Der lange Atem der Existenzgründer

07.04.2014 |  Von  |  Finanzen, Organisation
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Der lange Atem der Existenzgründer
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Startup klingt erst einmal nach schnellem Erfolg. Dieses Bild der Gründerszene resultiert wohl noch aus dem Dot-Com-Fieber aus der Zeit der Jahrtausendwende. Mittlerweile ist die Ernüchterung längst wieder eingekehrt und die Wirtschaft hat gezeigt, dass es für Existenzgründer meist das Wichtigste ist, einen langen Atem zu haben.

Ein langer Atem bedeutet hier in erster Linie Ausdauer, Ausdauer und nochmals Ausdauer. Und das in jedem Bereich und in jeder Phase der Existenzgründung. Wer meint, eine Existenzgründung sei mit der Anmeldung des Gewerbebetriebes abgeschlossen, der irrt.

Wie lange dauert eine Existenzgründung?



Die Antwort auf diese Frage hängt sehr davon ab, was unter einer Existenzgründung überhaupt verstanden wird. Wir fassen unter dem Begriff Existenzgründung mindestens drei Phasen zusammen, die sich spezifiziert voneinander unterscheiden. Da wären

  • die Ideenfindung und Evaluierungsphase
  • die Gründungsphase und
  • die Konsolidierungsphase

Alle drei Phasen unterscheiden sich voneinander in der Gewichtung von individuellem Einsatz, in der Finanzierung und im prognostizierten Ergebnis. Alle drei Phasen zusammen bilden den Gesamtprozess der Unternehmensgründung. Die beginnt mit der ersten Idee und endet eben erst dann, wenn sich ein Unternehmen fest und nachhaltig am Markt etabliert hat. Das ist meist erst nach durchschnittlich 5 Jahren der Fall. Betrachten wir die Existenzgründung in ihren einzelnen Phasen.

Die Ideenfindung und Evaluierungsphase

Am Anfang steht die Idee. Dabei ist es meist nicht einfach nur eine Idee. Findige Existenzgründer schnüren ein ganzes Bündel von Geschäftsideen, die zunächst mehr oder weniger durchdacht, geschweige denn strukturiert sind. Nur selten ist es die einzige, zündende Idee, die schnell und nachhaltig zum Erfolg führt. Dabei ist der Druck auf die künftigen Existenzgründer sehr unterschiedlich zu bewerten. Der Wille „sein eigenes Ding“ zu machen resultiert nicht selten aus der Unzufriedenheit im Job oder aus drohender Arbeitslosigkeit

Manchmal ist es einfach auch nur das Streben nach mehr Freiheit oder mehr Einkommen, das die Initialzündung für die angedachte Existenzgründung bietet. So unterschiedlich wie die Beweggründe, stellt sich dann auch der individuell empfundene Druck dar.



Eng mit der Ideenfindung hängt die Evaluierungsphase zusammen. Hier müssen die Ideen auf ihre Machbarkeit und die wirtschaftliche Tragfähigkeit hin überprüft werden. Ein Businessplan oder auch mehrere helfen, die Bewertung von Idee und Wege der Umsetzung transparenter zu machen. Falsch bewertete Umsetzungsmöglichkeiten sind oftmals die Gründe für ein späteres Versagen in der Existenzgründung. Schon hier ist vom Gründer Ausdauer und vor allem Überlegtheit gefragt. Ein gewisses Mass an Spontanität und Wagnis ist natürlich nicht auszuschliessen, da jede Gründung von sich aus mit Risiken behaftet ist.

Auch diese Risiken müssen neben den Chancen nüchtern bewertet werden. So kristallisieren sich die besten Ideen langsam heraus und können dann als Grundlage für die Existenzbegründung herangezogen werden. Eine überstürzte Evaluierungsphase führt oftmals zu schwerwiegenden Mängeln in der eigentlichen Gründungsphase mit teils bedrohlichen Auswirkungen auf den Bestand des neuen Unternehmens.

