Warum Irren nicht nur menschlich, sondern durchaus positiv sein kann

15.08.2014 |  Von  |  Organisation
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Warum Irren nicht nur menschlich, sondern durchaus positiv sein kann
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Das Sprichwort „Irren ist menschlich“ ist Ihnen sicherlich bekannt. Und eigentlich weiss auch jeder, dass in jedem Spruch ein Körnchen Wahrheit enthalten ist – warum also versuchen wir trotzdem immer wieder recht zu haben und auch zu behalten? Keine Fehler zu machen, weder privat noch im beruflichen Umfeld, wird zur Prämisse und zur Lebensphilosophie. Dazu kommt der ausdrückliche Gedanke, in keinem Fall erwischt zu werden, sollten wir uns doch einmal irren. Was steckt dahinter?

Fehler zu machen weckt negative Gefühle



Eigentlich verwundert das Verhalten, keine Irrtümer oder Fehler zuzugeben, kaum. Denn sich zu irren wird mit vielen negativen Aspekten in Zusammenhang gebracht. Entweder man sollte sich schämen oder man wird gar als dumm eingeschätzt. Man fühlt sich selbst inkompetent und begibt sich in Gefahr, ausgelacht zu werden. Gleichzeitig besteht bei den meisten das Gefühl, dem Risiko ausgesetzt zu sein, in dieser Sache nicht mehr ernst genommen zu werden.

Als Konsequenz wird nicht nur die Angst entwickelt, Fehler zu machen, sondern auch ein Glaubenssatz verinnerlicht, dass man nur erfolgreich sein kann, wenn niemals etwas falsch gemacht wird. Das eigene Bestreben, das man bereits seit Kindertagen entwickelt hat, aktiviert sich in eine Richtung, in jedem Fall recht zu haben und von sich behaupten zu können, dass man sich niemals irrt. Dabei hat gerade das viele positive Effekte.

Sich Irrtümern zu stellen reduziert Fehler

Es klingt unglaublich, aber es hat seine Berechtigung. Denn wer akzeptiert, dass er sich auch einmal irren kann, ist auf dem besten Weg, Fehler zu reduzieren und in der Folge sogar ganz zu vermeiden. Denn wer sich fragt, ob er mit seiner Annahme, Behauptung oder Vorgangsweise eventuell falsch liegen könnte, distanziert sich von der Sache selbst und schafft Objektivität.



Wenn Sie sich in einer Sache irren, sehen Sie dies als Chance. Denn nur dadurch, dass Sie in diese Situation gekommen sind, können Sie aus dem Irrtum oder Fehler lernen und diesen als kreativen Input nutzen. So werden möglicherweise Ideen freigesetzt, auf die Sie sonst nie gekommen wären. Sie müssen aber auch Lösungen finden, um aus der Situation wieder herauszukommen, was wiederum Ansätze bringen kann, wie der Irrtum in Zukunft vermieden werden kann. Dafür ist es allerdings wichtig, dass Sie nicht nur für sich selbst Weichen stellen, sondern auch im Unternehmen für eine entsprechende Fehlerkultur sorgen, sofern diese nicht ohnehin schon etabliert und eingeführt ist.

Irrtümer erhöhen die Empathie. (Bild: Bacho / Shutterstock.com)

Irrtümer erhöhen die Empathie. (Bild: Bacho / Shutterstock.com)

Irrtümer erhöhen die Empathie

Es gilt als Tatsache, dass Menschen nun einmal Fehler machen, denn jeder weiss, dass niemand perfekt ist. Seien Sie deshalb milde in der Beurteilung – und zwar sowohl sich selbst als auch anderen gegenüber. Zeigen Sie Verständnis und Empathie, wobei Sie das auch entsprechend verbalisieren sollten. Damit nehmen Sie Ihrem Gegenüber das schlechte Gefühl und zeigen dem anderen, dass Sie sich in ihn hineinversetzen können. Empathie ist zum einen eine Fähigkeit, aber vor allem auch eine Bereitschaft. Denn dazu benötigen Sie die Einsicht, dass Ihre Sicht der Dinge oder Ihre Meinung nur eine von vielen ist.



Ihr Gegenüber zu verstehen, reicht aber nicht aus, Sie müssen dies auch entsprechend zeigen. Besonders bei der Formulierung sollten Sie hier einiges beachten, um auch dabei Ihrem Gegenpart die Räume zu lassen, die er für seine Persönlichkeit und die Bewahrung seiner Würde benötigt. „Ich verstehe Sie so, dass … Stimmt das?“ etwa ist eine Betonung, die Ihrem Gegenüber die Möglichkeit gibt, Ihrer Interpretation des Irrtums oder des Gehörten zuzustimmen oder gegebenenfalls etwas zu erwidern.



Die Wirkung eines empathischen Gesprächs ist für die meisten ziemlich erstaunlich, denn die Standpunkte werden umgehend aufgeweicht und Sie verschaffen Ihrem Gegenüber die Option, seinen Irrtum zuzugeben, ohne dabei das Gesicht zu verlieren. Er fühlt sich meist von Ihnen verstanden, womit eine gute Chance besteht, dass der Irrtum oder Fehler nicht mehr vorkommt. Somit ist allen Beteiligten geholfen, der Mitarbeiter versucht, einen Irrtum nicht zu vertuschen, sondern traut sich dazu zu stehen und Sie profitieren von einer ausgezeichneten Fehlerkultur, die niemanden erniedrigt, blossstellt oder ausgrenzt.

Empathie ist nicht gleich Akzeptanz

Wenn Sie Ihrem Gegenüber Akzeptanz beim Zugeben des Irrtums signalisieren, heisst das nicht, dass Sie seine Ansicht teilen oder sein Fehlverhalten akzeptieren. Sie tauschen lediglich die Sichtweisen, was in jedem Fall Objektivität in das Geschehen bringt. So können Sie das notwendige Verständnis signalisieren, was sowohl unter Kollegen als auch in der Managementebene ein Garant für ein angenehmes Betriebsklima und hohe Mitarbeitermotivation ist.



 

Oberstes Bild: © NotarYES – Shutterstock.com


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