BNP Paribas: Rückschlag durch die Bussen-Politik der USA

13.07.2014 |  Von  |  News
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BNP Paribas: Rückschlag durch die Bussen-Politik der USA
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Die grösste französische Geschäftsbank BNP Paribas wird derzeit arg gebeutelt. Nachdem das Pariser Institut sowohl die Subprime-Krise in den USA als auch die Schulden- und Wirtschaftskrise ohne grössere Schäden überstanden hat, könnte ihm nun die Bussen-Politik der USA zum Verhängnis werden. Deretwegen drohen der Bank im laufenden Geschäftsjahr nun zum ersten Mal Verluste.

Der BNP Paribas werden – übrigens ebenso wie den beiden anderen in den USA aktiven französischen Grossbanken Société Générale und Crédit Acricole – „Sünden“ aus der Vergangenheit zum Verhängnis. Gegen die drei Institute laufen Ermittlungen wegen Verletzungen diverser US-Embargos. Im Visier der US-Behörden befinden sich auch viele Schweizer Banken, die Credit Suisse hat in ihrem Fall erst kürzlich eine Einigung erzielt.



Im Fokus der US-Behörden: die BNP-Paribas-Standorte Paris und Genf

Die BNP Paribas soll in den Jahren 2002 bis 2009 mit staatlichen oder regierungsnahen Unternehmen aus dem Iran, Kuba und dem Sudan Rohstoff-Transaktionen im Umfang von etwa 100 Milliarden US-Dollar abgewickelt haben. Insbesondere geht es dabei um Erdöl-Geschäfte der BNP-Dependance in Genf. Aus Sicht der US-Ermittlungsbehörden wiegen Verschleierungsversuche der Bank besonders schwer, da sie darauf verwiesen, dass das Management in Paris und Genf die Illegalität in Kauf genommen habe. Die BNP Paribas muss jetzt mit Bussgeldern von bis zu neun Milliarden US-Dollar rechnen.

Der Verlust ist zu verkraften – unter Beteiligung der Aktionäre

Die Bank selbst reagiert darauf bisher gelassen. Zum Krisenmanagement der BNP Paribas gehört offensichtlich auch, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass sie diesen Schaden ohne grössere Probleme verkraften könne. Im vergangenen Jahr belief sich der Reingewinn des Hauses auf 4,8 Milliarden Euro. 2009 – im letzten „Vergehensjahr“ – verdiente sie insgesamt 5,8 Milliarden Euro. Erwartet werden kann, dass die Aktionäre der Bank einen Teil des Schadens tragen. Normalerweise schüttet die BNP Paribas rund 40 % ihrer Reingewinne als Dividendenzahlung aus, was 2015 nicht auf ihrer Agenda stehen dürfte.



Auch die Banker selbst müssen wohl mit vergleichsweise mageren Boni rechnen. Steuererleichterungen für das Verlustjahr sind durch die französische Gesetzgebung dagegen ausgeschlossen. Die BNP Paribas ist nach dem Petrolkonzern Total der zweitgrösste französische Steuerzahler, 2013 belief sich ihre Steuerlast auf zwei Milliarden Euro.

Problematisch: geringerer Kapitalpuffer und Imageschäden

Problematischer als der Verlust an sich dürften für die Bank zwei andere Punkte sein. Zum einen schmilzt durch das hohe Bussgeld der Kapitalpuffer der BNP Paribas (Core Tier 1), der erst vor Kurzem mit 10,6 % ausgewiesen wurde, auf rund 9,5 % zusammen, was das Vertrauen in die Sicherheit der Bank zumindest tendenziell erschüttert. Zum anderen lebt vor allem das USA-Geschäft des Hauses vom guten Ruf des Unternehmens und der Marke, der durch die Ermittlungen jenseits des Atlantiks bereits jetzt beschädigt ist und durch das erwartete Schuldeingeständnis weiter leiden wird.



Kommt eine Sperre für Dollar-Transaktionen?

Laut einer Meldung der „Neuen Zürcher Zeitung“ könnte die BNP Paribas in sehr absehbarer Zeit mit der Bankenaufsicht des Bundesstaates New York eine Einigung erzielen, in deren Rahmen sie für maximal ein Jahr auf bestimmte Dollar-Clearing-Aktivitäten verzichten müsste. Im Fokus stehen dabei sehr wahrscheinlich Öl- und Gas-Transaktionen sowie bestimmte Dependancen – vor allem Paris und Genf –, wo die aus Sicht der US-Behörden illegalen Geschäftsaktivitäten angesiedelt waren. Das Bussgeld oder seine Höhe werden davon nicht berührt.

Der US-amerikanische Wirtschaftsjournalist Paul J. Davies kritisierte eine solche Option bereits im Vorfeld als ein „gefährliches Spiel mit der BNP Paribas“: Zumindest wenn die Bank als Ganzes – und nicht nur einzelne Töchter – von Dollar-Transaktionen ausgeschlossen würde, könnte dies für das Institut selbst bei einer zeitlich begrenzten Sperre existenzbedrohend werden.



 

Oberstes Bild: © Martin Good – Shutterstock.com


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