Ethik vs. Erfolg

29.08.2014 |  Von  |  Allgemein
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Ethik vs. Erfolg
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Es ist ein ungleicher Kampf. Ethische Grundsätze kollidieren mit dem Druck zu immer mehr Unternehmenserfolg und umgekehrt. Dabei scheinen das gesellschaftliche Wertesystem sowie die Berufs- und Unternehmensethik zunehmend mehr hinter die wirtschaftlichen Interessen zurücktreten zu müssen.

Hier entwickelt sich unter ungünstigen Umständen eine neue Quadratur des Kreises, die ethische Grundsätze hinter den Erfolg zurücktreten lässt. In der Folge schwindet das Vertrauen weiterer Bevölkerungsschichten in die Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit der Wirtschaft, Fairness erscheint nur noch als Schlagwort und das gesellschaftliche Wertesystem gerät in Gefahr. Wie Ethik und Erfolg widerstreitende Interessen bedienen, beschreibt dieser Beitrag.



Ethik – die Bedeutung gesellschaftlicher Werte

Ein gesellschaftliches Wertesystem fassen wir unter dem Begriff der Ethik zusammen. Hier werden unterschiedliche Werteauffassungen und Einzelregelungen gebündelt als Ethik abgebildet. Fairness im Umgang miteinander, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit sind solche Grundregeln und Werte unserer Gesellschaft. Pluralismus, Geschlechtergleichheit und andere Gleichbehandlungsgrundsätze oder Diskriminierungsverbote ergänzen den Wertekatalog. Auf der Grundlage dieser ethischen Werte gestaltet sich das Zusammenleben in der Gesellschaft. Die wirtschaftliche Betätigung schliesst ein solches Wertesystem nicht aus, sondern geradezu ein. Dabei ist jedoch zu beobachten, dass besonders im Rahmen der Gewinnoptimierung oftmals ethische Grundsätze über Bord geworfen werden.

Verstösse allenthalben

Quasi in jedem Bereich lassen sich Verstösse gegen ethische Grundregeln beobachten. Gescheiterte Vorstände kassieren Millionen Abfindungen, Frauen verdienen noch immer weniger als Männer, mit Kundengeldern wird riskant spekuliert, Rohstoffe werden ohne Rücksicht auf die Umwelt abgebaut und die Produktion wird gewinnoptimiert in Billiglohnländer ausgelagert. Alles das sind Verstösse gegen unsere ethischen Grundwerte. Allerdings müssen solche Verstösse nicht immer auf der ganz hohen Ebene der Wirtschaft angesiedelt sein. Selbst im kleinen Rahmen beobachten wir täglich Ethikverstösse mit mehr oder minder markanten Auswirkungen.



Nutzung der Arbeitszeit für private Zwecke, kleinere Veruntreuungen, Diebstahl von Betriebseigentum, Korruption im kleinen Rahmen, Verstösse gegen die Arbeitszeit- und Urlaubsregelungen und viele andere kleinere Verstösse prägen den Alltag in den Betrieben und Organisationen. Auf diese Weise untergräbt die Orientierung auf wirtschaftlichen Erfolg immer wieder unser Wertesystem und macht sogar einzelne Berufsbilder unattraktiv. So geht mittlerweile ein Grossteil der Schweizer Jugendlichen laut einer Studie lieber zum Zahnarzt, als zum Banker. Es entsteht in vielen Bereichen ein Vertrauensverlust, der auf unethisches Handeln in einzelnen Branchen, aber auch in der Wirtschaft allgemein, zurückzuführen ist.

Ethik oder Kommerz, Kommerz oder Ethik?

Es scheint hier ein Wahlverhalten zu entstehen, in dessen Rahmen die Manager eine Entscheidung treffen zwischen Ethik gegen Kommerz oder Kommerz gegen Ethik. Auch wenn das zunächst unlogisch erscheint, so entspricht es doch den tatsächlichen Gegebenheiten in Wirtschaft und Gesellschaft. Zugunsten der Gewinnoptimierung in der wirtschaftlichen Auseinandersetzung wird gern so mancher ethische Grundsatz bedenkenlos über Bord geworfen. Auch der einfache Arbeitnehmer macht hier mit. Lieber einen vergleichsweise schlechter bezahlten Arbeitsplatz, sagt sich so mancher Bewerber mit ausländischen Wurzeln, als gar keinen.





