Herrlich wahnsinnig – Psychopathen im Nadelstreif

25.08.2014 |  Von  |  Allgemein
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Herrlich wahnsinnig – Psychopathen im Nadelstreif
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Was im Titel noch recht harmlos klingt, kann in der betrieblichen Realität tiefgreifende Folgen haben. Unterschiedliche Forschungen und Studien gehen davon aus, dass etwa jeder zehnte Manager in den unterschiedlichen Hierarchieebenen psychopathische Züge zeigt. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit, einen Psychopathen als Vorgesetzten zu erwischen relativ hoch und steht bei 1:10.

Wie ausgeprägt die sozial-krankhaften Züge im Einzelnen sind, ist dabei sehr unterschiedlich zu bewerten. Ebenso unterschiedlich zu bewerten sind die Anteile der psychopathisch veranlagten Führungskräfte am Unternehmensergebnis. Fest zu stehen scheint, dass gerade Führungskräfte mit psychopathischen Zügen durch ihr Anderssein auch bestimmte Entwicklungen in den Unternehmen anstossen, die durchaus positiv sein können – zumindest zeitweise.



Psychopath oder extravagant

Die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn verläuft bekanntermassen sehr verschwommen. Oftmals ist kein Übergang zwischen Extravaganz und realitätsverschobenem Wahnsinn zu erkennen.

Was einen Psychopathen auszeichnet:

  • sie sind erfolgsgierig,
  • egoistisch und
  • skrupellos,

sie verhalten sich



  • emotionslos und
  • manipulativ

und zeigen

  • kein Mitgefühl und keine Reue und
  • verletzen ständig gesellschaftliche Regeln.

Auf eine gewisse Weise zeigen sie sich asozial und dabei allerdings äusserst erfolgreich. Mit diesen persönlichen Eigenschaften erfüllen sie viele Massstäbe, die für eine Karriere in den Unternehmen durchaus förderlich sein können, gehen dabei aber auch sprichwörtlich über Leichen. Psychopathen erfüllen die obengenannten Kriterien, hingegen ist nicht jeder, der die Kriterien erfüllt, auch wirklich ein Psychopath. Auch hier zeigt sich, wie die Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn ineinander verschwimmen.

Herrlich wahnsinnig, wahnsinnig gefährlich

Oftmals nimmt der Wahnsinn skurrile Züge an. Dann ist das Auftreten der Chefs eher widersprüchlich und albern und lässt Raum für so manches vergnügliche Erlebnis. Das Streben nach unbedingtem Erfolg und der krankhafte Trieb nach Respekt und Anerkennung fördert so manche Lächerlichkeit zutage, bringt dabei aber auch die Führungskräfte an eigene Grenzen. Richtig gefährlich allerdings wird es dann, wenn das Erfolgsstreben über jeden realistischen Verstand hinweg manipulativ und zerstörend eingesetzt wird. Dann räumen die psychopathischen Chefs alles aus dem Weg, was ihrem eigenen Anspruch an Erfolg im Wege steht.



Die Existenzen einfacher Arbeitnehmer werden im Austausch gegen bedingungslosen Erfolg aufs Spiel gesetzt, Entscheidungen werden nötigenfalls auch wider jede Vernunft durchgesetzt und selbst in der Führungsetage wird emotionslos und ohne irgendwelche Gefühle gerangelt, getreten und mit den Ellenbogen gestossen. So machen sich die Psychopathen im Nadelstreif den Weg nach oben frei. Typisch für solche Erfolgskranken sind auch narzisstische Züge. Selbstverliebt, immer top gepflegt und übermässig eitel bauen sich die erfolgsgierigen Führungskräfte ein unangreifbares Image auf, das auch bei so manchem Chef bestens ankommt. Die Psychopathen sind eben Experten im Manipulieren und zeigen dabei weder nach unten noch nach oben irgendwelche Emotionen oder Rücksichten.

