Verstehen und verstanden werden

10.03.2014 |  Von  |  Kommunikation, Organisation
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Verstehen und verstanden werden
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Wo Menschen miteinander arbeiten, wird kommuniziert. Der sprachlichen Verständigung zwischen den Beschäftigten im Unternehmen, besonders aber auch zwischen einfachen Arbeitnehmern und Vorgesetzten bis hinauf ins höhere Management muss eine zunehmend stärkere Bedeutung beigemessen werden. Nicht nur, weil in der Schweizer Wirtschaft viele Nationalitäten unterwegs sind, sondern auch, weil der Umfang von Aufgaben, die Komplexität von Prozessen und die Vielfalt der Kommunikationswege ständig zunimmt.

Verstehen und verstanden werden ist die Grundlage einer gelingenden Kommunikation im Arbeitsalltag. Alle Lücken die sich hier auftun, führen letztlich zu einer geringeren Produktivität aufgrund mangelnder kommunikativer Fähigkeiten. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass insbesondere in spezialisierten Fachbereichen auch die Fachsprache Grundvoraussetzung für das Verstehen von Aufgaben und Prozessen ist.



Wer will wem was sagen

Bevor sprachlich kommuniziert wird, muss zunächst Klarheit darüber erlangt werden, wer was wem sagen will. Es geht hier also um den Absender, um den Inhalt und um den Empfänger einer Botschaft. Diese drei Teile der Kommunikation sind untrennbar miteinander verbunden und bestimmen die Wirksamkeit des gesprochenen Wortes.

1. Wer hat etwas zu sagen

Grundsätzlich hat jeder im Unternehmen etwas zu sagen. Vom einfachen Arbeitnehmer bis hinauf in den Vorstand hat jeder das Recht, eine tätigkeitsrelevante oder verhaltensbeeinflussende Kommunikation zu führen. Dabei kommt es nicht nur dem Inhalt, sondern auch der Form nach darauf an, wer hier wem etwas mitteilen will. Die Kommunikation von unten nach oben ist genauso unerlässlich wie die Kommunikation von oben nach unten. Auch in der gleichen Hierarchieebene bleibt Kommunikation bestimmend für die Erfüllung der jeweils entsprechenden Arbeitsaufgaben.



2. Was soll gesagt werden

Der Inhalt einer Botschaft ist das bestimmende Element der Kommunikation. Es muss also möglichst von Beginn an klar sein, was gesagt werden soll. Eine differenzierte Zielstellung ist hier ebenso wichtig wie klare Worte, die beim Empfänger verstanden und umgesetzt werden können. Je sicherer das Ziel der Kommunikation bestimmt werden kann, desto einfacher wird es auch, die passenden Worte zu finden. Dabei richtet sich das „Was“ vornehmlich an den Aufgabenstellungen im Unternehmen und an der konkreten Situation aus.

3. Wem wird etwas gesagt

Entscheidend für die Form und den Stil der zu übermittelnden Botschaft ist der Empfänger. Die jeweilige Information muss so „verpackt“ werden, dass sie beim Empfänger für diesen verständlich und nachvollziehbar ankommt. Hier bestehen oftmals die grössten Defizite in der Kommunikation im Arbeitsalltag.

Verstehen erfordert eine gleiche Sprache



Soll eine Kommunikation für alle Beteiligten verständlich erfolgen, so bedarf es einer gemeinsamen Sprache. Damit sind nicht nur die ethnische Herkunft und das Sprachverständnis an sich gemeint. Günstig ist es ohne Frage, wenn die Gesprächspartner eine gemeinsame Sprache, also beispielsweise Deutsch, Englisch oder Französisch sprechen und verstehen. Nur so kommt die Botschaft beim Empfänger auch an und eine entsprechende Rückmeldung kann erwartet werden.





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Günstig ist es ohne Frage, wenn die Gesprächspartner eine gemeinsame Sprache, also beispielsweise Deutsch, Englisch oder Französisch sprechen und verstehen. (Bild: Natalia Aggiato / shutterstock.com)

Neben der Sprache an sich, ist es aber vor allem das spezialisierte Vokabular, dass die Verständigung bestimmt. Die Rede ist hier von Fachbegriffen, Fremdwörtern und Synonymen. Diese müssen für eine gelingende Kommunikation von allen Kommunikationspartnern verstanden werden. Fachbegriffe sind dabei dazu geeignet, umständliche Umschreibungen eines Sachverhaltes abzukürzen. Der Sinn von Fachbegriffen ist es, genau in einem Fachbereich klar verstanden zu werden. Daher ist das Fachvokabular besonders im betrieblichen Alltag durch nichts zu ersetzen und muss von allen Beteiligten beherrscht werden. Fremdwörter hingegen sollten nach Möglichkeit vermieden werden, sofern sie nicht ohnehin geläufig sind und zum allgemeinen Sprachgebrauch gehören.

Wichtig ist letztlich, dass die Verständigung auf einer gleichen sprachlichen Ebene erfolgt. Dabei spielt die Stellung der Gesprächspartner in der bestehenden Hierarchie zunächst keine Rolle. Der Chef sollte den kleinen Arbeitnehmer genauso gut verstehen, wie dieser den Vorgesetzten. Nur so funktioniert die innerbetriebliche Kommunikation bidirektional und barrierefrei.

Verständigung kommt von Verstehen

Eine Verständigung über Sachverhalte funktioniert letzten Endes nur dann, wenn über die sprachlichen Fähigkeiten hinaus ein Grundmass an Verstehen vorhanden ist. Gemeint ist hier weniger das Sprachverständnis selbst, als vielmehr ein gut ausgeprägtes Mass an Empathie. Empathie beschreibt die Fähigkeit, sich situationsbedingt in die Lage des anderen zu versetzen und dessen Rolle im jeweiligen Prozess einnehmen zu können. Aus dieser Empathie heraus entsteht ein Grundverständnis, das oftmals ohne viele Worte funktioniert und eine Verständigung besonders über Hierarchieebenen hinweg noch einfacher macht.

Je besser verstanden wird was das Gegenüber im Kern und im Detail aussagen will, desto eher gelingt eine wirkliche Kommunikation. Sicherlich bedarf es in einzelnen Bereichen keiner besonderen Empathie, während in anderen Bereichen ohne dieses Einfühlungsvermögen gar nichts geht. Bei der Erteilung von Befehlen beispielsweise im militärischen Umfeld ist Empathie zu vernachlässigen, während in der sozialen Arbeit mit Menschen ohne ein hohes Mass an Einfühlungsvermögen ein sinnvolles Miteinander kaum möglich ist.

In vielen Führungsebenen verstehen sich Vorgesetzte als Befehlsgeber, die von ihren Unterstellten eine einfache Befehlsannahme und -ausführung erwarten. Das funktioniert auf Dauer nur selten und führt schnell zur Frustration und zu Missverständnissen bis hin zur Ablehnung oder totalen Verweigerung. Das sachliche aber ebenso vertrauensvolle Gespräch mit den Mitarbeitern über zu lösende Aufgaben ist in aller Regel der bessere Weg, um an gemeinsamen Zielstellungen zu arbeiten. Das schliesst eine zielführende sprachliche Konsequenz keinesfalls aus, die durchaus auch Teil des Verstehens und Verstanden-werdens sein kann. 



 

Oberstes Bild: © Andrey_Popov – shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.



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