Multifunktionäre – unverzichtbar oder nicht mehr zeitgemäss?

09.04.2014 |  Von  |  Organisation
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Multifunktionäre – unverzichtbar oder nicht mehr zeitgemäss?
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Multifunktional ist modern. Zumindest bei den meisten Gebrauchsgegenständen und beim technischen Equipment. Vielseitig einsetzbar, mit einer Menge toller Features bieten Multifunktionsgeräte viel Spielraum in der Verwendung und sparen dazu auch noch Platz. In vielen Bereichen sind die Alleskönner sogar fast schon unverzichtbar geworden und bieten mit ihrer Vielseitigkeit Komfort und die praktische Zusammenführung vieler Funktionen zugleich.

Etwas anders sieht es da bei den sogenannten Multifunktionären aus. Ob dieser Menschenschlag wirklich unverzichtbar und zeitgemäss ist, wollen wir einmal kurz untersuchen.

Ämterbündelung mit Risiken



Kennen Sie die auch? Die Menschen, die mit einer Menge Posten und Pöstchen ausgestattet in vielen Bereiche mitreden können oder dort sogar den Hut aufhaben? Sie sind der Chef im eigenen Unternehmen, fungieren im Verein als Vorsitzende, engagieren sich politisch in wichtigen Parteiämtern und sind ganz nebenbei auch noch im Aufsichtsrat grosser Unternehmen beschäftigt. Bei solchen Menschen bündeln sich nicht nur Funktionen und Verantwortungen, sondern damit verbunden auch jede Menge Macht. Dabei sind nicht immer unbedingt auch die fachlichen Kompetenzen ausschlaggebend für die vielen Führungspositionen, die von solchen Menschen belegt werden.

Oftmals führen Einflussbereiche und das Engagement in unterschiedlichsten gesellschaftlichen Kreisen dazu, dass einzelne Personen mit einem umfangreichen Mass an weiterem Einfluss ausgestattet werden. Solche Multifunktionäre können Entscheidungsprozesse aus vielerlei Sicht beeinflussen und sind damit auch ein gewisser Risikofaktor, besonders für das Bestehen pluraler Gesellschaften.

In Deutschland beispielsweise sind solche einflussreichen Persönlichkeiten nicht selten. Fast jeder Bürgermeister grösserer Kommunen fungiert dort nicht nur als Oberhaupt der kommunalen Verwaltung. Oftmals sitzen die Bürgermeister in den Aufsichtsräten der Energieversorger, entscheiden mit über die Politik der Wasserversorger und haben gut dotierte Posten in anderen Unternehmen. Dazu kommen oftmals das eigene Unternehmen, die Aktivität in Parteien oder überparteilichen Interessenvertretungen und der eine oder andere Beraterposten. So wechseln diese Multifunktionäre nicht nur ständig die Hemden, sondern auch immer wieder die Rolle, in der sie gerade auftreten.

Diese Ämterbündelung ist auch in der Schweiz nicht selten und durchaus mit unterschiedlichen Risiken behaftet.



Was, wenn der Multifunktionär ausscheidet

Tod, Krankheit oder ganz einfache persönliche Gründe führen immer wieder dazu, dass Multifunktionäre alle oder einzelne Posten aus ihrem Portfolio aufgeben. Dann muss schnell Ersatz her, der in der gewohnten Form aber gar nicht so einfach zu finden ist. Immerhin hat die Ämterbündelung auch einen praktischen Grund gehabt.

Der Einfluss mit den Erfahrungen aus mehreren Sphären ist kaum zu ersetzen und wenn, dann nur mit gewissen Abstrichen. Wenn der Multifunktionär ausscheidet, entsteht also eine Lücke, die immer auch das Fehlen bestimmter Einflussmöglichkeiten bedeutet. Wäre die Position von Beginn an anders besetzt gewesen, hätte sich dieser Verlust auch einfacher kompensieren lassen.





