Ungeliebte Mitarbeiter – ein kompliziertes Führungsthema?

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Emotionen – und vor allem Sympathien und Antipathien – haben in Geschäftsbeziehungen nichts zu suchen? Falsch – zum einen sind wir Menschen und bringen unsere Emotionen auch an unsere Arbeitsplätze mit, zum anderen können positive Emotionen sogar als ein wichtiger Produktivitätsfaktor wirken.

Problematisch wird es immer dann, wenn es zwischen Mitarbeitern zu scheinbar grundlosen und völlig subjektiven Animositäten kommt, die das Klima im Team recht nachhaltig beeinflussen können. In solchen Fällen ist die Professionalität der Führungskraft gefragt.

Noch komplizierter wird es, wenn ein Chef einzelne Mitarbeiter nicht mag, obwohl diese sich korrekt verhalten und gute Arbeit leisten. Studien belegen, dass Teams, in denen die Chemie zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten stimmt, motivierter, produktiver und zufriedener sind. Umgekehrt gilt leider auch, dass bei atmosphärischen Störungen zwischen Chefs und Teammitgliedern schnell Motivation und Produktivität der ganzen Arbeitsgruppe leiden.



Vielen Vorgesetzen ist allerdings gar nicht klar, dass sie in ihren Teams auch auf komplexe Beziehungsstrukturen treffen. Oft lassen sie sich in ihren Führungsentscheidungen von persönlichen Sympathien und Antipathien leiten, erkennen jedoch nicht, dass und welche Probleme daraus entstehen können. Der Appenzeller Unternehmensberater und Psychologe Alexander Unseld meint dazu, dass jeder Mensch in mehr oder weniger grossem Ausmass in seinem Fühlen, Denken und Handeln von Vorurteilen und Stereotypen geleitet wird – wichtig ist jedoch, solche Mechanismen nicht nur bei anderen, sondern auch im eigenen Verhalten zu aufzuspüren und unerwünschte Folgen auf diese Weise abzumildern.

Was stört eigentlich wirklich – und was davon ist Vorurteil?

Bei einem schwelenden Konflikt zwischen Vorgesetzten und einem Mitarbeiter nimmt sich die Führungskraft vielleicht als erstes vor, mit dem Betreffenden auf einer rein sachlichen Ebene zu kommunizieren und Beziehungsaspekte so komplett wie möglich auszusparen. In der Praxis funktioniert diese Taktik jedoch meist nicht lange. Ausserdem greift sie zu kurz: Die negativem Emotionen werden trotzdem in allen persönlichen Interaktionen eine Rolle spielen. 

Erfolgversprechender ist der Versuch, herauszufinden, welche Ursachen der Antipathie zugrunde liegen. Sind es Gruppenmerkmale – etwa das Geschlecht, die sexuelle Orientierung oder die Nationalität des Gegenübers? Der Vorgesetzte sollte sich dann auch einmal in die Position des ungeliebten Mitarbeiters hineinversetzten und sich klarmachen, welche Rolle Vielfalt – Diversität – und die verschiedenen Potenziale der Teammitglieder für den Erfolg der ganzen Gruppe spielen. Empfindet der Chef persönliche Merkmale – beispielsweise Kleidung, Sprache oder Frisur – der anderen Person als störend? Dann sollte er für sich persönlich klären, welche Relevanz diese Punkte für die Arbeitsleistung des Betreffenden tatsächlich haben.



Abgesehen von einem der jeweiligen Arbeit angemessenen Auftritt – beispielsweise der explizit bürgerlichen Kleidung in einer Bank – ist hier Toleranz gefragt. Negative Verhaltensweisen eines Mitarbeiters im fachlichen oder zwischenmenschlichen Bereich sind auf Dauer sicher nicht tolerierbar – Abhilfe schafft hier jedoch nicht stummer Groll, sondern nur ein offenes, klärendes Gespräch. Falls sich das Problem auf diesem Weg nicht lösen lässt oder mehrere Teammitglieder/das gesamte Team davon betroffen sind, ist möglicherweise professionelle Unterstützung nötig.



