Kleine Angestellte – werden sie die neuen Armen?

03.02.2014 |  Von  |  Allgemein, Organisation
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Kleine Angestellte – werden sie die neuen Armen?
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Die untere Mittelschicht in den USA rutscht ab – diese Tatsache trat bereits lange vor der Finanzkrise zutage. Viele Arbeiter und kleine Anstellte benötigen mehr als einen Job, um ihre monatlichen Ausgaben zu stemmen. Die Angst, dass diese Gruppe künftig dauerhaft zu den wirtschaftlichen Verlierern zählt, macht sich auch in Europa breit.

In Deutschland, Frankreich und vor allem Südeuropa warnen Arbeitsmarkt-Statistiker davor, dass ein immer grösserer Teil der unteren Mittelschicht mit prekären und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen vorlieb nehmen muss. Die Schweiz befindet sich hier übrigens nach wie vor auf der sicheren Seite – erst vor wenigen Tagen attestierte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) den Eidgenossen trotz saisonal steigender Arbeitslosenzahlen mit einer Arbeitslosenquote von nur 3,2 Prozent nahezu Vollbeschäftigung. Vorübergehend arbeitslose Schweizer können mehrheitlich sicher sein, innerhalb von sechs Monaten einen neuen – und vor allem einen angemessenen – Job zu finden.



Der Chef des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller, bezweifelt auch für den Rest Europas, dass die untere Mittelschicht um ihren sozialen Status bangen muss. In einem Artikel für „Spiegel Online“ schreibt er, dass dieser Trend des US-amerikanischen Arbeitsmarktes keinesfalls als Schablone für die Entwicklung hierzulande taugt.

Strukturelle Wandlung auf dem Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt wird grundsätzlich durch das Gesetz von Angebot und Nachfrage gesteuert. Druck auf einzelne Gruppe ergibt sich immer dann, wenn das Angebot an Arbeitnehmern mit bestimmten Kompetenzen und Qualifikationen die Nachfrage der Unternehmen deutlich übersteigt. Bei einer Bewerberschwemme in bestimmten Berufen gibt es für Arbeitgeber keinen Anlass, bereits eingestellten Mitarbeitern oder Neueinsteigern bessere Konditionen im Hinblick auf Bezahlung, Jobsicherheit oder Karrierechancen anzubieten.

Die Unternehmen befinden sich in solchen Fällen in einer strategisch günstigen Position. Zudem hat sich in den letzten Jahren der Arbeitsmarkt strukturell gewandelt. Viele Firmen haben bestimmte Bereiche – beispielsweise unternehmensbezogene Dienstleistungen – ausgesourct und arbeiten im Rahmen von Projekten in immer grösserem Umfang mit externen Fachkräften zusammen. Ein Statusverlust für Arbeitnehmer ist mit solchen Prozessen vor allem dann verbunden, wenn bestimmte Jobs und Expertisen auf dem Arbeitsmarkt in grösserem Umfang nicht mehr gefragt sind.

Hiervon sind nicht nur einfache, sondern sehr oft auch hochspezialisierte Tätigkeiten betroffen. Ausbildungsentscheidungen und daraus resultierende Karrierewege zu revidieren, ist für den Einzelnen schwierig – im Extremfall kann dies auf dem Arbeitsmarkt das Aus bedeuten.



Der technische Fortschritt erweist sich vor diesem Hintergrund als ambivalent für Arbeitnehmer. Einerseits entstehen durch die technische Entwicklung neue qualifizierte Arbeitsplätze, meist wird sie in anderen Bereichen jedoch auch durch einen massiven Arbeitsplatzabbau begleitet. Zudem herrscht auch auf dem Arbeitsmarkt inzwischen ein globaler Wettbewerb. Viele Branchen haben ihre Produktion fast hundertprozentig an ausländische Standorte mit einem niedrigeren Lohnniveau verlagert.

