptauftraggeber sind Veranstalter von Musikaufführungen, Lesebühnen und Erotik-Events.


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