Neustart: So gelingt der Karrierewechsel

06.02.2014 |  Von  |  Allgemein, Selbstmanagement
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Neustart: So gelingt der Karrierewechsel
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Sie können zum Karrierewechsel gezwungen sein oder ihn selbst gewählt haben: In jedem Fall steht Ihnen ein herausfordernder Schritt bevor, den Sie genau als diesen betrachten sollten – als Herausforderung, nicht als Problem. Sie haben eine der statistisch seltenen Möglichkeiten im Erwachsenenleben, nochmals von vorne anzufangen, sich neu zu erfinden, das aus alten Fehlern Gelernte auf einer neuen Leinwand aufzubringen.

Bevor Sie allerdings tatsächlich den Neuanfang angehen (ob dieser nun von aussen bestimmt wurde oder Sie erst einmal mit dem Gedanken spielen, weil Sie Ihre Fähigkeiten und Interessen an anderer Stelle besser investiert sehen): Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, diesen in Gedanken durchzuspielen. Damit sind nicht die dreissig Minuten vor dem Einschlafen gemeint, die Ihnen mit Sicherheit hernach Albträume bescheren, sondern mindestens eine durchgehende Woche, in denen Sie auch räumlichen Abstand von Ihrer aktuellen Arbeitsstelle nehmen sollten.



Beginnen Sie bei Ihren vorhandenen psychischen und physischen Reserven. Für eine erfolgreiche Verschiebung Ihrer beruflichen Matrix brauchen Sie vor allem in der Übergangszeit mentale Klarheit, Selbstvertrauen und die notwendige Kompetenz für die neue Tätigkeit. Beginnen Sie mit einer schonungslosen Bestandsaufnahme der Gründe, aus denen Sie einen Wechsel anstreben.

Manchmal wird dabei klar, dass Sie die gewünschten Veränderungen auch innerhalb Ihres bestehenden Arbeitsverhältnisses erreichen könnten, wenn Sie nur einige Parameter ändern. Und auch wenn Sie sich dies nicht vorstellen können: Bemühen Sie sich zunächst einen von Ihnen selbst festgesetzten Zeitraum darum, in Ihrem gegenwärtigen Umfeld aktiv positive Veränderungen einzuleiten – und wenn es nur dafür das ist, dass Sie sich selbst davon überzeugen, alles getan zu haben und nicht länger Opfer der Umstände zu sein.

Aus der Rolle des „Besiegten“ heraus neu zu beginnen, ist psychologisch schwierig. Gehen Sie deshalb aktiv auf Kollegen und Vorgesetzte zu, mit denen es Probleme gibt und wagen Sie eine Aussprache (Sie haben ja nun nur noch wenig zu verlieren). Versuchen Sie noch, an Weiterbildungs- und Lernerfahrungen mitzunehmen, was zur Verfügung steht.

Informieren Sie sich gleichzeitig sorgfältig über Ihre neue Tätigkeit, vor allem, wenn Sie diese bisher nicht ausgeübt haben – verlassen Sie sich keinesfalls auf Ihre vielleicht naive oder euphemistische oder veraltete Vorstellung davon, wie es „sein könnte“, X oder Y zu tun. Sprechen Sie mit Menschen, die Ihren zukünftigen Job bereits machen – ohne ihnen zu sagen, dass Sie ähnliches vorhaben. Fragen Sie explizit nach den besten und schlechtesten Aspekten. Seien Sie sicher, aus den richtigen Gründen Ihr Unternehmen zu verlassen und aus noch besseren den neuen Arbeitgeber oder eine Selbstständigkeit zu wählen.

Wenn Sie nur deshalb Ihren Job verlassen, weil er sie wirklich bodenlos frustriert oder sogar unglücklich macht, dann denken Sie besonders sorgfältig über die Alternativen nach. Ansonsten tritt der „Alles-ist-besser-als-das“-Effekt ein, der Sie unkritisch und über-optimistisch werden lässt, weil Sie die neue Tätigkeit eher als Flucht- denn als Aufenthaltsort beurteilen. Sie machen dann unter Umständen auch den Fehler, nach einer Tätigkeit zu suchen, die sich absolut radikal von dem unterscheidet, was Sie gerade tun – obwohl sie eigentlich nicht mit dessen Essenz, sondern den Umständen unzufrieden sind. Machen Sie sich bewusst, was Sie zu Beginn Ihrer Tätigkeit zu deren Aufnahme bewogen hat. Was waren Ihre Leidenschaften, Ihre Kompetenzen, Ihre Ziele? Vielleicht haben sich diese nicht verändert, Sie brauchen nur einen anderen Kanal. Lassen Sie diese Möglichkeit nicht unberücksichtigt.



Entwickeln Sie dann einen finanziellen Plan für die Phase des Neubeginns, mit dem Sie angstfrei in Ihre neue Tätigkeit starten können. Ob dies das Aushandeln einer Abfindung oder eine Lohnfortzahlung bedingt oder die Beantragung von Sozialleistungen (finden Sie vorab genau heraus, um wie viel es sich unter Ihren Umständen handeln würde): Wichtig ist, dass Sie wissen, was Ihnen in den ersten sechs Monaten zur Verfügung steht.



Machen Sie sich auch bewusst, dass Sie in einem komplett neuen Berufsfeld eine Weile brauchen werden, um sich zu etablieren – gehen Sie keinesfalls vom Fortbestehen Ihrer bisherigen Einkommenssituation aus, nur weil Sie das Gefühl haben, im neuen Job ebenso kompetent zu sein wie im alten. Seien Sie realistisch in Ihren Berechnungen, mit wie wenig Sie auskommen können – und bedenken Sie, dass eine Kreditvergabe in Seiten der Veränderung unwahrscheinlich wird. Wenn Sie Ihren Übergang mit einem Darlehen finanzieren möchten, dann sollten Sie dieses beantragen, bevor Sie Ihre feste Anstellung verlassen.

Machen Sie ausserdem eine sehr ehrliche Inventur der Fähigkeiten, die Sie als Status Quo in ein neues Umfeld einbringen können. Verlassen Sie sich dabei nicht nur auf Ihre Selbsteinschätzung, sondern fragen Sie auch Menschen die Sie sehr gut kennen (die allerdings nicht mit Ihren Plänen zu Ihrem Boss rennen, bevor sie selbst die Chance dazu hatten), Fragen Sie sich, welche Talente Sie zu haben glauben und wie sich diese am schnellsten und effektivsten in Kompetenzen transformieren lassen. Legen Sie für sich genau fest, wie die Arbeitsatmosphäre, die Team-Strukturen, die Unternehmenskultur, die Nachhaltigkeitswerte Ihres neuen Arbeitgebers beschaffen sein sollten, damit Sie sich wohler fühlen als an ihrem alten Arbeitsplatz.

Machen Sie bei dieser Aufzählung noch keine Kompromisse – die kommen unter Umständen früh genug. Dies gilt auch für Ihr Einkommen. Wenn Sie unter eine bestimmte Summe nicht gehen wollen, dann bleiben Sie dabei. Formulieren Sie auch Ihre Ängste und welche Risiken Sie im Austausch mit welchen Privilegien bereit sind einzugehen. Erst auf der Basis einer solchen detaillierten, schriftlichen Selbsteinschätzung sollten Sie dann zu den (oft irreversiblen) Taten schreiten.



 

Oberstes Bild: Betrachten Sie den Karrierewechsel als Herausforderung, nicht als Problem (Bild: © Coloures-Pic – Fotolia.com)


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