Verdacht auf Kartellbildung bei Schweizer Autoleasing-Firmen

19.07.2014 |  Von  |  News
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Verdacht auf Kartellbildung bei Schweizer Autoleasing-Firmen
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Neun Autoleasing-Firmen aus der Schweiz stehen im Fokus der Wettbewerbskommission (Weko). Sie sollen horizontale Preisabsprachen getroffen und damit die Verbraucher getäuscht haben. Die Weko hat bereits bei allen verdächtigten Unternehmen Hausdurchsuchungen vorgenommen.

Betroffen von den Kartell-Vorwürfen sind Leasing-Abteilungen der beiden Autoimporteure Emil Frey und Amag sowie Finanzdienstleister der grossen Konzerne Fiat, Ford, BMW, General Motors, Mercedes-Benz, Renault und PSA. Wie die Weko mitteilte, ist eine der neun Firmen auf die Kommission zugekommen und hat sich selbst angezeigt. Damit fällt sie unter die Kronzeugenregelung.



Nach den Hausdurchsuchungen erklärte die Weko in ihrer Pressemitteilung weiterhin, das Kartell der Leasingfirmen habe sich untereinander über Vertragsbedingungen, Zinssätze, die Höhe der Kommissionen für die Händler und verschiedene andere „Auslagen“ entsprechende Informationen zukommen lassen. Es bestehe also ein durchaus begründeter Verdacht von Preisabsprachen, was letztendlich auf ein horizontales Kartell hinauslaufe. Bis alle Einzelheiten geklärt sind, dürften rund 18 Monate ins Land gehen, so die Einschätzung der Wettbewerbskommission.

Die Amag liess durch einen Sprecher verlauten, dass sie nicht gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstossen habe bzw. sich keiner Schuld bewusst sei. Die Leasing-Unternehmen der Importgesellschaften und Hersteller treffen sich nach Angaben der Amag zweimal pro Jahr für einen Informationsaustausch. Solche Aktivitäten seien in allen Verbänden üblich. Zudem könnten die Informationen auch mit anderen legalen Mitteln, beispielsweise über Marktbeobachtungsfirmen, erworben werden, allerdings nicht so schnell wie über den direkten Kontakt. Ford Credit und GM Financial International Operations verweigerten eine Stellungnahme unter Hinweis auf das laufende Verfahren.

Wie hoch der Schaden für die Verbraucher ist, lässt sich nur erahnen, aber es scheint wohl um eine Menge Geld zu gehen. Nach Angaben des Schweizerischen Leasing-Verbandes betrug der Umsatz beim Autoleasing im Jahr 2013 etwa 6,4 Milliarden Franken. Das Anbieter-Portfolio umfasste 570’000 Verträge mit einem Gesamtwert von 12 Milliarden Franken, darunter 200’000 Neukontrakte aus dem vergangenen Jahr. Das Volumen der Neugeschäfte ist seit 2011 (7 Milliarden Franken) demnach etwas zurückgegangen.

Die Mitglieder im Leasing-Verband bedienen zwischen 80 und 90 Prozent des Schweizer Marktes. Als wichtigste Anbieter gelten die Banken mit einem Marktanteil von 44 Prozent, gefolgt von markennahen Unternehmen (43 Prozent), Tochtergesellschaften von Banken (7 Prozent) und unabhängigen Firmen (6 Prozent). Zwei Drittel des Umsatzes stammen dabei aus dem Geschäft mit Personenkraftfahrzeugen.



 

Oberstes Bild: © Syda Productions – Shutterstock.com

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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