Die Psychopathen sind eben Experten im Manipulieren und zeigen dabei weder nach unten noch nach oben irgendwelche Emotionen oder Rücksichten. (Bild: Sergey Nivens / Shutterstock.com)

Die Psychopathen sind eben Experten im Manipulieren und zeigen dabei weder nach unten noch nach oben irgendwelche Emotionen oder Rücksichten. (Bild: Sergey Nivens / Shutterstock.com)

Warum landen Psychopathen nicht in der Klinik, sondern in den Führungsetagen?

Die Menge psychopathischer Zeitgenossen landet früher oder später in der Klinik oder sogar hinter Gittern. Aber längst nicht alle Psychopathen zeigen sich mit einer krankhaft kriminellen Energie a la Hannibal Lecter in „Schweigen der Lämmer“. Viel zu oft wissen sie mit ihren manipulativen Fähigkeiten ihre Umgebung zu blenden und sind längst keine Serienmörder und Totschläger. Dennoch richten sie in den Unternehmen langfristig eine hohen Schaden an, der sich in zunehmendem Vertrauensverlust, in gestörten kollegialen Beziehungen und letztlich in einer Lethargie der Belegschaft zeigt. Dann allerdings ist der Schaden bereits geschehen und lässt sich nur mit drastischen Massnahmen wieder bereinigen.

Psychopathen landen so oft in den Führungsetagen, weil sie als Blender und Verstellungskünstler mit ihren Eigenarten überzeugend anders sind. Die Unternehmer erwarten in den Führungspositionen charismatische, erfolgshungrige und eben immer wieder auch durchsetzungsstarke Persönlichkeiten. Eine prima Stellenbeschreibung, die psychopathischen Aufsteigern geradezu in die Hand spielt. Ihre kompromisslos auf Erfolg getrimmte Persönlichkeit, die manipulativen Eigenarten und die narzisstische Selbstdarstellung passen oftmals gut in das gewünschte Portfolio der Eigenschaften der neuen Führungskräfte. Hier scheint so mancher Chef regelrecht blind zu sein oder Psychopathen spielen sich wechselseitig die Bälle zu. Immerhin gilt auch hier: Gleich und gleich gesellt sich gern, aber nur solange, bis der eine den anderen in Position und Selbstverständnis angreift.

Die Gefahren für die Belegschaft



Psychopathische Chefs sind wie schon mehrmals betont Meister der Manipulation. Damit werden ganze Belegschaften geteilt und in willfährige und widerständige Personengruppen differenziert. Die willfährigen Belegschaftsteile werden in die manipulativen Machenschaften einbezogen, die Widerständler mundtot gemacht und wenn möglich aus dem Unternehmen gedrängt. Dabei bedienen sich die psychopathischen Chefs der gesamten Klaviatur aus Manipulation, Lügen, falscher Selbstdarstellung und kleiner oder grösserer Betrügereien. Interessanterweise wird das alles so gestaltet, dass es zumeist nicht auf die Verursacher selbst zurückfällt.

Leidtragende sind dann die Mitläufer genauso wie die Zweifler und Widerständler. Damit kommt eine Unruhe in den Betrieb, die bei genauerem Hinsehen eigentlich deutlich werden müsste. Allerdings interessieren sich die Chefs meist weniger für die Belegschaft an sich, sondern mehr für die Arbeit der Führungskräfte in den einzelnen Hierarchieebenen. Eine prima Spielfläche für die psychopathischen Manager.

Wer sich jetzt fragt, was hier zu tun sei, kann nur spärliche Antworten erwarten. Glücklicherweise ist nicht jeder führungsstarke Chef ein Psychopath, auf der anderen Seite bewirkt der offene Angriff auf die krankhaften Chefs eine Auseinandersetzung, in der der Angreifer als Einzelperson selten als Sieger hervorgeht. Nur dann, wenn ganze Arbeitsgruppen oder Belegschaften den psychopathischen Chef offen in Frage stellen, bestehen Chancen, diesen kurz- oder mittelfristig auch wieder loszuwerden. Die Gefahren sind dabei wegen der rücksichtslosen Art der gestörten Existenzen in Nadelstreif kaum abzusehen.



 

Oberstes Bild: © EDHAR – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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