Der Pausensnack – die erste Wohltat im beruflichen Alltag

07.07.2014 |  Von  |  Allgemein
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Der Pausensnack – die erste Wohltat im beruflichen Alltag
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Nichts entgeht einer gebührenden Beachtung mehr als die Dinge, die uns ständig umgeben. Schon im Beitrag über den Aktenordner haben wir Ihnen bewiesen, dass manche Gegenstände aus dem unmittelbaren Umfeld durchaus eine nähere Betrachtung wert sind. In Fortführung dessen soll es auch diesmal um etwas scheinbar ganz Profanes gehen: Ihr tägliches Pausenbrot.

Unabhängig davon, ob Sie es selbst zubereiten, von liebevollen Angehörigen überreicht bekommen oder beim Bäcker an der Ecke erwerben – mit jedem Sandwich, das Sie verzehren, führen Sie eine lange Tradition fort. Zwischen den beiden Brotscheiben eines solchen Snacks verbergen sich nämlich nicht nur diverse Beläge und Aufstriche, sondern auch jede Menge Geschichte und Geschichten, denn die Zubereitung und der Verzehr belegter Brote reicht viel weiter zurück, als man zunächst annehmen würde.



Die frühesten Belege für die unkomplizierten Snacks stammen aus den Jahren zwischen 300 v. Chr. und 350 n. Chr. – jener Epoche, die als „Zeit des Römischen Reiches“ in die Historie einging. Bereits unter der antiken Hochkultur war es üblich, in Stücke geschnittenes Fleisch zwischen zwei Brotscheiben zu legen und als vollwertige Mahlzeit zu servieren. Obwohl sich solche „offulae“ in allen Bevölkerungsschichten ausgesprochener Beliebtheit erfreuten, gerieten sie mit dem Untergang des vorbildhaften Grossreiches schnell in Vergessenheit. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde Brot in der Regel trocken verzehrt oder allenfalls zum Eintunken in Suppen verwendet.

Im Hochmittelalter entdeckten die Menschen den Reiz und den Vorteil belegter Brote neu. Auslöser war die Nutzung von Salz bzw. dessen Einsatz bei der Herstellung von Butter. Weil es die Haltbarkeit des rahmigen Produktes erheblich verlängerte, avancierte mit Butter bestrichenes Brot unter Bauern und Bürgern zur Lieblingsspeise, die sich bei vielen Gelegenheiten mitführen und verzehren liess. Doch auch bei feierlichen Anlässen war die neue bzw. neu entdeckte Spezialität beliebt: In einer von 1339 datierenden Aufzeichnung vermerkte das „Bremer Krameramt“, dass bei einem Festessen mit Käse belegte Butterbrote als separater Speisengang gereicht wurden.

Seine heute – vor allem im englischsprachigen Raum – übliche Bezeichnung „Sandwich“ erhielt der begehrte Snack jedoch erst rund 500 Jahre später. Die Namensgebung wird John Montagu, dem 4. Earl of Sandwich, zugeschrieben. Als leidenschaftlicher Kartenspieler war er es überdrüssig, seine Partien für jede Mahlzeit unterbrechen zu müssen. Er verlangte daher von seinem Koch, sich etwas Praktisches einfallen zu lassen. In seiner Not zerschnitt der eifrige Angestellte den bereits zubereiteten Mittagsbraten, legte die Scheiben zwischen gebuttertes Toastbrot und servierte diese Kreation seinem Herrn. Earl Montagu war von dem handlichen Snack so begeistert, dass er überall in Sandwich Werbung dafür machte. Weil das Butterbrot von hier aus schliesslich im ganzen Land bekannt wurde, er- oder behielt es den Namen der Grafschaft.

Der Werdegang des weitverbreiteten Pausenbrotes gleicht also einem Streifzug durch die Weltgeschichte. Und auch seine Zubereitungsart und seine Beläge lassen globales Niveau erkennen: Während ein Sandwich aus England zumeist Roastbeef und Remoulade enthält, werden skandinavische Varianten wie das Smørebrød aus Dänemark traditionell mit Fisch, Krabben oder anderen Meeresfrüchten zubereitet; französische, italienische und spanische Pausenbrote weisen dagegen eine Vielzahl landestypischer Kräuter-, Wurst- und Käsesorten auf.





In der Schweiz sind die Snacks vielerorts als "Brödli" bekannt. (Bild: wavebreakmedia / Shutterstock.com)

In der Schweiz sind die Snacks vielerorts als „Brödli“ bekannt. (Bild: wavebreakmedia / Shutterstock.com)




In der Schweiz sind die Snacks vielerorts als „Brödli“ bekannt. Unter dieser Bezeichnung ist ihnen sogar ein literarisches Denkmal gesetzt worden: Im ersten Teil ihrer weltberühmten „Heidi“-Bücher beschreibt Johanna Spyri auf anschauliche Weise, welche Pausenbrote Sennen und Hirten auf ihren Wanderungen durch die Berge mit sich führten – und mit welch unglaublichem Appetit die Brödli in der klaren Höhenluft verzehrt wurden.

Heute orientiert sich die Herstellung fast überall mehr am persönlichen Geschmack als an überlieferten Rezepturen. Dabei werden sowohl die Einflüsse verschiedener Nationen als auch der Wunsch nach vollwertiger und gesunder Kost deutlich. Gegenüber einem klassisch zubereiteten Sandwich enthalten moderne Pausenbrote häufig wesentlich mehr Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien. Dafür, dass das so ist, sorgt die Auswahl bzw. Zusammenstellung der Zutaten. Im Hinblick auf eine verantwortungsbewusste und abwechslungsreiche Ernährung sollten Vollkornbrot und Gemüse den Hauptanteil der praktischen Snacks bilden. Diese Basis garantiert ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl, eine besser dosierte Energiezufuhr und mehr Frische.



Der übrige Belag eines Sandwiches variiert je nach Ernährungskonzept und Lebenseinstellung. Hierbei finden die Aspekte eiweissreicher, fleischloser oder cholesterin- und fettarmer Kost Berücksichtigung. Das praktische Pausenbrot eignet sich für nahezu jede Form der Ernährung. Es kann von Vegetariern und Veganern ebenso genutzt werden wie im Rahmen einer Diät oder bei Verordnung von Schonkost. Die Auswahl spezieller Rohstoffe macht den Snack auch für Allergiker bekömmlich. Und selbst ausgesprochene „Süss-Schnäbel“ kommen mit einem entsprechend belegten Butterbrot auf ihre Kosten.

Nur Personen, die ausschliesslich ungegarte Lebensmittel zu sich nehmen, müssen auf ein Sandwich verzichten, denn ohne den Hauptbestandteil Brot würde die praktische Pausenversorgung ihr charakteristischstes Merkmal verlieren.

Wenn Sie also das nächste Mal zum Butterbrot greifen, betrachten Sie es nicht nur als eine mögliche Variante der (Zwischen-)Mahlzeit, sondern zugleich als traditionsreiche Speise mit vielen versteckten Vorteilen. In diesem Sinne: guten Appetit!



 

Oberstes Bild: tmcphotos – wikimedia.org

Über Christiane Dietering

Christiane Dietering hat eine handwerkliche, zwei kaufmännische und eine Autoren-Ausbildung absolviert. Sie arbeitet als freie Texterin, Rezensentin und Journalistin in den Themenbereichen Kunst und Kultur. Ihre Hauptauftraggeber sind Veranstalter von Musikaufführungen, Lesebühnen und Erotik-Events.


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