Ebenso ermöglichen das Internet, moderne digitale Kommunikationsgeräte und das Vorhandensein von hochqualifizierten und vergleichsweise billigen Arbeitskräften in den Schwellenländern heute, auch anspruchsvolle Tätigkeiten – zum Beispiel im IT-Bereich – zu internationalisieren. Nicht zuletzt verändern neue Techniken auch das Nachfrageverhalten der Verbraucher, was ganze Branchen treffen kann. Beispielsweise führte der Siegeszug des Personal Computers und des Internets zur Krise der Druckindustrie sowie der konventionellen Medien.

„Schöpferische Zerstörung“ setzt Arbeitskräfte frei und verändert ganze Branchen

Trotzdem beschreibt Joachim Möller diesen Strukturwandel als „schöpferische Zerstörung“, der allerdings manche Branchen dazu zwingt, ihre Grundlagen völlig neu zu definieren. Dem tendenziellen Niedergang der Printmedien steht eine florierende Online-Medienszene gegenüber. Der stationäre Einzelhandel ist in manchen Bereichen zwar stark unter Druck geraten, gleichzeitig boomt jedoch der Online-Handel. Viele Handelsunternehmen verfolgen inzwischen Multi-Channel-Strategien, in denen das Ladengeschäft zum Beratungs- und Kundenservice-Zentrum wird, der Umsatz jedoch vor allem durch das Internet getrieben wird.



Eine Prognose, welche Auswirkungen solche Prozesse auf die Beschäftigten haben, lässt sich oft nicht ganz einfach prognostizieren. Einige allgemeine Tendenzen sind jedoch offensichtlich. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass der Bedarf der Unternehmen an Routinetätigkeiten – egal ob manueller oder geistiger Natur – stark zurückgegangen ist. Buchungsprozesse und viele andere Verwaltungstätigkeiten werden heute durch Computer übernommen, das Gleiche gilt für einfache Routineaufgaben in der industriellen Produktion, die bei Rationalisierungen nur noch schlechte Chancen haben.



Qualifikation begründet Chancen

Arbeitsmarkt-Experte Möller ordnet berufliche Tätigkeiten je nach ihren Qualifizierungsanforderungen in drei Kategorien ein. Im unteren Bereich dominieren einfache manuelle Tätigkeiten, worunter sowohl der Fliessbandarbeiter als auch die Restaurantbedienung fällt. Im mittleren Bereich herrschen dagegen Tätigkeiten mit kognitiven Routinen vor – Buchhaltung ist hier ein prägnantes Beispiel. Rationalisierungsanfällig sind in beiden Bereichen die Routinen – am Fliessband ebenso wie im Büro. Beschäftigte in Berufen, in denen es um Interaktion, Wissen und situatives Handeln geht, haben dagegen auch heute gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die oberste Kategorie ist in der Regel an hohe Qualifikationen gebunden und durch kreative, interaktive geistige Tätigkeit geprägt.

Sind also doch die Vertreter der beiden unteren Kategorien – Arbeiter und kleine Angestellte – die Verlierer? Aus Sicht von Möller: Ja und nein. Eine pauschale Antwort darauf ist jedenfalls nicht möglich. Zu den Verlierern gehören bereits heute gering oder auch falsch qualifizierte Arbeitnehmer – Arbeiter ebenso wie Angestellte. Arbeitnehmer mit guter Qualifikation, die es schaffen, ihre Spezialisierungen den veränderten Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen – Stichwort: Flexibilität und lebenslanges Lernen – stehen jedoch meist auf der Gewinnerseite.

Hier – in der Qualifikation respektive der Möglichkeit dazu – liegt im Übrigen auch ein wesentlicher Unterschied zwischen Europa und den USA: Die europäischen Bildungssysteme sorgen in vielen Ländern durch eine differenzierte Berufsbildung für ein breites, gut qualifiziertes Mittelfeld. Das Bildungswesen in den USA ist zwar sowohl im schulischen als auch im akademischen Bereich sehr hoch entwickelt, Schulabgängern, die es nicht aufs College schaffen, bleibt für ihre berufliche Bildung jedoch oft nur ein „training on the job“ – und exakt aus dieser Gruppe rekrutieren sich später oft die Absteiger aus der unteren Mittelschicht.



 

Oberstes Bild: Kleine Angestellte – werden sie die neuen Armen? (Bild: © drubig-photo – Fotolia.com)



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