Zuviel Macht macht ohnmächtig. (Bild: Tippawan Kunkeaw / Shutterstock.com)

Zuviel Macht macht ohnmächtig. (Bild: Tippawan Kunkeaw / Shutterstock.com)

Zuviel Macht macht ohnmächtig

Multifunktionäre sind, wie eingangs schon bemerkt, auch mit einem grossen Mass an Macht ausgestattet. Sie sind massgeblich an der Ausgestaltung von Prozessen und Entscheidungen in unterschiedlichsten Bereichen beteiligt und üben damit auch einen Einfluss auf viele persönliche Belange und Schicksale aus. Dass sich hier ein grosser Machtumfang auf nur wenige oder einzelne Personen konzentriert ist nicht unbedenklich. Dieses Übermass an Macht macht viele davon abhängige Menschen regelrecht ohnmächtig.

Immerhin kann der Multifunktionär mit seinem grossen Einfluss auf viele Gremien und Bereiche ganze Lebensbereiche ausfüllen und dort auch Entscheidungen treffen, die weit in das persönliche Leben einzelner Menschen hinein wirken. Schwierig wird das besonders dann, wenn entsprechende Kontrollmechanismen nicht vorhanden sind oder letztlich wieder im Entscheidungsbereich des Multifunktionärs liegen. Dann spielen persönliche Ansichten und gegebenenfalls auch persönliche Widrigkeiten weit in den Entscheidungsbereich hinein und machen objektive Sichtweisen und Entscheidungen manchmal sogar unmöglich. Eine Funktionsbündelung auf einzelne Personen stellt auch immer eine Bündelung von Macht dar die durchaus bedenklich wenn nicht sogar gefährlich ist.



Brauchen wir Multifunktionäre?

Nein, wir brauchen Sie nicht. Eine spezialisierte Gesellschaft wie die unsere kann sich in jedem Bereich auf Spezialisten konzentrieren. Multifunktionäre werden immer nur dann gebraucht, wenn Macht und Interessen gebündelt werden sollen. Das ist in keiner Weise zeitgemäss und besonders für pluralistisch demokratische Gesellschaften völlig abwegig. Der Multifunktionär ist ein überkommenes Wesen aus einer Zeit, in der Macht an wenigen Stellen konzertiert werden sollte, um so Interessen einfacher durchsetzen zu können. Diese Form der Interessenvertretung und Interessenwahrung ist heute nicht mehr zeitgemäss. Dezentralisierte Machtausübung hält viel mehr Entwicklungschancen für alle Bereiche und für viele Menschen offen. Überall dort, wo sich viele Funktionen und Machtbereiche auf wenige Personen konzentrieren besteht darüber hinaus ein grösseres Risiko für Machtmissbrauch. Amtsmissbrauch und Korruption sind hier Türen und Tore geöffnet. Zumal dann, wenn sich hier Legislative und Exekutive miteinander vermischen.

Und warum gibt es dann noch Multifunktionäre?

Weil sie bequem sind. Eine gebündelte Macht in nur einer Hand lässt sich von den wiederum übergeordneten Instanzen einfach kontrollieren und steuern. Auf der anderen Seite bietet die Bündelung von Ämtern, Pöstchen und Verantwortungen den Einzelkämpfern die Möglichkeit, sich selbst zu profilieren und unverzichtbar zu machen. Dabei wäre es für die meisten Bereiche besser, wenn dort echte Spezialisten sitzen und von entsprechenden Fachleuten beraten werden.

Multifunktionäre wird es wahrscheinlich noch so lange geben wie es Menschen gibt, die in einem wahren Machtrausch so viele Einflussbereiche wie möglich unter sich vereinen, um damit ihren eigenen Einfluss jederzeit geltend zu machen. Selbst dann, wenn sie fachlich dafür gar nicht geeignet sind. Das Multifunktionärstum abzuschaffen ist übrigens eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, gerade auch des Wahlvolkes.



 

Oberstes Bild: © alphaspirit – Shutterstock.com



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Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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