Auf diese Weise werden Lohngefüge untergraben, Qualifizierung und Erfahrung geraten ins Hintertreffen. (Bild: Kurhan / Shutterstock.com)

Auf diese Weise werden Lohngefüge untergraben, Qualifizierung und Erfahrung geraten ins Hintertreffen. (Bild: Kurhan / Shutterstock.com)

Auf diese Weise werden Lohngefüge untergraben, Qualifizierung und Erfahrung geraten ins Hintertreffen und in der Betrachtung von Aufwand und Gewinn siegt zunehmend der Gewinn, gern auch entgegen grundlegender ethischer Regeln wie beispielsweise der Lohngerechtigkeit. Die Frage der Gewichtung zwischen Ethik und wirtschaftlichem Erfolg bleibt spannend. Ein ausgewogenes Verhältnis oder gar die grundsätzliche Einhaltung ethischer Regeln scheint dabei zunehmend unwahrscheinlicher zu werden. So schreiben zwar viele Unternehmen ethische Regeln in ihr eigenes Leitbild, zeigen aber kaum wahrhaftige Bemühungen, diese Grundregeln auch einhalten zu wollen.



Warum beispielsweise sollte ein kleiner Angestellter bei wirtschaftlichem Fehlverhalten ohne Abfindung und eher strafbewehrt das Unternehmen verlassen, während sich ohnehin schon hochdotierte Unternehmensvorstände ihre Fehlentscheidungen mit Abfindungen in Millionenhöhe vergolden lassen? Eine Frage, die sich immer wieder stellt, aber eigentlich nur die Spitze des Eisberges darstellt. An Führungskräfte und Entscheider werden grossartige Erfolgsboni ausgelobt, der Erfolg an sich wird aber in der untersten Hierarchie erarbeitet. Dort bleibt von den überzogenen Boni nichts hängen und ein oftmals fragliches Lohnmodell sorgt für noch mehr Unzufriedenheit, wenn nicht gar Ungerechtigkeit.

Für jeden ethischen Ausrutscher gibt es natürlich Begründungen. Die fallen teils glaubwürdig, teils völlig unverständlich aus. Fakt bleibt: Wirtschaftlicher Erfolg wird heutzutage zunehmend gegen ethische Grundsätze und gegen das gesellschaftliche Werte- und Normensystem generiert. Daran ändern auch Entschuldigungen oder Begründungen nichts.

Wenn die Wirtschaft gegen ethische Grundregeln und gesellschaftliche Werte verstösst, wird das mit der Begründung der Konkurrenzfähigkeit gern hingenommen. Sobald sich aber die Ethik gegen den Kommerz stellt, fällt das Urteil ungleich anders aus. Dann wird vermittelt, dass ethische Grundsätze den wirtschaftlichen Interessen der Nation nicht entgegenstehen dürften. Dabei geht es selten um die wirtschaftlichen Interessen der Nation, sondern vielmehr um die wirtschaftlichen Interessen einzelner Unternehmen oder Unternehmensverbände.

Hier eine ausgewogene Gewichtung herzustellen scheint unter Betrachtung der aktuellen weltwirtschaftlichen Entwicklungen eher unmöglich zu werden. Wenn wir unsere ethischen Werte nicht dem Kommerz opfern wollen, wird es allerdings höchste Zeit zum Umdenken. Und hier sind die Grossen in der Wirtschaft genauso gefragt, wie die Entscheider in den unteren Ebenen der Hierarchie. Auch wenn dies so manche kometenhafte Karriere vielleicht ins Stocken bringen könnte.



 

Oberstes Bild: © wk1003mike – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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