Ein gruppendynamisches Coaching kann verhärtete Fronten oft sehr schnell zum Bröckeln bringen und hilft dabei, das eigene Verhalten sowie die Beziehungen innerhalb der Gruppe zu erkennen, zu verstehen und zu ändern. 

Zum Teil entwickelt sich Antipathien zwischen Chefs und Mitarbeitern auch aus scheinbar absolut nicht nachvollziehbaren Gründen. (Bild: auremar / Shutterstock.com)

Zum Teil entwickelt sich Antipathien zwischen Chefs und Mitarbeitern auch aus scheinbar absolut nicht nachvollziehbaren Gründen. (Bild: auremar / Shutterstock.com)

Der Mitarbeiter befindet sich in der schlechteren Position



Zum Teil entwickelt sich Antipathien zwischen Chefs und Mitarbeitern auch aus scheinbar absolut nicht nachvollziehbaren Gründen. Der Vorsetzte kann hier nur versuchen, die immanente negative Dynamik zu erkennen und so weit wie möglich auszuschalten. Fakt ist jedoch auch: Der Mitarbeiter befindet sich in solchen Konstellationen in der schlechteren Position. Demensprechend hat es vor allem der Vorgesetze in der Hand, die Situation zu entschärfen und auf lange Sicht auch zu verbessern. Ein lösungsorientierter Ansatz, der auf Fairness und Gleichbehandlung zielt, schafft die Grundlagen für Veränderungen.

Im Übrigen sind auch soziale und emotionale Kompetenzen wichtige Führungseigenschaften – ein guter Vorgesetzter muss in der Lage sein, sich nicht nur rational, sondern auch emotional sowie auf der Beziehungsebene auf Menschen und Situationen einzustellen. Im Hinblick auf ungeliebte Mitarbeiter ist diese Fähigkeit besonders wichtig – die fehlende Sympathie verzerrt die Wahrnehmung der anderen Seite, was sonst bei der Leistungsbewertung sowie der Beurteilung von Fehlern Konsequenzen haben dürfte.

Mitarbeiter, die ihr Chef für kaum sympathisch hält, erfahren in ihrem Arbeitsalltag zudem weniger Anerkennung, Wertschätzung und Ermutigung. Der unterschwellige Konflikt kann auf lange Sicht zur völligen Demotivation und zumindest zur „inneren Kündigung“ des Mitarbeiters führen – im Interesse des Teams und des gesamten Unternehmens ist eine solche Entwicklung sicher nicht. Wenn sich der Vorgesetzte des Konflikts und seiner Rolle darin bewusst ist, wird er sein Verhalten gegenüber diesem Mitarbeiter besonders gründlich reflektieren. Personalentscheidungen – beispielsweise zu Beförderungen, Arbeitszeitregelungen, Aufgabenverteilung oder auch Sonderregelungen – sowie Leistungsbeurteilungen sollten ohnehin ausschliesslich auf Basis objektiver Kriterien erfolgen.

Der Psychologie-Professor Willibald Ruch von der Uni Zürich hält bei solchen Konfliktlagen die Selbstreflexion des Vorgesetzten generell für den wichtigsten Schritt zu einer Lösung. Die Abneigung habe in den meisten Fällen mit einem „blinden Fleck“ in der eigenen Persönlichkeit zu tun – vielleicht aktiviert die Gegenseite auf einer unbewussten Ebene unliebsame Erinnerungen an Personen oder Situationen. Mit einer zusätzlichen Portion Selbstdistanz und Humor lassen sich jedoch auch scheinbar komplizierte menschliche Konstellationen auf professionelle Weise sowie mit positivem Ausgang lösen.



 

Oberstes Bild: © kraphix – Shutterstock.com


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