Die Gründungsphase

Es folgt die eigentliche Gründungsphase. Jetzt wird das neue Unternehmen angemeldet, die Strukturen müssen detailliert festgelegt werden, Gebäude, Maschinen, Anlagen und letztlich auch Mitarbeiter bilden das Grundgerüst für das Unternehmen. Dazu muss oftmals viel Geld in die Hand genommen werden. Finanzierungen sind erforderlich und müssen in all ihren Risiken abgewogen werden. Fest steht, dass mit der eigentlichen Gründung des Unternehmens auch die ersten wirklich verbindlichen Ausgaben auf den Gründer zukommen.

Da jetzt meist die Einnahmesituation noch schwach ist, besteht hier der meiste Bedarf an einem langen Atem, der zumindest solange anhalten muss, bis die ersten Einnahmen die Ausgaben übersteigen. Das kann dauern und hängt entscheidend auch davon ab, wie sich ein junges Unternehmen am Markt etablieren kann. Auch die Bestimmung der Marktposition erfordert meist einen finanziellen Einsatz. Marketing und Werbung funktionieren nur selten kostenlos und auch die angebotenen Produkte und Leistungen sind meist keine Selbstläufer.

Hier hilft nur ausdauerndes Arbeiten am Ziel und vor allem am Produkt. Die Gründungsphase von der Gewerbeanmeldung bis zum Erzielen der ersten Überschüsse kann durchaus mehrere Monate andauern. Darauf müssen Gründer psychisch aber auch physisch und vor allem finanziell eingestellt und vorbereitet sein. Sonst droht das Unternehmen zu scheitern, bevor es die Konsolidierungsphase erreicht wird.

Die Konsolidierungsphase. In dieser Phase festigt das Unternehmen seine Stellung am Markt und baut das Produktportfolio oder den Leistungsumfang aus. (Bild: ayzek / shutterstock.com)

Die Konsolidierungsphase. In dieser Phase festigt das Unternehmen seine Stellung am Markt und baut das Produktportfolio oder den Leistungsumfang aus. (Bild: ayzek / shutterstock.com)




Die Konsolidierungsphase



In dieser Phase festigt das Unternehmen seine Stellung am Markt und baut das Produktportfolio oder den Leistungsumfang aus. In diese Phase fallen meist auch die ersten grösseren Belastungen durch Steuern und Abgaben, die von vielen Jungunternehmen deutlich unterschätzt werden. Deshalb ist es von der Gründung bis in die Konsolidierungsphase hinein schon wichtig, entsprechende Rücklagen zu bilden. Der Mangel an Rücklagen ist der häufigste Grund, an dem junge Unternehmen in der Gründungs- oder Konsolidierungsphase scheitern. Selbst wenn der schnelle Ausbau eines Unternehmens wünschenswert erscheint, ist auch im Hinblick auf die Solvenz hier mit grösster Umsicht zu agieren.

In der Konsolidierungsphase geht es letztlich darum, den Bestand des Unternehmens zu sichern und zu manifestieren. Die Dauer der Konsolidierungsphase richtet sich entscheidend nach dem wirtschaftlichen Erfolg und bedarf der täglichen Anstrengung aller Beteiligten mit einem grossen Mass an Ausdauer und Übersicht. Schnelle Erfolge haben mit einer Konsolidierung nichts zu tun, wenn sie eher als Eintagsfliegen zu bewerten sind. Nur konstant erfolgreich arbeitende junge Unternehmen werden sich langfristig am Markt durchsetzen und für ihre geplanten Aktivitäten eventuell auch benötigte Finanziers finden. Auch aus diesem Grund ist die Verfestigung der Unternehmenserfolge durch eine entsprechende Strategie unerlässlich.

Es zeigt sich, dass eine Gründung einen langen Atem und ganz viel Ausdauer braucht, wenn sie letztlich zu einem wirtschaftlich gesunden und erfolgreichen Unternehmen führen soll. Dafür sind ausdauernde, zielsichere und professionelle Gründer die beste Voraussetzung. Kommen passende Partner dazu, wird das Unterfangen Existenzgründung natürlich noch sicherer aufgestellt.



 

Oberstes Bild: © Sasha Chebotarev – shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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